„Wanderbares“ Iserlohn

    Iserlohn. (clau) Im Iserlohner Stadtwald herrscht zur besten Feierabendzeit erstaunlich viel Betrieb zumindest rund um den Danzturm. Frauengrüppchen, Hundehalter, gemischte Walking-Trupps, der Herr im Anzug mit Windjacke, die beiden grauhaarigen Freundinnen, die Sportsfreunde im Outdoor-Look… – sie alle suchen ein wenig grüne Entspannung.

    Nicht umsonst heißt Iserlohn „Waldstadt“. Laufen die einen immer wieder die gleiche kleine Feierabendstrecke, suchen andere richtige Herausforderungen. Sie spazieren nicht. Sie wandern.

    Rund 30.000 Mitglieder zählt der Sauerländische Gebirgsverein (SGV) insgesamt. Allein auf dem Iserlohner Stadtgebiet unterhält er gleich drei Ortsverbände: Iserlohn, Letmathe und Grüne.

    Hunderte Kilometer Wanderwege ziehen sich durch das Iserlohner Gebiet.

    Damit niemand verloren geht zwischen Fliegenpilz und Wildschweinsuhle, Farnkraut und Viehweide, sind die Wege markiert. Sie werden regelmäßig und ehrenamtlich „gezeichnet“, kontrolliert, notfalls freigeschnitten und instand gehalten von den Wegewarten des SGV. „Wir sind hier zur Zeit fünf Wegewarte“, sagt der Letmather Reinhold Walter. „Alle über 70 Jahre alt.“

    Alle zehn Jahre neu

    Des Wanderers wichtigster Begleiter ist neben der Wasserflasche vor allem die Wanderkarte. „Die muss immer griffbereit in meiner Hosentasche stecken“, sagt Reinhold Walter. Alle etwa zehn Jahre sollte solch ein Kartenwerk überarbeitet und aktualisiert werden. „Wege müssen verlegt werden wie etwa nach Orkanen wie Kyrill“, so Reinhold Walter.

    „Andere Wege machen irgendwann keinen Sinn mehr, weil sie vor Jahren auf mittlerweile stillgelegte Bahnhöfe ausgerichtet waren. Letztlich ist der SGV bestrebt, sein derzeitiges Wanderwegenetz mit 30.000 Kilometern zu reduzieren.“

    Wandern auf drei Premiumwegen

    Im Jahr 2000 ist die letzte Wanderkarte für den Raum Iserlohn erschienen. Seitdem hat sich viel getan. Iserlohns Naturraum lockt nicht nur Einheimische, sondern auch Auswärtige ins Grün. Gleich drei Premiumwanderwege liegen im Gebiet: Die „Sauerlandwaldroute“, der „Drahthandelsweg“ von Iserlohn nach Lüdenscheid und auch der 240 Kilometer lange spektakuläre „Sauerland Höhenflug“ streift am Hegenscheid die Stadt.

    Zudem wurde Iserlohn – noch gar nicht so lange her – zur Stadt mit dem ersten „Wanderbahnhof“ in ganz NRW. Das einfache Konzept „Raus aus dem Zug und rauf auf den Treck“ lockt Naturtouristen an.

    Höchste Zeit war es daher jetzt für eine Neuauflage der örtlichen Wanderkarte.

    Mühselig und ganz schön teuer

    „Beate Evers von der Stadtinformation weiß, wie mühselig, zeitaufwändig und letztlich auch teuer so eine tourismusfördernde Maßnahme ist. Im Hintergrund wird bei der Stadtinformation langfristig auch an solchen Projekten gearbeitet, nicht nur an innerstädtischen Veranstaltungen“, sagt Thomas Junge von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, die die Karte herausgibt.

    „Iserlohn hat die größte Fläche im Märkischen Kreis. Kleinere Gemeinden haben es da leichter als wir“, sagt Beate Evers. „Fast zweieinhalb Jahre hat es nun gedauert, vor allem, weil wir um der Einheitlichkeit willen warten mussten, bis alle angrenzenden Nachbarn mit ihrer Arbeit fertig waren. Schließlich laufen die Wege oft auch auf einem Gebiet, das zu den jeweiligen Nachbargemeinden gehört.“

    Mit einer Auflage von 3.000 Stück ist die neue Karte nun für 5,90 Euro bei der Stadtinformation, beim SGV und demnächst auch im örtlichen Buchhandel erhältlich. Sie stellt insgesamt rund um Iserlohn 1.700 Kilometer Wanderwege dar.

    Jeder einzelne Kilometer kostet

    Die Produktion hat 14.000 Euro gekostet. Nicht nur Papier, Design und Druck sind zu bezahlen. „Die Gemeinden müssen die Daten der Wegstrecken zuerst einmal vom SGV kaufen“, erklärt Beate Evers. „Jeder Kilometer kostet Geld.“

    Wegewart Reinhold Walter, der beim SGV auch diese Pflege der digitalen Daten natürlich ehrenamtlich auf sich nimmt, ärgert sich: „Das Land fördert demnächst den Ausbau der Radwege mit 12 Millionen Euro. Die Wanderwege dagegen mit Null.“

    Beate Evers und Thomas Junge hoffen dagegen auf 2014: Dann sollte es gelingen, mit etwas Geld, tatkräftiger Hilfe und letztlich gar nicht so viel Aufwand dem Wander-Mekka Iserlohn den letzten Schliff zu geben, wie es derzeit etwa die SPD-Fraktion anregt: Hier eine Tafel, dort eine Beschilderung, vielleicht sogar auch eine Vitrine …