Wenn Väterchen Frost am Asphalt knabbert…

Gevelsberg. (zico, 21.04.2010)

Väterchen Frost hat im zurück liegenden Winter ganze Arbeit geleistet: Auf rund drei Milliarden Euro werden die Kosten geschätzt, die zur Beseitigung der in Folge der besonders strengen Witterung entstanden sind. Das Bundesverkehrsministerium hat gerade einmal 100 Millionen Euro extra für die Sanierung der Straßen bewilligt, doch die Kommunen erhalten von dieser Summe keinen Cent. Dabei gilt auch für sie: Rund drei- bis viermal umfangreicher als sonst nach der kalten Jahreszeit sind die Schäden dieses Bibber-Winters, an etlichen Stellen tun sich Schlaglöcher auf – und die Kassen der Städte und Gemeinden sind fast überall gähnend leer. Der wochenkurier befragte deshalb Ludwig Vennhoff, Technischer Leiter der Technischen Betriebe Gevelsberg (TBGev), wie man in der Engelbertstadt mit der Problematik umgeht.

„Keine Angst – Stoßdämpferprüfstecken sind die insgesamt 275 Kilometer umfassenden Straßen in Gevelsberg auch nach diesem Winter nicht“, so der 52-Jährige, der das Vorgehen der Technischen Betriebe erläutert: „Wir haben bereits sämtliche Straßen abgefahren und die Schäden nach den anfallenden Sanierungsmethoden aufgenommen.“ Insgesamt gibt es – neben der einfachen Verfüllung kleiner Risse – fünf mehr oder weniger aufwändige Verfahren, um die Straßen wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen.

1) Patch-System: Die kostengünstigste, aber auch am wenigsten dauerhafte Methode. Dabei werden Schlaglöcher punktuell mit der Verfüllung von Heiß-Bitumen und Splitt beseitigt.

2) Einstreudecken: Hier wird auf größerer Fläche Bitumen mit Splitt aufgetragen. Partiell entsteht eine neue Fahrbahn-Oberfläche.

3) Verschleißdecken-Erneuerung: Bei diesem Verfahren wird zunächst die oberste Fahrbahnschicht in einer Stärke von drei bis vier Zentimetern abgefräst, bevor die Fahrbahndecke erneuert wird.

4) Erneuerung des bituminösen Oberbaus: Der gesamte bituminöse Oberbau wird abgetragen und erneuert.

5) Komplett-Erneuerung der Straße: De facto wie ein Neubau der Straße inklusive Unterbau.

„Wo zuerst ausgebessert oder erneuert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab“, so Ludwig Vennhoff. Wo Unfallgefahren entstanden sind, wird natürlich sofort Abhilfe geschaffen. „Oft werden uns solche Stellen telefonisch mitgeteilt; dann wird von uns nachgesehen, wie groß der Handlungsbedarf ist“, erklärt der Experte: „Da, wo die Schäden nicht zur Eile mahnen, werden wir über den Sommer tätig.“ Ein entscheidendes Wort redet auch die Politik mit: Fachausschuss und Rat legen ihre Prioritätenliste fest, die dann abgearbeitet wird. 500.000 Euro stehen für die Beseitigung der Schäden in diesem Jahr zur Verfügung – ein Budget, mit dem längst nicht alle Schäden auf hohem Niveau beseitigt werden können.

Besondere Schwerpunkte, die überproportional von Straßenschäden betroffen sind, gibt es in Gevelsberg nicht. Auch sieht man sich in Gevelsberg nicht in dramatischen Ausmaßen von den Winterschäden betroffen, weil die Stadt zum Beispiel an der Wittener Straße erst vor relativ kurzer Zeit Sanierungsmaßnahmen ausführen ließ. Solche Straßen sind vor neuen Schäden erst einmal weitgehend gefeit. Gleichwohl werden die Technischen Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen in diesem Jahr verstärkt mit dem Patch-System arbeiten müssen, um mit den veranschlagten Haushaltsmitteln hinzukommen.

Ludwig Vennhoff macht aber noch auf weitere Aufgabengebiete aufmerksam, die die Technischen Betriebe zu bearbeiten hat: „Wir sind auch für 51.000 Quadratmeter Gehwegfläche, 3.600 Straßenabläufe, im Volksmund auch Gullies, und 3.375 Kanalschachtabdeckungen verantortlich.“ Auch hier können Stolperkanten entstanden oder an den Gullies und Abdeckungen die Teer-Einfassungen weggebrochen sein. Und ebenso sind diese Schäden zu erfassen und zu beseitigen. Ludwig Vennhoff und seinen Kollegen bei den Technischen Betrieben Gevelsberg stehen also arbeitsreiche Monate bevor…