Fremdschämen im Schwelmebad

    Als ehrenamtlich tätiger Bürger hat man es nicht leicht. Da bekommt man bei offiziellen Anlässen vielleicht einmal im Jahr einen feuchten Händedruck von Honoratioren, die den unschätzbaren Wert der geleisteten Arbeit preisen, und wenn man Glück hat noch eine Rabattkarte für einige städtische Veranstaltungen obendrauf. Ansonsten hat man jede Menge Maloche für andere Leute und meist noch viel Ärger dazu am Bein.

    Beispiel Schwelm: Dort hat sich die Stadt als Betreiber des Schwelmebads schon vor fünf Jahren aus der Verantwortung gezogen und die Brocken hingeworfen. Stattdessen dürfen jetzt ehrenamtliche Kräfte den Laden schmeißen, den Badbetrieb organisieren und zusehen, wie sie das Geld dafür zusammenkratzen. Das tun sie auch mit viel Einsatz und Kreativität und leisten damit für die Allgemeinheit gute Dienste.

    So fanden sich am vergangenen Samstag fast 1.000 Menschen im Schwelmebad zusammen, um den Klängen von Lazy Daisy zu lauschen und mit dem Eintrittsgeld sowie Überschüssen aus dem Verzehr den Fortbestand des Bades zu sichern. Lazy Daisy selbst spielten ohne Gage auf, alle Beteiligten zogen im Sinne der guten Sache an einem Strang.

    Doch kann ja bekanntlich der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Und anstatt sich unters feiernde Volk zu mischen, riefen wohl ein, zwei Anwohner die Polizei an, welche dem fröhlichen Treiben um 23 Uhr ein jähes Ende setzte. Lärmschutz! So blieben etliche Bratwürste ungegessen und so manches Bier ungezapft, was den Erlös zugunsten des Bades deutlich schmälerte.

    Für die Denunzianten und Petzliesen kann man sich in diesem Fall eigentlich nur fremdschämen. Und als Polizist hätte QuENgelbert sicherlich sorgfältig geprüft, ob er nicht gerade noch dringlichere Aufgaben zu erledigen gehabt hätte…

    Wie dem auch sei – fürs nächste Mal sollte es gelten, den offensichtlich unvermeidlichen Miesmachern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gefragt ist hier auch der Bürgermeister, der Organisatoren, Ordnungsamt und Polizei im Vorfeld an seinen Tisch bitten könnte – vielleicht sogar als Schirmherr der Veranstaltung. Dann könnten erforderliche Genehmigungen im Vorfeld besprochen und ein rechtlicher sicherer Rahmen für die Veranstaltung abgesteckt werden. Schließlich versieht der Trägerverein für das Schwelmebad mit dem Betrieb des Bades eine Aufgabe, die eigentlich der Kommune zuzuordnen ist.

    In anderen Städten wie Altena oder Iserlohn jedenfalls ist es bei entsprechenden Anlässen möglich, bis tief in die Nacht oder gar bis zum Morgengrauen zu feiern. Warum nicht auch in Schwelm?