Karneval auf der Couch

    Am Rosenmontag werden sie uns wieder die Bude auf den Kopf stellen, die heimischen Karnevalisten, und unseren Redaktionsalltag in knallbunte Farben und liebenswerte Fröhlichkeit tauchen. Diesmal aber werden wir genau hinsehen, denn ihre Kostüme verraten weit mehr, als wir bis vor wenigen Tagen noch angenommen hatten.

    Diplom-Psychologe Rolf Schmiehl nämlich hat uns verraten, welcher Typ sich hinter hinter welcher Verkleidung versteckt. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen geben wir gern an sie weiter, verehrte Leserinnen und Leser, denn im Karneval kommt man sich bekanntlich näher. Und da sollten sie schon wissen, wer sich hinter falschem Bart und unter lustiger Perücke verbirgt.

    Wer zum Beispiel glaubt, im Cowboykostüm stecke ein cooler, draufgängerischer Macho, der sollte seine Meinung umgehend revidieren. Frei, unabhängig, männlich und mutig kommen uns die amerikanischen Kuhhirten daher, doch die Realität sieht laut Rolf Schmiehl gaaanz anders aus. Im Alltag haben die Jungs mit den breiten Hüten nämlich nicht viel zu melden. Berufliche und private Unterdrückung sind stattdessen an der Tagesordnung. Und selbst sexuell herrsche in aller Regel tote Jeans-Hose. Der Tipp des Experten: Nehmen sie ihn liebevoll in den Arm und geben sie ihm das Gefühl, dass sie den weichen Kern mehr schätzen als die angeblich raue Schale.

    Eine absolute Vollkatastrophe verbirgt sich dem Vernehmen nach auch hinter dem Scheich. Der vorgegaukelte Reichtum sei komplett gelogen, so Rolf Schmiel. Unter dem Kaftan verbirgt sich stattdessen ein Geiznickel, der nichts in sein Kostüm investieren muss: Küchenhandtuch, Bettlaken, schwarze Kordel und Sonnenbrille hat er gratis im Haus. Der Diplom-Psychologe geht sogar noch weiter: Der Scheich hing lange an Mutters Schürze und wird zu Hause auch emotional kurz gehalten! Wer hätte das gedacht! Schmiel rät: Geben Sie dem Kaftan-Träger das Gefühl, dass er zur High Society gehört, dass er Sie beeindruckt und Sie sich in seinem Glanz sonnen möchten. Dann tut er alles für sie – sofern es nicht zu teuer wird.

    Und die Prinzessin? Schönheit, Reichtum und Macht sind nur an den tollen Tagen ihre Erkennungsmerkmale, und keineswegs verzehren sich die Männer nach ihr. Außerhalb der fünften Jahreszeit sehe es nämlich trostlos aus – der Partner mache zu Hause keinen Finger krumm, Anerkennung ist ebenfalls ein Fremdwort, und es hapert an allem; ganz besonders an Schmuck und Schuhen. Solche Damen sind natürlich besonders empfänglich für jedes Kompliment. Doch weil Prinzessinnen im Karneval besonders umschwärmt sind, sollte Mann sich von der Konkurrenz abheben. Doch ob Schmiels Bagger-Tipp wirklich der ultimative Brüller ist? „Kannst Du mir mal Dein Handy leihen; ich hab meiner versprochen, sie anzurufen, wenn ich die Frau meiner Träume treffe“, lautet die Empfehlung. Naja…

    Gern unterwegs sind an dentollen Tagen auch Kätzchen – intelligent, stolz und unabhängig, können sie sich einschmeicheln, aber auch ihre Krallen zeigen. Doch auch hier sagt Rolf Schmiel: Pustekuchen! Die Souveränität ist nur vorgetäuscht – wenn der Karneval vorbei ist, wird aus dem sexy Kätzchen wieder die graue Maus, die kaum einer zur Kenntnis nimmt. Schmiels Rat an die Männer: Zärtlich sein, denn das braucht die Frau in diesem Kostüm am meisten. Aber nicht aufdringlich, sondern respektvoll. Auf keinen Fall den starken Max raushängen lassen, sondern ganz behutsam vorgehen – so wie man es auch bei echten Katzen macht!

    Die allergrößte Oberpfeife verbirgt sich laut Schmiel allerdings im Gewand des Clowns. Der nämlich ist geschlechtslos, sondern auch optisch maximal verfremdet. Dem Clown ist eher zum Weinen als zum Lachen zumute, er fühlt sich weder als Mann noch als Frau akzeptiert, und die gute Laune ist ohnehin nur vorgespielt. Clowns, so der Psychologe, sollte man wie rohe Eier behandelt, in jedem Fall über seine Scherze lachen, aber nicht über ihn. Wenn sich die Depressionen erst einmal gelöst haben, kann man mit Clowns richtig Spaß haben.

    QuENgelbert weiß ja nicht, ob der Herr Schmiel da alles treffgenau aufgedröselt hat, und meistens haben Psychologen ja selbst am meisten einen nötig. Dennoch der Rat des Federreiters: Schnappen sie sich doch einfach ihre Wohnzimmercouch und gehen sie selbst als Seelenklempner. Da haben sie ihre Schlafstätte gleich parat, wenn’s zu feuchtfröhlich wird, und falls doch mal eine von den verklempten Prinzessinnen und Kätzchen anbeißt, dann kann’s gleich losgehen.

    Mit der Behandlung natürlich…