Kamera läuft – Löwe nicht!

    Aus diversen Formaten privater Fernsehsender ist bekannt, dass deren Macher den Zuschauer mit phantasievollen Verdrehungen der Wirklichkeit an der Nase herumführen – man denke nur an das „Dschungelcamp“. Womit wir in gewisser Weise schon fast beim Thema sind, denn mit Dschungel hat im weitesten Sinn eine Anekdote zu tun, welche QuENgelbert von einer entfernten Verwandten bei einer Familienfeier vor vielen Jahren erzählt bekam. Und die zeigt, dass leichte Manipulationen an der Realität auch schon in der heilen TV-Welt der sechziger Jahre vorgekommen sind.

    QuENgelberts Informantin war ehedem Wissenschaftlerin am Zoologischen Institut der Universität Münster. In dieser Eigenschaft war sie fachlich gut mit Dr. Bernhard Grzimek bekannt, dem seinerzeitigen Direktor des Frankfurter Zoos und großem Tierkundler, der regelmäßig Reisen in weit entfernte Länder unternahm und seinem Fernsehpublikum im ARD-Programm von seinen Erlebnissen berichtete. In der Sendung „Ein Platz für Tiere“ nahm der Professor im unverzichtbaren gelben Pullover vor der Kamera an einem Schreibtisch Platz, wobei ein Exemplar der in der Sendung beschriebenen Tierarten gewöhnlich auf seiner Schulter saß, den Genscher-Pulli malträtierte oder sich genüsslich knabbernd an der Technik zu schaffen machte. Der Ablauf folgte dabei immer dem gleichen Schema: Erst zeigte der Zoologe auf der Karte, wohin er gereist war, dann folgten einige einleitende Worte, und schließlich spielte Professor Grzimek einen Film ein, zu dem er aus dem „Off“, wie die Fernsehleute sagen, seinen Kommentar gab.

    In einer dieser Ausstrahlungen ginge es um die Tierwelt in Kenia, und Dr. Bernhard Grzimek zeigte Löwen auf der Piste des internationalen Flughafens von Nairobi. Dazu der Text aus dem Hintergrund: „Hier am Flughafen von Nairobi begeben sich die Löwen sogar auf die Start- und Landebahn des Flughafens.“

    An dieser Stelle kommt nun Quengelberts Verwandte Gerti mit ihrem Bericht ins Spiel. „Die Löwen hatten gar keine Lust, auf den heißen Asphalt zu laufen, und wollten lieber in ihrem gemütlichen Savannen-Versteck den Tag verdösen“, erinnerte sie sich: „Da dem Professor nun die ganze Szene zu verderben drohte, heuerte er kurzerhand einige junge einheimische Männer an, denen die angebotenen Dollars wie ein kleines Vermögen erschienen. Beherzt näherten sie sich den trägen Königen des Tierreichs und bewegten diese mit wohlgezielten Tritten in deren Hinterteile dazu, in fast selbstmörderischer Weise den ostafrikanischen Flugverkehr zu gefährden.“

    Seit dieser Erzählung weiß QuENgelbert, dass beim Fernsehen nicht erst seit Einführung der Privatkanäle geschummelt wird. Selbst der große Grzimek musste mitunter tricksen, wenn sich seine tierischen Laiendarsteller partout nicht ans Drehbuch halten wollten. Gut nur, dass diese vermutlich vor ihrem ersten Fernsehauftritt noch die ein oder andere leckere Gazelle verspeist hatten, denn sonst wäre das Unternehmen „für eine Handvoll Dollars“ wohl zu einem Himmelfahrts-Kommando der wackeren Kenianer geworden, vermutet

    Quengelbert