Brauerei-Reste unterm Hammer

Christine und Hans Walter Möller kamen eigentlich für Sammlerstücke, gegangen sind sie mit einem unverwüstlichen Büroregal. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) Auf schöne Verkaufsvitrinen mit historischen Bierdeckeln, Gläsern, Fahnen oder Wappen hatten die über 100 Teilnehmer der Versteigerung des Inventars der Schwelmer Brauerei vor wenigen Tagen vergeblich gehofft. „Ich hätte schon gern so einen alten Bierkrug oder eine Traditionsfahne gehabt“, erzählte Christine Möller, die mit ihrem Mann Hans Walter aus Ennepetal gekommen war, um sich die eine oder andere Erinnerung an das ehemalige ehrwürdige Brauhaus in der Kreisstadt zu sichern: „Da steckt so viel Geschichte drin, besonders für mich, die ich in der Schwelmer Altstadt aufgewachsen bin.“

Stattdessen gab es zunächst im nun nicht mehr genutzten Brauerei-Gebäude Inventar, Werkzeuge und Produktionsanlagen zu besichtigen, welche die Versteigerungsfirma Venta in einem Verzeichnis mit 1.100 Einzelposten zur Auktion im Ibach-Haus aufgeführt hatte. Warum in dieser Sammlung keine nostalgischen Erinnerungsstücke auftauchten, begründete Venta-Geschäftsführer und Auktionator Rolf Stankowski: „Teile, die zur Tradition der Brauerei gehören, sollen aus heimatpflegerischen Gründen aus der Versteigerungsmasse bleiben. Sie könnten Exponate in einem späteren Brauerei-Museum werden.“

Auktionator Rolf Stankowski wickelte die traurigen Überreste der Schwelmer Brauerei gekonnt und nicht ohne trockenen Humor ab. (Foto: Stefan Scheler)

Aus Gründen nachbarschaftlicher Heimatverbundenheit waren viele Schwelmer, die überhaupt nichts ersteigern wollten, zu dem Termin erschienen. Im Publikum konnte man zum Beispiel Walter Betz von der Nachbarschaft Gesellschaft Oberstadt entdecken, und zur Besichtigung des Inventars auf dem Brauereihof, wo sogar ein Grillwurststand lockte, war dessen Obernachbar und Nachtwächter Christian M. Fasel gekommen. „Ich möchte das Dilemma mal in Augenschein nehmen“, begründete das Schwelmer Original seine Anwesenheit. „Das Ganze hat etwas von Leichenfledderei“, äußerten sich einige der teilweise aus Bayern oder den Niederlanden angereisten Gäste: „Es hätte nicht so weit kommen müssen.“

Dieser Meinung ist auch Hans Walter Möller, der in Ennepetal einen Betrieb für Sicherheitstechnik führt. „Hier hat man noch nicht einmal den Strom abgeschaltet“ schüttelte der Unternehmer den Kopf: „Die haben einfach alles stehen und liegen gelassen.“

Diese beiden waren auf der Suche nach günstigen Angeboten aus dem Dortmunder Raum in die Brauereiwerkstatt gekommen. (Foto: Stefan Scheler)

Auktionsleiter Rolf Stankowski konnte sich einen Kommentar ebenso nicht verkneifen. „Es wäre schade, wenn man die schönen Gebäude verkommen ließe“, zeigte der Versteigerungs-Fachmann Mitgefühl. Beim Verwerten der Gegenstände aus dem ehemaligen Braubetrieb musste er dann aber professionell und nüchtern zur Sache gehen. „Wer seine Bieterkarte bei den Geboten am längsten oben hält, bekommt den Zuschlag“, klärte er die Interessenten auf: „Die ersteigerten Dinge können Sie dann morgen auf dem Brauereigelände abholen.“ Bei alldem vergaß der Auktionator jedoch seinen Humor nicht. „Bekommen Sie nie Besuch?“, meinte er zum verhaltenen Echo auf das erste Gebot für Besucherstühle aus dem Brauerei-Büro .

Großgeräte wie die Abfüllanlage oder die Gärtanks waren aus Gewährleistungsgründen nur von Profis zu erstehen. Diese Objekte sehen ihrem Abbau am Montag, 28. November, entgegen. Auf den alten, vielen Schwelmern gut bekannten Kupferkessel wartet übrigens ein besonderes Schicksal. Als einziges Objekt passt er durch kein Tor und ist deshalb zu zerlegen; gleichsam als Symbol für das Ende der über 180-jährigen Schwelmer Brautradition.

Christine und Hans Walter Möller aus Ennepetal haben übrigens doch noch ein schönes Schnäppchen gemacht: Für nicht ganz den Preis einer Fußball-Eintrittskarte bekamen sie den Zuschlag für ein massives und hochwertiges Holzregal.