An hohen Festen gibt es Stress

Küsterin Anne Piotrowski zeigt hier ein aufwändig gestaltetes Buch, in dem die Evangelien reich illustriert aufgeschrieben sind. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Ich liebe es, wenn unsere Kirche gut besucht ist“, wünscht sich Anne Piotrowski, Küsterin der Kirche St. Johann Baptist in Ennepetal-Voerde, viele Gläubige als Gäste: „Dann erlebe ich so richtig den Sinn, der in meiner Arbeit steckt.“

Die 46-Jährige ist nicht nur für das Gotteshaus an der Milsper Straße zuständig, sondern betreut auch noch die Herz-Jesu-Kirche an der Kirchstraße in Ennepetal-Milspe. Vor 23 Jahren kam sie aus Masuren, dem polnischen Teil Ostpreußens, in die Klutertstadt und fand in der dortigen katholischen Gemeinde sofort herzliche Aufnahme. „Ich habe da kleinere Aufgaben übernommen“, erinnert sich die gelernte Buchhalterin: „1999 fragte man mich dann, ob ich Küsterin werden wollte. Obwohl ich mit so einem Angebot gar nicht gerechnet hatte, sagte ich spontan zu.“

Zur Aufgabe einer Küsterin gehört das Vorbereiten der Heiligen Messen, also das Anzünden der Kerzen und das Einschalten der elektrischen Kirchenbeleuchtung; außerdem muss Anne Piotrowski für Pfarrer Peter Herberhold das zum jeweiligen Anlass passende liturgische Gewand herauslegen. Die Pflege der „Paramente“, wie man im Kirchenlatein die geistlichen Roben nennt, gehört ebenfalls zu ihren Tätigkeiten. Alle Untergewänder von Priester und Messdienern, die so genannten „Alben“, müssen immer sauber gewaschen sein. Dazu kommt noch die Sorge für die liturgischen Gerätschaften. Hostienbehälter, Messkelch und Monstranz, das besonders an Fronleichnam gezeigte Schaugefäß für die Hostie, sind sicher in schützenden Kassetten aufzubewahren und zu polieren, damit das gold- und silberfarbene Metall immer schön glänzt.

Messkelch (links) und Monstranz sind für Anne Piotrowski Gegenstände ihrer Arbeit, die jedoch immer mit Ehrfurcht zu behandeln sind. (Foto: Stefan Scheler)

Aber auch ganz alltägliche Tätigkeiten könnten in der Dienstbeschreibung einer Küsterin stehen. „Wir haben mit Manfred Tag zwar einen fähigen Hausmeister“, lobt Anne Piotrowski den „guten Geist“ von St. Johann Baptist: „Aber eine Glühbirne wechseln oder die Heizung richtig einstellen muss ich schon selbst können.“ Wenn es zu hoher Arbeitsdichte in der Gemeinde kommt, etwa an den christlichen Hochfesten Weihnachten und Ostern, packen auch der Ehemann und die vier Kinder der Küsterin, zwei junge Männer und zwei junge Damen, kräftig mit an. „Auf die Gemeindemitglieder ist ebenfalls jederzeit Verlass“, strahlt die Küsterin: „Wir haben viele ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter, welche die verschiedensten besonderen Fähigkeiten mitbringen.“

Obwohl im katholischen Polen von Kindesbeinen an mit den kirchlichen Gebräuchen aufgewachsen, war es Anne Piotrowski nicht an der Wiege gesungen, einmal als Küsterin zu arbeiten. „Das war eigentlich nicht von klein auf mein Wunschberuf“, gibt sie unumwunden zu: „Es hat sich halt einfach so ergeben. Jetzt bin ich aber froh darüber, eine so verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben zu dürfen, die den Pfarrer von Alltagsdingen entlastet und ihm so die Möglichkeit gibt, sich auf seine seelsorgerischen Aufgaben zu konzentrieren.“

Damit sie sich zwischen Kelch, Kerzen und Gewändern zurechtfinden und alles zum Ritus passend arrangieren kann, besuchte die gebürtige Polin einen dreimonatigen Kursus in Essen bei der dortigen Bistumsverwaltung. „Man muss als gläubiger Mensch auch die entsprechende Ehrfurcht vor den religiösen Gegenständen haben“, lehnt sie resolut ein Foto des gefüllten Hostiengefäßes ab: „Die Oblaten sind bereits geweiht und stellen somit für den gläubigen Christen die in der Wandlung vollendete Vorstufe des Leibes Christi dar.“

Daran wird einigermaßen deutlich, dass der Posten einer Küsterin beileibe kein Dienstleistungsberuf wie jeder andere ist.