Heiße Dreharbeiten in der Kreisfeuerwehrzentrale

Gevelsberg. (pen) Es riecht wie in einer Pommesbude. Rüdiger Kaiser erhitzt einen Topf voll Speiseöl. Der Leiter der Kreisfeuerwehrzentrale in Gevelsberg weiß, wie man mit heißem Fett und Wasser eine ordentliche Explosion erzeugt. In der vergangenen Woche inszenierte er sie für die MDR-Fernsehserie „Einfach genial“.
Das Filmteam ist mit einer speziellen Hochgeschwindigkeitskamera angereist, die die Bilder in Zeitlupe festhalten kann. Doch bis die Ausrüstung aufgebaut ist, dauert es. Stative müssen ausgerichtet, Kameras angeschlossen und Laptops hochgefahren werden. „Ihnen fehlt noch das Mikrofon“, ruft Redakteurin Annika Lenz dem obersten Feuerwehrmann zu. Der nickt gelassen. Mit Filmteams kennt er sich aus, auch WDR und die „Sendung mit der Maus“ haben in Gevelsberg schon gedreht.
Grund: Das so genannte „Brandhaus“ macht es mit seinen zahlreichen Gasbrennern möglich, Brände realitätsnah zu simulieren.

Ursprung Küche

„Fast vierzig Prozent aller Wohnungsbrände haben ihren Ursprung in der Küche“, erklärt Kaiser. Tom Kreyssig schwenkt seine Kamera auf den bereits in Flammen stehenden Topf im Hintergrund. „Wird eine Pfanne auf dem Herd vergessen, entzündet sich das Fett bei 300 Grad von selbst“, fügt Kaiser an.
Die speziellen Kameras können nur 6 Sekunden filmen. Dafür zeigen anschließend aber tausend Bilder pro Sekunde, wie lebensgefährlich Versuche sind, Fettbrände mit Wasser zu löschen. Feuerwehrmann Rainer Wisbar, der einen Schutzanzug trägt, zieht aus sicherer Entfernung an einer Schnur, die einen Wasserbehälter in den brennenden Topf entleert. Ein kurzes Zischen, dann schießt ein meterhoher Feuerball in die Höhe. Daumen hoch vom Kameramann: Die Bilder sind im Kasten.

Fatale Wege

Während die Feuerwalze unter freiem Himmel ungehindert nach oben steigen konnte, muss sie sich in geschlossenen Räumen andere, für Leib und Leben fatalere Wege suchen. Welche, das soll ein Szenenwechsel veranschaulichen.
Vom Hof der Kreisfeuerwehrzentrale geht es in das Brandhaus. Schon beim Betreten des Gebäudes beißt Gasgeruch in der Nase. Die Betonwände sind mit Stahlplatten verkleidet, um sie hitzebeständiger zu machen. Sie sind so verrußt, dass die eingebaute Küchenzeile aus Stahl im hinteren Raum nur schemenhaft zu erkennen ist. Auch die feuerfesten Scheinwerfer lassen nur noch wenig Licht durch die ebenfalls verrußten Glasabdeckungen.
Kaiser wirft sich seine Schutzkleidung über, bevor er das erste Mal auf den Auslöser drückt. Kurz ist das Rauschen der Gasbrenner zu hören. Dann schießt ein Feuerball aus dem Herd. Binnen Sekunden wälzt sich das Feuer unter der Decke durch den ganzen Raum. Die Druckwelle schlägt dem Filmteam noch bis in den Nebenraum entgegen und bläst eine Wolke von gelösten Rußteilchen durch die Haare. „Nicht auszudenken, so eine Feuerwalze würde einem in der eigenen Küche entgegen schlagen“, ist Redakteurin Lenz beeindruckt.

Brandübungshaus

Auf zwei Etagen können mit Propangasbrennern und Nebelmaschinen Brände in elektrischen Anlagen, Küchen oder Schlafräumen sowie das Durchzünden von Rauchgas durchgespielt werden. Die Feuerwehrleute lernen, sich besser auf Risiken einzustellen, üben einsatztaktisches Verhalten, vertiefen ihre Kenntnisse über Löschtechniken und Menschenrettung. Notausgänge, Notschalter sowie die Überwachung der Teilnehmer mit einer Wärmebildkamera machen das Üben risikoärmer. Zusammen mit einer Übungsstrecke in der Kreisfeuerwehrzentrale, in der im abgedunkelten Gerüstlabyrinth der Einsatz mit Atemschutzgeräten trainiert wird, bietet der EN-Kreis den Feuerwehren beste Voraussetzungen für eine realitätsnahe Ausbildung.