Wildwasser-Polo in Gevelsberg

Gevelsberg. (Sche) „Da setzen wir auch mal das Kanu rein“, lacht Heide Kuscharski und deutet auf den künstlichen, runden Tümpel auf dem Rasen: „Besonders meine Kinder üben dort die Eskimorolle.“

Damit ist eine Technik gemeint, ein gekentertes Kanu wieder aufzurichten, indem man sitzenbleibt und einfach durchrollt. Das hört sich einfacher an als es ist und will geübt sein. Nicht nur für solche Extremsituationen, sondern auch für den alltäglichen Kanusport engagiert sich die Interessengemeinschaft Kanufreunde Gevelsberg, deren Mitglied Heide Kuscharski ist. „Wir sind kein Verein mit Vorstandsposten und Mitgliederversammlungen“, charakterisiert die Sportlehrerin den Zusammenschluss Kanubegeisterter: „Hier stehen die Gemeinsamkeit und die Freude am zusammen ausgeübten Sport im Vordergrund.“ Einen losen Verbund habe man aber ins Leben rufen müssen, um an offiziellen Veranstaltungen wie der Reise in die Partnerstadt Sprottau teilnehmen zu können. Dort hatten die Hauptschule und das Gymnasium Gevelsberg mit 18 Schülern in neun Zweierbooten vor Kurzem an einem Austausch teilgenommen und auf den Gewässern im polnischen Landkreis Lebus viel Spaß gehabt.

Städtepartnerschaften standen auch am Anfang der Begeisterung für die kleinen, um die 13 Kilogramm leichten Wasserfahrzeuge von Ufer zu Ufer bewegen lassen. Vater Siegfried Kuscharski entwickelte nämlich bereits 1977 eine Kanu-Brüderschaft mit Gleichgesinnten im französischen Vendôme. „Ich bin sozusagen ins Boot hineingeboren“, denkt Heide Kuscharski an die eigene Kindheit zurück: „Seit dem zartesten Alter saß ich im Kanu.“ Die Begeisterung ist geblieben – die aktive Sportlerin ist Mitglied im Kanu Club Wetter, wo auch ihr Mann Martin als Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender fungiert. Man trainiert auf dem Harkortsee, so dass die Anfahrt von Gevelsberg aus leicht zu bewältigen ist.

Mit einem Verein begnügt sich die Mutter dreier Kinder allerdings nicht. Sie ist auch noch bei den Kanufreunden der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld und im Herdecker Kanu Club aktiv. Bei den Herdeckern widmet sie sich intensiv dem Drachenboot-Training. Man hat den Eindruck, dass sich die ganze Familie mit den 22, 19 und 15 Jahre alten Töchtern in allem wohl fühlt, was auf dem Wasser schwimmt und mit Muskelkraft angetrieben sein will.

Schnell klärt Heide Kuscharski über die Fachbegriffe auf: Kanu ist der Oberbegriff für den Kanadier, in dem man sitzen oder knien kann, und das Gefährt nach Indianerart mit einem einblättrigen Stechpaddel vorwärtstreibt. Die andere Variante ist das Kajak, in dem man sitzt und Tempo mit dem Paddel aufnimmt, das auf beiden Seiten eine Wasserschaufel aufweist. In den Fahrzeugen kann man allein oder zu zweit paddeln. Auch ein Notsitz für ein Kind ist manchmal vorhanden. Praktische Anwendungen der überwiegend sportlich betriebenen Fortbewegungsart auf dem Wasser sind die Seehundjagd im hohen Norden und maritime militärische Kommandounternehmen.

Friedlich geht es dagegen zu, wenn die Kuscharskis ihre Boote zu Wasser lassen, von denen mehrere Exemplare in der heimischen Garage auf den Einsatz warten. Ausgedehnte Wasserwanderungen und Treffen mit vielen Sportkameraden, zum Beispiel im vergangenen Jahr mit 400 Personen im österreichischen Inntal, stehen da auf dem Programm. Noch körperbetonter geht es beim Kanu-Polo mit einem Wasserball zu, und wer es ganz hart mag, wagt sich ins Wildwasser. „Danach bin ich fast süchtig“, strahlen Heide Kuscharskis Augen schon beim Erzählen: „Es ist eine echte Herausforderung für den ganzen Körper.“

Den Spaß daran, und sei es nur am „ruhigen“ Kanufahren, möchte die Pädagogin gern jungen Leuten und ihren Familien nahebringen. Als Ansatzpunkt dafür sieht sie ihre schulische Praxis. Schule und Kanu – ihrer Ansicht nach eine perfekte Kombination…