Das Lutz wird 15

Hagen. Die Geschichte des Hagener Kinder- und Jugend­theaters „Lutz“ wird an diesem Wochenende um ein weiteres Kapitel reicher. Am morgigen Sonntag, 6. März, feiert das Lutz seinen 15. Geburtstag. Grund genug einen Blick auf die Anfänge des Theaters zu werfen.
Bereits vor der Jahrtausendwende standen Jugendliche in Hagen auf der Bühne, wie zum Beispiel an Weihnachten. Doch es fehlten die „eigenen“ Bretter, die die Welt bedeuten. Und mit dem Intendantenwechsel im Jahr 2000 sollte sich auch dies ändern. Rainer Friedmann  gab bei seiner Einstellung den entscheidenden Impuls – und so begannen im Herbst des Jahres die ersten Überlegungen.

Finanzielle Startschwierigkeiten

„Von  Anfang an war klar, dass wir nur einen kleinen Etat haben werden“, so Lutz-Leiter Werner Hahn. Das Jugend­theater war finanziell von der Stadt abhängig, die zu diesem Zeitpunkt keine großen Mittel bereit stellen konnte.
Doch Privatleute sprangen dem Projekt zur Seite. „Das ist etwas, was sehr für diese Stadt spricht. Sie haben erkannt, dass Kultur zum Leben dazu gehört. Und sie haben uns durch Spenden unterstützt, um dies auch zu gewährleisten“, sagt Hahn.

Hagener Eigengewächse auf der Bühne

Wegen der knappen finanziellen Mittel setzten die Verantwortlichen auf Hagener Eigengewächse und nur in seltenen Fällen auf bezahlte Kräfte. Dies empfanden sie auch als Chance, jungen Schauspielern eine Bühne zu bieten. Einer, der sie genutzt hat, ist Sabin Tambrea, der nicht nur weithin auf der Bühne bekannt ist, sondern mittlerweile auch in Kinoproduktionen mitwirkt.
Aber nicht nur die Protagonisten waren wichtig, sondern auch die Spielstätte. Da fast zeitgleich mit der Gründung des Jugend­theaters auch der Neubau der Theaterwerkstätten einher ging, wurde dort nach einem geeigneten Ort gesucht. Der Proberaum für den Chor war ideal, so dass nach Fertigstellung des Baus im Jahr 2003 auch eine eigene Jugendtheaterbühne entstehen konnte. Doch bis zur Fertigstellung musste nach einem kurzfristig nutzbaren Ort gesucht werden. Im seinerzeitigen Globe, dem heutigen Kultopia, wurden die Theaterverantwortlichen rasch fündig.
„Wir haben immer in einem Zehn-Tage-Rhythmus gespielt. Zehn Tage standen wir auf der Bühne, dann mussten wir wieder unsere Sachen einlagern“, erinnert sich Hahn.

Premiere im Globe

Premiere feierte das Jugend- theater am 3. und 4. März 2001 mit gleich drei Stücken. Den Anfang machte „Max“ von Beat Fäh, „Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner, und „Rotkäppchen spielen“.
Zwei Jahre blieb das Jugend- und Kindertheater im Globe, ehe der Wechsel in den Neubau vollzogen wurde. Da Lutz Hübners Werke in Hagen so gut vom Publikum angenommen wurden, bat man den Schriftsteller um ein eigenes Stück. Es wurde „Nellie Goodbye“, eine Geschichte, die sich mit dem Tod beschäftigt. „Wir haben gemerkt, dass sich Jugendliche nicht mehr mit dem Thema Tod beschäftigen. Es wird von ihnen fern gehalten und wenn sie doch damit konfrontiert werden, dann wissen sie nicht, wie sie damit umgehen sollen“, erklärt Werner Hahn. Autor Lutz Hübner beschäftigte sich dabei auch mit Hagener Jugendlichen und präsentierte ein Stück, das zum Hagener Jugendtheater passte.

Lutz bekommt seinen Namen

Wegen seiner engen Verbindungen zu Hagen, baten die Verantwortlichen Hübner darum, seinen Vornamen für das Theater entleihen zu dürfen. „Er fand es sehr schräg, aber er war damit einverstanden. Wir wollten etwas Sinnleeres, aber doch Einprägendes finden – und das ist uns gelungen“, so Hahn.
Im Laufe der Aufführungen von „Nellie Goodbye“ wurde aber ein anderes Problem sichtbar. Türkisch-stämmige Jugendliche beschimpften und beleidigten die Darstellerinnen, da diese ihnen viel zu freizügig gekleidet waren.

Probleme

Es bestand ein Sender-Empfänger-Problem zwischen den Stücken und dem Hagener Publikum. „Hagen wurde bunter, aber wir haben noch für Gymnasiasten gespielt“, erklärte Hahn. Es folgte ein Kulturwechsel innerhalb des Theaters, der zu einem Wendepunkt in der Geschichte des Lutz wurde.
Wie es weiter ging, erfahren Sie im zweiten Teil in unserer nächsten Ausgabe, 9. März.