Städtische Schnüffelei!

    Wenn Menschen, Tiere oder Sachen verloren gehen, dann ist es manchmal von unschätzbarem Vorteil, auf einen Suchhund zurückgreifen zu können. Wo menschlicher Spürsinn versagt, da reicht unseren Fidos und Fiffis oft schon ein Fetzen Kleidung, um Verlorene und Verschwundenes wieder aufzutreiben.

    Die Stadtverwaltung Sprockhövel dreht den Spieß nun um und will die vierbeinigen Freunde, die innerhalb der Stadtgrenzen gehalten werden, per Hausbesuch aufspüren. Aber nicht, um zum Beispiel Daten für die Sinnhaftigkeit zur Aufstellung von Hundekot-Beutelspendern oder die Einrichtung einer Spielwiese zu gewinnen, auf der man sein Tier mal ohne Leinenzwang laufen lassen könnte. Haben Sie bestimmt auch nicht angenommen, denn das wäre ja bürgerfreundlich. Und somit eher unwahrscheinlich.

    Nein, es geht natürlich ums Geld! Um die Hundesteuer, um genau zu sein. Und wie ein Wolf aus dem Märchen, der Kreide gefressen hat, säuselt die Verwaltung von Gerechtigkeit im Sinne derer, die artig den Obolus entrichten. Ach was!

    Die Stadt hat sogar eigens eine Firma damit betauftragt, alle (!) Sprockhöveler Haushalte aufzusuchen, um auszuschnüffeln, ob sich irgendwo noch unentdeckte Pudel, Dackel, Schäferhunde oder Dalmatiner hinter den Wohnungstüren verstecken. Den Beschluss dazu hat der Stadtrat gefasst. Und, wie nett: Die Mitarbeiter der Firma begehren nicht einmal Zutritt in die guten Stuben, um ihre Wissbegierde im Dienste der Allgemeinheit zu stillen. Das ist aber mal wirklich freundlich. Für die Stürmung der heimischen Wohnzimmer durch private Honorar-Schnüffler gäbe es freilich auch keinerlei rechtliche Grundlage…

    QuENgelbert fragt sich im Übrigen, warum es überhaupt eine Hundesteuer gibt. Ihre Anfange reichen mehr als zwei Jahrhunderte zurück. Als seuchenpolizeiliche Maßnahme zur Verringerung der Hundezahl und damit der Tollwutgefahr wurde sie beispielsweise mit der Verordnung vom 19. Mai 1809 und Abgabe ab 1. Juli 1809 in Sachsen-Coburg eingeführt. Später galt sie als Luxussteuer und hatte die ordnungspolitische Funktion, den Hundebestand in einer Stadt regulieren zu helfen.

    Damit ist es lange vorbei. Ohnehin lässt sich kaum jemand von der Existenz der Abgabe davon abhalten, einen Hund zu halten. QuENgelbert kennt Hartz IV-Empfänger, die sich lieber selbst jeden Löffel vom Mund absparen würden, als auf die Begleitung ihres oftmals einzigen Freundes zu verzichten.

    Es gibt indes noch weitere historische Wurzeln der Hundesteuer. Ältere Spuren führen sogar bis ins ausgehende Mittelalter – im 15. Jahrhundert mussten die lehnsrechtabhängigen Bauern für ihre Hundehaltung ‚Hundekorn‘ im Rahmen der Jagdfrondienste bei ihrem Lehnsherrn bezahlen. Und im seinerzeit dänischen Herzogtum Holstein wurde bereits am 20. März 1807 die Hundesteuer von König Christian VII. eingeführt, um den Kommunen die Möglichkeit zu geben, ihre Armenkassen aufzubessern. In Deutschland wurde die Hundesteuer erstmals per Verordnung der Fürstlich Isenburgischen Regierung vom 28. Februar 1807 in Offenbach erhoben; sie betrug jährlich einen Reichstaler und sollte als Beitrag zur Tilgung städtischer Kriegsschulden dienen.

    Und da liegt der Hase im Pfeffer beziehungsweise der Hund in der Pfanne: Leer sind auch heutzutage die Kassen der Kommunen. Weil großmannssüchtige Politiker in vergangenen Jahrzehnten das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus geworfen haben, ist man heute um jeden Cent verlegen. Verpflichtet Schnüffelkommandos und faselt den Leuten auch noch etwas Gerechtigkeit vor, die für die Haltung zum Beispiel von Katzen natürlich keine Rolle spielt…

    QuENgelbert jedenfalls hofft, dass eine für die ihren Bürgern argwöhnisch gegenüber stehenden Ratspolitiker beschämend hohe Zahl ehrlicher Sprockhöveler Hundehalter dazu führt, dass nur wenige schwarze Schafe, pardon, Hunde, entdeckt werden können. Und die städtische Spitzelei zum dicken Minusgeschäft wird!