Brücken bauen als Lebenswerk

Gevelsberg. (Sche) „Eigentlich habe ich zwei Heimaten“, bekannte Bozena Franiel, die Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi vor wenigen Tagen in seinem Büro nach 21 Dienstjahren bei den Technischen Betrieben in die Freizeitphase des vorgezogenen Ruhestands verabschiedete: „Als Polin in Beuthen geboren, habe ich Gevelsberg als mein neues Zuhause schätzen und lieben gelernt.“

Finale im Rathaus: Bozena Franiel mit Bürgermeister Claus Jacobi bei ihrer Verabschiedung im Amtszimmer des Stadtoberhaupts. (Foto: Stefan Scheler)

Die Verbindung zwischen den Ländern Polen und Deutschland schaffte Bozena Franiel dank ihrer Zweisprachigkeit unter anderem auch im Rahmen der Städtepartnerschaft Gevelsberg-Szprotawa, wo sie unverzichtbare Dienste als Dolmetscherin leistete. Das Bauen von Brücken – im übertragenen Sinn zwischen den Kulturen – war in ihrer Dienststellung im Tiefbauamt der Stadt Gevelsberg von 1991 bis 1994 und danach im Hochbauamt, das 1999 in die Technischen Betriebe überging, auch ganz wörtlich zu nehmen. „Besonders gern erinnere ich mich an den Bau der Brücke an der Waldstraße“, zeigt sich die Wahl-Dortmunderin noch heute begeistert: „Da gab es für mich viel zu lernen, wobei mir ein großartiges Team zur Seite stand.“

Die Freiheitsliebe ihres Ehemanns, der das kommunistische Regime in Polen nicht mehr ertrug und sich nach Westen aufgemacht hatte, brachte die 1949 geborene Bozena Franiel nach Deutschland. „Ich hätte sonst mit meinem damals neunjährigen Sohn nur über Ungarn die Möglichkeit gehabt, meinen Mann zu sehen“, liefert sie ein Zeugnis, wie die Politik über die Schicksale von Menschen bestimmt: „Da war es dann konsequent, ebenfalls überzusiedeln.“ Das tat sie im Jahr 1986, was sie im Anschluss allerdings auch einige berufliche Mühen kostete, denn die deutschen Behörden erkannten ihren polnischen Abschluss als Bautechnikerin erst nach einem Anpassungsstudium von 1987 bis 1988 an.

Bevor es dann in den Öffentlichen Dienst ging, arbeitete die engagierte Frau, der man ihren technischen Beruf eigentlich so gar nicht gleich anmerkt, von 1989 bis 1991 als Tiefbau- und Vermessungsspezialistin bei der inzwischen nicht mehr existierenden Firma Wilhelm Köster in Hagen. Da dieser Betrieb auch öfter Aufträge für die Stadt Gevelsberg erledigte, wurde Bozena Franiel auf den Ort an der Ennepe aufmerksam und bewarb sich dort, eigentlich nur, um einmal ein öffentliches Bewerbungsverfahren in Deutschland kennen zu lernen. Zu ihrer freudigen Überraschung konnte sie die Verantwortlichen überzeugen und bekam die Stelle. „Das war ein Glücksfall für mich“, ist die frisch gebackene Ruheständlerin noch heute überzeugt: „Ich bekam eine verantwortungsvolle und hochinteressante Tätigkeit, die mich fachlich forderte und gleichzeitig mit den Verhältnissen und Menschen in Gevelsberg vertraut machte.“

Die Polin Bozena Franiel ist also im Herzen Gevelsbergerin geworden, auch wenn sie ihren Wohnort Dortmund noch nicht aufgeben möchte. „Das ist ja auch nicht weit weg“, interpretierte es Claus Jacobi: „Ich hoffe auch, dass Bozena Franiel uns für die Partnerschaft mit Szprotawa noch lange erhalten bleibt.“ Neben dem Einsatz für die Völkerverständigung möchte sich die aus dem Dienst Verabschiedete in Zukunft mehr ihrer Familie, den Hobbies Reisen und Kino sowie dem Kontakt mit Freunden und dem Gesang im Chor „Harmonien“ widmen.