Nicht mehr zu retten…

„Seid ihr eigentlichtlich noch zu retten?“

„In aller Regel schon – Voraussetzung ist natürlich, dass unsere Retter uns auch finden können!“

Vor diesem Hintergrund hatte die Gevelsberger CDU im Rat der Stadt einen zur Lebensrettung im Stadtgebiet wichtigen Vorstoß unternommen. In der Januarsitzung wurde auf Antrag der Christdemokraten darüber beraten, ob man die Verwaltung beauftragt, einmal zu prüfen, ob und zu welchen Kosten ein Standort-Informationssystem für Notfälle an den stark frequentierten Rad- und Wanderwegen der Stadt eingerichtet werden kann.

Beantragt war also wohlgemerkt nicht der Beschluss, ein solches System bereits einzurichten und zu finanzieren, sondern lediglich, erst mal zu schauen, zu welchem Preis man die Maßnahme realisieren könnte. Und zwar in einer Stadt, die mit Jakobsweg, Wohnmobil-Stellplatz, neuem Ennepebogen und anderen Attraktionen seit einiger Zeit verstärkt um auswärtige, somit ortsunkundige Besucher buhlt. Wie wichtig ein solches System ist, mit dem man Leben retten kann, hat QuENgelbert noch jüngst in seiner Ausbildung zum Betriebshelfer eingetrichtert bekommen. Weshalb es auch andernorts, zum Beispiel in Sprockhövel-Haßlinghausen an der ehemaligen Kohlenbahnstrecke, längst eingerichtet wurde. Denn wenn man bei einem Notruf sagen kann, dass die Einsatzkräfte zu Position XY kommen sollen, ist das erheblich zielführender als eine Angabe a la: „Wir sind hier in einem Waldstück irgendwo in der Nähe von Vogelsang.“ Gerade in Notfällen kommt es ja oft auf Minuten, wenn nicht Sekunden an – es ist also enorm wichtig, dass Zeit nicht mit überflüssiger Sucherei verplempert wird.

In der Politik ist es allerdings nur zu oft herzlich unwichtig, ob eine Idee gut ist. Viel wichtiger ist stattdessen, wer sie vorträgt. Der tiefrote Gevelsberger Rat jedenfalls gab der Vernunft keine Chance und zerpopelte das Projekt bereits, bevor von der Verwaltung überhaupt ein Blick auf Finanzrahmen und Realisierbarkeit geworfen werden durfte. Man zeigte dem Projekt, das lediglich die Aufstellung einiger beschriftete Pfosten erfordert und somit für ganz kleines Geld zu haben ist, mit satter Mehrheit die knallrote Karte. Tenor: Es gibt Wichtigeres… Tja, da werden die Hinterbliebenen sicher begeistert zustimmen, wenn es in Gevelsberg mal zum schlimmsten Fall kommt.

Als QuENgelbert noch ein junger Journalistenhüpfer war, gab ihm ein alter Politikfuchs einen weisen Spruch mit auf den Berufsweg: „Parteien sind der Ausdruck demokratischen Nichtfunktionierens.“ Sehr oft hat sich der Federreiter seither dieses Mannes erinnert. Und manchmal muss er noch heute so richtig würgen, wenn ihm, wie in diesem Fall, die Richtigkeit dieser Aussage mal wieder mit Nachdruck unter die Nase gerieben wird.