Leseherbst: Hjorth und Rosenfeldt in Höchstform

Iserlohn. Ein spannender Auftritt dürfte den Zuhörern am kommenden Donnerstag, 8. November, in Iserlohn bevorstehen. Denn: Im Zuge des europäischen Krimifestivals „Mord am Hellweg“ wird das schwedische Autorenduo Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt in der Waldstadt eine Lesung halten. Und sie haben ihren sechsten Sebastian-Bergmann-Fall „Die Opfer, die man bringt“ im Gepäck. Für den Wochenkurier-Leseherbst hat Redakteur Heiko Cordes bereits vorab das Buch gelesen.

Es ist ein grausames Verbrechen: Vergewaltigung. Die Frauen tragen noch Jahre später das Erlebte mit sich, können nur mit viel Glück das ihnen zugefügte Leid ertragen. Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt haben dieses abscheuliche Verbrechen in den Mittelpunkt ihres sechsten Falls von Kriminalpsychologe Sebastian Bergmann gerückt. Thematisch gehört „Die Opfer, die man bringt“ daher definitiv nicht zur leichten Kost. Doch die beiden Schweden schaffen es – typisch skandinavisch – bei aller Härte, aller Abscheulichkeit dieser Taten, eine Geschichte zu erzählen, die die Vergewaltigung aus der Tabuzone holt und ehrlich thematisiert. Diese Taten passieren schließlich – ob Autoren darüber schreiben, oder nicht.

Deshalb lassen Hjorth und Rosenfeldt „ihren“ Psychologen Bergmann hinter die Fassade der Täter schauen. Daraus entwickelt sich eine rasante Geschichte, die den Leser fesselt – trotz des abstoßenden Themas.

Natürlich wird aber nicht nur der aktuelle Fall aufgegriffen, auch der Handlungsstrang der Reichsmordkommission wird, wie in jedem der bisherigen Bücher, fortgeführt. Die Hauptcharaktere entwickeln sich weiter. Sebastian Bergmann, der als genialer, aber widerlicher Psychologe Teil einer Polizeieinheit ist, wird von Hjorth und Rosenfeldt teilweise freundlicher, fast schon liebenswert gemacht. IT-Spezialist Billy dagegen kann seine dunkle Seite immer weniger kontrollieren. Mord, Qualen und Sex – für den unscheinbaren Nerd scheint es kein Tabu mehr zu geben. Vanja, die toughe und blitzgescheite Polizistin, wird von familiären Streitigkeiten geplagt. Ihr leiblicher Vater – Sebastian Bergmann – hat viele Beziehungen in ihrem Leben manipuliert und zerstört. Ihr Ziehvater Valdemar allerdings ist auch nicht der, für den sie ihn hielt. Dieser Konflikt schwächt die sonst so starke Frau. Deshalb hält sie beide Väter auf Abstand. Ursula dagegen wird sich immer bewusster, dass die „normalen“ sozialen Beziehungen nicht zu ihrem Leben passen. Sie nähert sich Bergmann kontinuierlich an, trotz der vielen psychischen und physischen Verletzungen, die sie in seiner Nähe erlitten hat.

Was alle eint, ist der Wunsch den Vergewaltiger zu schnappen.

Mein Fazit: Nicht umsonst gehören Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt zu den gefeiertsten Autoren Skandinaviens. Das Duo liefert bereits zum sechsten Mal eine spannende, nervenaufreibende Story. Wenn man den Buchdeckel zuklappt, hofft man, dass die Geschichten um Sebastian Bergmann nie aufhören. Gut geschrieben, mit spannendem Inhalt ist „Die Opfer, die man bringt“ sogar eins der stärksten Bücher der Reihe. Für mich war es fast schon eine zwiespältige Qual, als ich mich dem Ende des Buchs näherte: Auf der einen Seite wollte ich unbedingt wissen, wie es endet, auf der anderen Seite wusste ich dagegen, dass ich nun einige Zeit auf einen weiteren Fall von Hjorth und Rosenfeldt warten muss.

„Die Opfer, die man bringt“ von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. Erschienen am 11. Oktober im Wunderlich-Verlag (560 Seiten / ISBN: 978-3-8052-5088-7)