Claus Jacobi wirbt für moderat ökologisches Jagdgesetz

Gevelsberg/Düsseldorf. (zico) Ein neues Landesjagdgesetz für Nordrhein-Westfalen ist unabdingbar – darin ist sich die Politik einig. Denn die alten gesetzgeberischen Rahmenbedingungen sind nur bis Ende 2014 gültig, und die neuen Regelungen sollen an die aktuellen Erkenntnisse aus Umwelt- und Naturschutz angepasst werden. „Dies ziehen auch die Jäger nicht in Zweifel“, sagt Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi, der als NABU-Mitglied und passionierter Jäger beide Interessen in seinem Herzen zu vereinen weiß: „Aber das Gesetz darf nicht so restriktiv ausfallen, dass die Jäger vor den Beschränkungen kapitulieren und keine Reviere mehr unterhalten wollen.“

Bei einer Drückjagd rückten die Jäger im EN-Kreis zuletzt den Schwarzwildbeständen zu Leibe. (Foto: Archiv)

Um sich auch innerhalb der eigenen Partei Gehör zu verschaffen und mit den Parteikollegen eine positive Jagdgesetzgebung zu gestalten, hat Jacobi vor einem Jahr mit seinem Dortmunder Parteifreund Uwe Lüders den Initiativkreis „Waidgenossen“ gegründet. Der ist innerhalb eines Jahres von acht Gründungsmitgliedern auf über 70 sozialdemokratische Jäger angewachsen. „Früher hatten wir mit Friedhelm Farthmann und Klaus Matthiesen ausgewiesene Jäger in führenden Positionen der Landespartei, doch nach deren Abschied aus der Politik und vor Gründung des Initiativkreises wurde die Stimme der Jäger nicht mehr ausreichend wahrgenommen“, nennt Jacobi den Grund für das Engagement der Waidgenossen.

Jacobi ist sich durchaus bewusst, dass das Thema Jägerei sehr sensibel gesehen wird. „Hier müssen warmblütige Lebewesen mit einen Gewehr erlegt werden“, bekennt Jacobi – doch ohne Jägerei geht es nicht. Schnell wird nach Jägern gerufen, wenn der Bestand an Schwazwild überhand nimmt, es die Tiere an die Ränder der Zivilisation treibt, Zäune zerstört und Gärten verwüstet werden. Und auch als festliches Mahl wird ein Rehrücken, etwa zu Weihnachten, von vielen Bürgern hoch geschätzt. Die Vermarktung von Wildbret ist ein bedeutender Zweig in der Lebensmittelbranche. „Hier werden wichtige Ressourcen genutzt, die der Reichtum unseres Landes bietet“, gibt Jacobi zu bedenken. Was überdies jeder Experte heute einräumt, ist der bedeutende Beitrag der Jäger für den Naturschutz.

So betreibt nahezu jeder nordrhein-westfälische Hegering, darunter auch der Gevelsberger, ein Umweltpädagogikprojekt, führt Kinder und Jugendliche an die Geheimnisse des Waldes heran. Mit 65.000 Jägern, zehn Prozent davon Frauen, sind die Grünrocke dabei schon von der Personenzahl her deutlich stärker aufgestellt als die um den Umweltschutz bemühten NABU-Verbände. „Mit denen die Jäger im Übrigen vor Ort bestens zusammen arbeiten“, wie Claus Jacobi betont: „In der praktischen Arbeit gibt es zwischen den beiden Gruppen keinen Gegensatz – der entsteht eher in den Köpfen von Verbandsfunktionären.“ Die große Zahl der Jäger belegt im Übrigen auch, dass Jäger keineswegs ein exklusives Völkchen sind – es gibt zwar durchaus exklusive Jagdreviere, doch längst jagt der Facharbeiter neben den Professor, der einfache Angestellte neben dem Abteilungsleiter.

So stieß der Initiativkreis sozialdemokratischer Jäger in NRW bei seiner jüngsten Versammlung vor wenigen Tagen in Düsseldorf bei den Vertretern der SPD-Fraktion auf offene Ohren. Zu Gast waren die nämlich die SPD-Landtagsabgeordneten Annette Watermann-Krass und Norbert Meesters, beide Mitglied im Umweltausschuss. „Für uns ist das ein klares Zeichen, dass die Waid-Genossen innerhalb der SPD wahrgenommen und wertgeschätzt werden“, erklärten die Gründer des Zusammenschlusses, Claus Jacobi und Uwe Lüders.

Die aus ganz Nordrhein-Westfalen angereisten Waid-Genossen diskutierten intensiv mit den Abgeordneten und verdeutlichten, dass sie fest hinter den von ihnen formulierten „Positionen für eine nachhaltige Jagd in Nordrhein-Westfalen“ stehen. „Wir haben noch einmal unterstrichen, dass wir Waid-Genossen das beabsichtigte Jagdgesetz, wie es extreme Naturschützer fordern, nicht mittragen werden“, formulierte Uwe Lüders auch in Richtung der Grünen, die dem Jagdwesen besonders kritisch gegenüber stehen.

Über die Gemeinsamkeiten von Jagd und praktiziertem Naturschutz sprach auch Gastredner Dr. Thomas Gehle, Wildbiologe der Landesforschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung. In seinem Vortrag „Jagd und Naturschutz – Widerspruch oder Ergänzung?“ beleuchtete er unter anderem die historischen Hintergründe des Naturschutzes in Deutschland und die Entstehungsgeschichte der von Sozialdemokraten mitgeprägten Jagdgesetzgebung.

So hofft auch Claus Jacobi, dass „Grüne und Grüne“ letztlich doch noch zueinander finden, denn: „Die ideologischen Gegensätze müssten eigentlich nicht sein und werden durch das Engagement der Jäger für den Naturschutz stets aufs Neue widerlegt.“