Hare Krishna in der Provinz

    Was war das denn für einer? Was will der?

    Der Mann mit dem langen Gewand und der orangen Mütze zog die Blicke der Passanten in der Gevelsberger Innenstadt nicht unfreiwillig auf sich. Mit einem Einkaufstrolley, auf dem er eine kleine Musikanlage befestigt hatte, zog er über die Mittelstraße und sang: „Hare Krishna Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare.“

    So eine Schau! Hahaha!

    Im Internet diskutierte man abends eifrig über den seltsamen Mann. „Der hat doch bestimmt ne Wette verloren.“ – „Der ist mir gottlob erspart geblieben.“ – „Der rannte doch schon auf der Kirmes rum.“ Einer wollte „dem Vollpfosten“ sogar „was vor die Birne hauen“ und „das Licht ausknipsen“. Was wäre denn, „wenn so ein Freak mal durchdreht und die Brocken fliegen“?

    Es wurde sogar ein Video von dem Mann hochgeladen, das ihn in Aktion zeigt. „Hare Krishna Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare.“ Schließlich stieg er in einen stinknormalen Linienbus und fuhr davon – etwas enttäuschend, hatte doch das staunende Gevelsberg erwartet, dass er mindestens mit einem fliegenden Teppich gen Horizont entschwindet.

    Was auf die Birne hauen? Das Licht ausknipsen?

    Der Umgang mit allem, was uns fremd ist, ist oft mit Ablehnung verbunden. Früher holten die Mütter ihre Kinder ins Haus, wenn die Circusleute in die Stadt kamen. Was wir nicht kennen, macht uns mitunter Angst. Und wenn wir es vernichten, geht keine Gefahr mehr davon aus.

    Eine aufgeklärte Gesellschaft geht anders mit „Anderen“ um. Miteinander sprechen kann oft sehr hilfreich sein. Wer den Fremden ansprach, der erfuhr, dass er ganz harmlos ist und den Gesang zur Meditation nutzt. Mit dem Hare-Krishna-Mantra ruft er zwei Erscheinungsformen des Gottes Vishnu an: Krishna und Rama. Und eine Gefahr geht gewiss nicht von ihm aus. Wie von vielem, was wir nicht kennen und was doch eine Bereicherung für unser Leben darstellen könnte…