Schwelmer Narrenhaus

    Schwer beschäftigt: Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe am Rosenmontag mit Narrenvolk im Rathaus. Für weniger Dinge fand das Stadtoberhaupt weniger Zeit… (Foto: Stadt Schwelm)

    Die bevorstehende Schließung des Schwelmer Marienhospitals zum 30. Juni 2013 ist ein tiefer Einschnitt in die Gesundheitsversorgung der Kreisstadt. Entsprechend groß war der Aufschrei der Bürger, nachdem das „Aus“ für das alte Krankenhaus im Herzen Schwelms bekannt gegeben wurde. Schließlich verbinden viele Menschen persönliche Erinnerungen mit dieser Einrichtung, und so mancher tat hier seinen ersten Atemzug.

    Keine Frage – die Schließung ist ein echter Aufreger und geht an den Lebensnerv der Stadt. Deshalb hatte Bürgermeister Jochen Stobbe auch eine erste Stellungnahme zu diesem Ereignis abgegeben, in den er seine persönliche Betroffenheit bekundete. Darüber hinaus jedoch taten sich in der Bürgerschaft natürlich viele Fragen auf – insbesondere die, ob in Sachen Marienhospital noch etwas zu retten sei. QuENgelbert sprach deshalb in der Pressestelle der Stadt vor und bat Jochen Stobbe vor nunmehr elf Tagen dem Hintergrund der vorgesehenen Schließung um die Beantwortung folgender Fragen:

    1. Unternehmen Sie persönlich über Ihren Appell hinaus weitere Schritte, um die drohende Schließung abzuwenden?
    2. Haben Sie bereits das Gespräch mit dem Krankenhausträger in dieser Angelegenheit gesucht, oder werden Sie dieses noch tun?
    3. Sie lassen mitteilen: „Ich bin sicher, dass wir alle gemeinsam unsere Möglichkeiten genutzt hätten, auf die nun endgültige Entscheidung des Trägers Einfluss (zu) nehmen.“ Wie hätten diese Möglichkeiten ausgesehen, und können diese Möglichkeiten auch zum jetzigen Zeitpunkt noch genutzt werden?
    4. Halten Sie die Einrichtung eines „Runden Tisch“ mit Bürgern, Fachleuten, Ärzten und, sofern die Bereitschaft besteht, Vertretern des Trägers für sinnvoll, um gemeinsam den Versuch zu unternehmen, die Schließung doch noch abzuwenden? Gibt es andere Überlegungen, zum Beispiel Unterschriftenlisten, Einschaltung von Landespolitikern oder anderes, die umgesetzt werden sollen, um die Schließung abzuwenden?
    5. Wie beurteilen Sie die neue Situation der medizinischen Versorgung Schwelms nach einer Schließung des Marienhospitals?
    6. 6. Falls die Schließung nicht abgewendet werden kann: Welche Nachnutzungsmöglichkeiten für das Gelände sehen Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt?

    Mehrfach brachte sich QuENgelbert mit seinem Fragenkatalog in Erinnerung und bat um Antworten – sei es telefonisch, schriftlich oder im persönlichen Gespräch. Mehrfach wurde ihm dieses von Seiten der Pressestelle auch zeitnah zugesichert. Bis zum Redaktionsschluss in dieser Woche blieb es freilich bei warmen Worten.

    Reichen eigentlich zehn Tage nicht für einen Bürgermeister, um sechs popelige Fragen zu einem so wichtigen Sachverhalt zu beantwortet? Am Donnerstag wäre doch eigentlich Zeit gewesen, denn da hätte die Schwelmer Ratssitzung stattfinden sollen. Selbige musste allerdings ausfallen, weil man es im Rathaus versaubeutelt hatte, die Ratsmitglieder rechtzeitig einzuladen – eine Aufgabe, die – Sie ahnen es, liebe Leser – dem Bürgermeister obliegt. Ein unglaublicher, hochnotpeinlicher Vorfall, der in der Geschichte seinesgleichen sucht!

    Gewiss, ein, zwei Tage war Jochen Stobbe in der vorvergangenen Woche erkrankt, – doch wer am Rosenmontag längst wieder auf dem Damm ist und im Rathaus beim Sturm der Jecken die Polonaise anführt, der sollte eigentlich auch in der Lage sein, anderen, etwas ernsthafteren Verpflichtungen zum Wohle seiner Stadt nachzukommen. Nicht wenige in Schwelm bedauern inzwischen, dass Jochen Stobbe den Schlüssel zum Rathaus nach dem närrischen Treiben von den Karnevalisten zurück erhalten hat!