Dampfbahnclub Sprockhövel verlegte 420 Meter Stahlgleise

Hinter Lokführer Klaus Windgasse freuen sich immer wieder vor allem die Kinder über den großen Spaß mit dem kleinen Zug. (Foto: Aloys Bauerdick)

Sprockhövel. (Sche) „Diese Bahn, das präg‘ dir ein, ist die Bundesbahn in Klein“, lautete einst der Werbespruch eines Modellbahnherstellers, den Reiner Münch als Vorsitzender des Dampfbahnclubs Sprockhövel mit Fug und Recht auch für das von seinem Verein nahe der Straße Am Beermannshaus in Haßlinghausen Geschaffene reklamieren kann. Auf bisher 420 Metern Streckenlänge können Modellzüge auf fünf Zoll Spurbreite, das sind 12,7 Zentimeter, ein landschaftlich reizvolles, mit einem Formsignal, einer sanften Steigung und einer Brücke interessant gestaltetes Areal durchfahren. „Dazu kommt noch eine Parallelspur vor dem Bahnhof, die als Rangier- und Abstellgleis fungiert“, erzählt der Maschinenbau-Ingenieur im Ruhestand: „Das Basteln und Bauen von Fahrzeugen und Streckenanlagen ist mein Hauptmetier; die Fachsimpelei über bahntypische Details wie Signalarten oder Zugläufe überlasse ich lieber den Lesern der einschlägigen Spezial-Magazine.“

Lokführer der kleinen Dampflok nach dem Vorbild des österreichischen Typs U mit allen Steuerungselementen wie beim Vorbild ist Reiner Münch selbst. Auf dem ersten von vier Wagen thronend bedient er die filigranen Hebel und Handräder. „Das habe ich mir im Selbststudium mit entsprechender Literatur angeeignet“, ist der 60-Jährige stolz: „Eine Fahrprüfung wie die ,richtigen‘ Lokführer musste ich nicht ablegen.“ Die Waggons des kleinen Zuges sind mit Sitzbänken ausgestattet, so dass Bahnfreunde an Rundfahrten auf dem Gelände, das der Dampfbahnclub Sprockhövel unter Vermittlung der Stadt von Landwirt Fritz Eierding pachtete, teilnehmen können. „An jedem dritten Sonntag von April bis September veranstalten wir unsere Fahrten“, lädt Sigrid Münch ein, die dem Verein als Kassiererin dient: „Der nächste Termin ist Sonntag, 20. Mai. Der kleine Zug dreht immer von 11 bis 17 Uhr seine Runden.“

Reiner Münch, Vorsitzender des Dampfbahnclubs Sprockhövel, am Eingang zum Vereinsgelände mit der Fahrstrecke des Dampfzugs. (Foto: Stefan Scheler)

Diese Attraktion, die zur Bereicherung des Sprockhöveler Freizeitangebots wesentlich beiträgt, zieht regelmäßig Familien mit Kindern sowie Bahnfreunde zum Dampflok-Treffpunkt zwischen Haßlinghausen und Hiddinghausen. Dabei ist es eine echte Herausforderung für die sieben beim Bau tätigen von insgesamt 20 Mitgliedern, Strecke und Fahrzeuge immer tipptopp in Schuss zu halten. „Begonnen haben wir bei der Gründung im Jahr 2004 mit 10 Gleichgesinnten“, erinnert sich Sigrid Münch: „Den Bau der kleinen Bahn haben wir dann 2006 begonnen.“ Die von der Eisenbahn begeisterte Truppe kommt aus allen Ecken Nordrhein-Westfalens, zum Beispiel aus Bochum, Soest und Hückeswagen. „Da ist es nicht immer leicht, alle zusammen zu bekommen“, hat Reiner Münch für das Problem der weiten Anreise Verständnis: „Deshalb können wir auch nur am Samstag, ausnahmsweise auch mal an den vom Fahrbetrieb freien Sonntagen, hier werkeln. In der Woche nach Feierabend schafft das kaum einer.“

Zum Fahrzeugpark gehört neben der bereits erwähnten „U“ auch die von Reichs- und Bundesbahn bekannte Dampflok der Baureihe 23 im Modell. Leider konnte sie Reiner Münch nicht vorführen, denn das gute Stück wiegt 100 Kilogramm und kommt nur, aufgeladen auf ein Fahrzeug, an den Fahrtagen auf die Anlage. „Unsere Mitstreiter haben teilweise noch eigene Maschinen, die sie hier Probe fahren oder in den Betrieb einstellen“, dankt der Vorsitzende allen Unterstützern: „Darunter befinden sich sogar kleine Elektroloks.“ Besonderen Wert legt der Ingenieur auf technische Detailtreue. So stattete man nicht nur die Lokomotiven mit vorbildgetreuer Technik aus, auch die manuell zu bedienenden Weichen sind ein Glanzlicht der Fahrstrecke. „Die waren nicht einfach zu konstruieren“, denkt Reiner Münch an manch Kniffliges zurück: „Die Gleise sind übrigens aus Flachstahl selbst erstellt.“ Nur bei den Bremsen besteht ein Unterschied zum Original. Anders als bei der „großen“ Bahn lässt der Modellzug zum Stopp keine Luft aus der Anlage, sondern presst welche hinein. „Das ändere ich aber noch“, verspricht der tüftelfreudige Vereinsvorsitzende. Ein weiteres Projekt ist die Streckenerweiterung auf etwa einen Kilometer mit einer zweiten Runde.

Informationen über die Vereinsarbeit gibt es unter Ruf 02332/13074 bei Reiner Münch.