„Alltagsmenschen“: CDU darf nicht wählen lassen

Sammelt spenden zum Erwerb weiterer „Alltagsmenschen“: Pro City-Vorsitzender Werner Tasbier. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Die Fotos waren geschossen, die Faltblätter gedruckt, und alles war bereitet, um alle Gevelsberger zu einer Jury zu vereinen. Die CDU Gevelsberg hatte die Idee, die viel beachtete Ausstellung „Alltagsmenschen“ mit einer Abstimmung zu begleiten. Es sollte die schönste der 60 Figuren gewählt werden, die derzeit im öffentlichen Raum der Engelbertstadt zu betrachten sind und eine überaus positive Reaktion bei Bewohnern wie Gästen Gevelsbergs hervor gerufen haben.

Los – Stop – Schade: Was von den Christdemokraten gut gemeint war, wurde noch vor dem Start zurück gepfiffen, denn Künstlerin Christel Lechner aus Witten witterte eine parteipolitische Vereinnahmung ihrer Kunst und forderte die CDU mit anwaltlichem Schreiben auf, die Aktion abzubrechen, noch bevor sie begonnen hatte. Niemand habe mit ihr über die Abstimmung gesprochen. Außerdem erwecke die Aktion den Eindruck, sämtliche Figuren seien erwerbbar – dies vor dem Hintergrund eines Partei übergreifenden Stadtratsbeschlusses, 20.000 Euro für den Erwerb von vier Lechner-Figuren bereit zu stellen. Christel Lechner hatte die Aktion so verstanden, als solle mit der Abstimmung ermittelt werden, welche Figuren die Stadt kaufen solle.

Zeigten sich betroffen von der negativen Reaktion Christel Lechners auf die Abstimmungsaktion zum Thema „Alltagsmenschen“: CDU-Chef Wieland Rahn und Vorstandskollege Dr. Michael Ostermann. (Foto: Frank Schmidt)

„Das ist alles ein sehr bedauerliches Missverständnis“, zeigten sich CDU-Vorsitzender Wieland Rahn und Vorstandskollege Dr. Michasel Ostermann vor wenigen Tagen im Rahmen einer Pressekonferenz betroffen von der unerwartet negativen Reaktion im Hause Lechner. Rahn habe sehr wohl mit einer Frau Lechner gesprochen, um die Aktion abzustimmen – allerdings, wie sich nach dem Protest der Künstlerin herausstellte, mit deren Tochter. Es sei auch nicht geplant gewesen, mit der Abstimmung eine Kaufempfehlung zu ermitteln, welche „Alltagsmenschen“ von der Stadt erworben werden sollen. Man habe lediglich die schönste Figur ermitteln wollen. Mittlerweile habe der CDU-Chef mit Christel Lechner selbst gesprochen, und sämtliche Missverständnisse seien ausgeräumt. Es bleibt allerdings dabei, dass die CDU von der Abstimmungsaktion Abstand nimmt. Stattdessen soll, wie von Bürgermeister Claus Jacobi (SPD) angekündigt, eine städtische Abstimmung stattfinden.

Unterdessen hat sich Christel Lechner bereit erklärt, die Figuren statt wie ursprünglich geplant bis zum 15. Oktober nun bis zum 6. November 2011 in Gevelsberg zu belassen. Und die Gevelsberger Werbegemeinschaft „Pro City“ sammelt fleißig Spenden, damit möglicherweise auch mehr als vier Alltagsmenschen Gevelsberger „Neubürger“ werden können. Wer finanziell dazu beitragen möchte, kann dies per Einzahlung an:

Pro City Gevelsberg
Konto-Nummer 50641
BLZ 45450050 (Stadtsparkasse Gevelsberg)
Stichwort „Alltagsmenschen“