Bummler auf Schnäppchenjagd

Uwe Jesinghaus (vorn) und Arnim Schäfer vom Zentralen Service, Bürger- und Ordnungsdienste beim Synchronversteigern. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Ich suche ein Kinderfahrrad für meinen Enkel“, begründete Heidrun Sicks ihre Teilnahme an der vor wenigen Tagen im Gevelsberger Rathausfoyer stattgefundenen Versteigerung von Fundsachen, deren Eigentümer sich seit dem vergangenen Herbst nicht gemeldet hatten: „Ich könnte ja auch im Internetportal E-Bay nachschauen, aber beim Spaziergang in der Innenstadt hat sich der Besuch hier zufällig ergeben.“ Im Kinderwagen beobachtete der fast einjährige Lou Pepe, für welchen der Mini-Drahtesel dermaleinst bestimmt sein sollte, das geschäftige Treiben.

„Wir haben auch große Fahrräder“, wies Arnim Schäfer, Leiter des Zentralen Service, Bürger- und Ordnungsdienste, auf die etwa 20 teilweise recht schmucken Flitzer hin: „Bevor sie hier zur Versteigerung kommen, klären wir die Rahmennummern mit der Polizei ab.“ Die unbekannten Besitzer aller zur Auktion stehenden Exponate hatte die Behörde zusammen mit der Ankündigung des Termins noch einmal gebeten, sich zu melden. Erstaunlich ist, an was für hochwertigen Gegenständen die Berechtigten auch in wirtschaftlich angeblich schweren Zeiten bereit sind, ihr Eigentum aufzugeben. Unter die juristisch als herrenlose Sachen gefassten Kostbarkeiten fallen Geländeräder im Neuwert von fast 1.000 Euro, die nach Augenschein noch nicht allzu sehr im Gebrauch waren. An der Ennepebogen-Skaterbahn hatte jemand nicht nur das fast neue Rollbrett zurückgelassen, sondern auch noch beinahe die ganze Ausrüstung mit Helm und Protektoren in einem Rucksack dazugelegt. „Da hat sich wohl einer nach dem ersten Sturz von seinem neuen Hobby verabschiedet“, scherzte Auktionator Uwe Jesinghaus, der dem ernsten Geschäft des Bietens und Zuschlagens so manche heitere Note abgewinnen konnte. Als er eine Butterbrot-Dose feilbot, setzte er schmunzelnd hinzu: „Ohne Inhalt.“ Mit einem solchen hätte vielleicht die Geldbörse eine Chance auf Abnehmer gehabt, welche der Mitarbeiter des früheren Ordnungsamts als eines von wenigen Stücken nicht los wurde.

Nissenleuchten für die Baustelle - ein ganz exquisites Sammelobjekt. Sie gingen nach Startgebot von zwei Euro für 13 Euro weg. (Foto: Stefan Scheler)

Mobiltelefone, in Massen in einer Kiste auf Interessenten wartend, fanden dagegen reißenden Absatz. „Dabei können wir auf keines der Geräte eine Funktionsgarantie geben“, wunderte sich nicht nur Arnim Schäfer: „Wenn die Geheimnummer unbekannt oder der Akku defekt ist, sind das eigentlich nur noch originelle Briefbeschwerer.“ Das sahen die Kunden anders. Eine Dame aus Wuppertal häufte auf dem Tresen vor sich eine ganze Sammlung der billigen Handys an, die zum Durchschnittspreis von einem Euro über den „Ladentisch“ gingen. „Mich interessieren die Gehäuse, die ich gegen defekte Teile baugleicher Geräte austauschen kann“, gab die Käuferin aus der Schwebebahnstadt Auskunft. Ihr Begleiter hatte einen schmucken Schal für 3,50 Euro erstanden. „So was gibt es in Wuppertal nicht“, erklärte er mit bergischem Humor: „Die Farbkombination gefällt mir; und dann der sensationelle Preis!“

Der Fotoapparat „Columbus“, immerhin erst Baujahr 2010, ging für einen Euro weg, und was der stolze Besitzer zweier Nissenleuchten zur Fahrbahnabsicherung mit roten Gläsern mit seinem Erwerb anfangen will, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Vielleicht zieren die originellen Lampen jetzt einen Partykeller in der Umgebung.

Den Vogel nach oben in der Preisgestaltung schoss übrigens ein hochwertiges Geländerad ab, das bei einem ersten Gebot von 40 Euro für 120 Euro in neue Hände kam. „Ein stolzer Preis“, kommentierte Uwe Jesinghaus den Handel. Nur der kleine Lou Pepe hat sein Kinderrädchen wohl nicht bekommen…