Ausbildungsmesse beeindruckt Ministerin

Ennepetal. „Wer hier von Stand zu Stand geht, der hat das
Gefühl, einen nahezu unüberschaubaren Markt der Berufe zu besuchen. Meine
Kabinettskollegen und auch die Ministerpräsidentin hatten mir schon viel Gutes
über die Ausbildungsmesse Ennepe-Ruhr berichtet. Es dann aber mit eigenen Augen
zu sehen, ist schon sehr eindrucksvoll.“ Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule
und Weiterbildung und stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin, fand bereits
kurz nach ihrem Eintreffen im Busdepot der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr
(VER) in Ennepetal lobende Worte. Was dort zum inzwischen achten Mal auf die
Beine gestellt werde, habe tatsächlich Vorbildcharakter.
Viele Angebote
Wie immer in den letzten Jahren hatten sich die Unternehmen eine Menge
einfallen lassen, um den Nachwuchs auf ihren Stand und ihre Ausbildungsplätze
aufmerksam zu machen. Alle paar Meter gab es nicht nur Informationen rund um den
jeweiligen Beruf, es wurde geairbrusht und gemauert, installiert und gesägt,
unter die Motorhaube geschaut und wiederbelebt. Ebenso bemerkenswert: Fast
überall warteten auf die Auszubildenden von morgen die Auszubildenden von heute.
„Diese Gesprächspartner auf Augenhöhe senken die Hemmschwelle, sich über diesen
oder jenen Betrieb, diese oder jene Ausbildung zu informieren“, begrüßte Landrat
Olaf Schade das Konzept.
Löhrmann, prominenteste Besucherin unter einer Vielzahl von Prominenten und
Entscheidungsträgern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, nutzte die
Gelegenheit für eine eindeutige Stellungnahme in Sachen duale Ausbildung: „Sie
ist genauso wertvoll wie das Abitur.“ Gleichzeitig appellierte sie an die
Unternehmen, nochmals zu prüfen, ob sie weitere Ausbildungsplätze anbieten
können. „Und“, so die Ministerin, „wenn es um die Vergabe geht, schauen sie auch
auf die Bewerber aus der vermeintlich zweiten Reihe. Wer ihnen die Tür in die
Berufswelt öffnet, erhält Mitarbeiter deren Markenzeichen Dankbarkeit,
besonderes Engagement und eine hohe Verbundenheit sind.“
Im Gespräch
Ihren gut einstündigen Messerundgang vorbei an 150 Unternehmen, 5 Hochschulen
und 200 Ausbildungsmöglichkeiten unterbrachen Löhrmann, Schade und Begleitung
immer wieder, um mit den Hauptdarstellern – den Unternehmen und den Schülern –
ins Gespräch zu kommen. Es ging um Erfahrungen mit Bewerbern und die bisher
gemachten Erlebnisse bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, um Ansprüche an
und Berufswünsche von Schulabgängern.
Den Jugendlichen schrieb Löhrmann ins Stammbuch: „Seien Sie flexibel, richten
Sie Ihre Blicke auch auf Bereiche, Betriebe und Orte, die für Sie eigentlich
nicht erste Wahl sind oder nicht direkt vor Ihrer Haustür liegen.“ Die Chance
dazu hatten die mehr als 4.000 Mädchen und Jungen, die momentan noch zur Schule
gehen und in Kürze eine Berufsentscheidung treffen müssen, in Ennepetal quasi
unbegrenzt.
Damit sie dennoch den Überblick behalten konnten, war der Messebesuch im
Unterricht vorbereitet worden. „Man sieht: Ausgerüstet mit Messekatalog,
unterstützt von Auszubildenden, die über die Messe führen, sowie vom nach
Branchen farblich differenzierten Leitsystem findet hier jeder, was er sucht“,
beobachtete Landrat Schade.
Auch Geflüchtete
Ähnliches galt auch für die 190 jugendlichen Flüchtlinge, die momentan
internationale Förderklassen an den Berufskollegs besuchen. Sie hatten nicht nur
Fragen im Gepäck, sondern konnten den Unternehmen auf der Suche nach Praktikums-
und Ausbildungsstellen auch einen Profilbogen vorlegen, der Angaben zur Person
sowie über Aufenthaltsstatus, Sprachkenntnisse, Vorbildungen und berufliche
Neigungen enthielt. „Premiere gelungen“ lautete hier das Fazit der
Organisatoren.
„Für die Zukunft ausbilden“ wird von der Wirtschaftsförderungsagentur
Ennepe-Ruhr und der Agentur Mark im Auftrag des Kreises und mit finanzieller
Unterstützung der Agentur für Arbeit Hagen organisiert. Zu den Unterstützern
zählen weiterhin etwa die VER und die AVU, die Südwestfälische Industrie- und
Handelskammer zu Hagen und der Märkische Arbeitgeberverband, der Hattinger
Schultenhof und das Gevelsberger Filmriss-Kino.
Seit der Premiere 2009 haben mehr als 45.000 Jugendliche im Ennepe-Ruhr-Kreis
von dem Angebot profitiert. Aktuell planen die Organisatoren für Ende September
2017 bereits die neunte Auflage.