Demografiewandel: Anstöße für Handel

Gevelsberg. (Sche) „Ich danke der Stadt Gevelsberg, dass sie uns trotz eines Wasserschadens das Tagen im Ratssaal ermöglicht“, eröffnete Pro City-Vorsitzender Werner Tasbier das Treffen der Gevelsberger Händler und Gewerbetreibenden vor wenigen Tagen: „Sogar in den Osterferien sind doch einige zu unserer Versammlung gekommen.“

Pro City-Manager Frank Manfrahs gab einen Rückblick auf 2011 und stellte die Planungen für die Feste des laufenden Jahres vor. (Foto: Stefan Scheler)

34 Personen nahmen teil am jährlichen Treffen, das Pro City zur Standortbestimmung und Jahresplanung dient. Zunächst hörten sie einen kurzen Vortrag aus der Diplomarbeit von Jasmin Zychla, die im Gevelsberger Amt für Stadtentwicklung arbeitet. „Gevelsberg hat gegenwärtig rund 32.000 Einwohner“, begann die 27-Jährige ihre Ausführungen: „Davon sind 9.200 über 60 Jahre alt, was einem Prozentsatz von 28,9 entspricht.“ Dieser Anteil werde sich in Zukunft noch deutlich erhöhen, weshalb sich besonders der Gevelsberger Einzelhandel in dieser Hinsicht fit für die Zukunft machen müsse. Es gelte, Läden barrierefrei zu machen und einen Branchenmix mit auf die Zielgruppe angepasstem Sortiment anzubieten. „Auch die Kommune ist in der Pflicht“, stellte die Diplomandin klar: „Hier kommt es auf ausreichenden Parkraum, passenden Öffentlichen Nahverkehr und Ruhezonen im Innenstadtbereich an.“ Schließlich sei die immer stärker werdende Gruppe „60+“ ein wegen der noch großen Kaufkraft nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

Die Ausgangslage sieht in Gevelsberg dabei gar nicht schlecht aus. „In den Nachbarstädten beneidet man uns um den gut organisierten Einzelhandel“, betonte der ehemalige Beigeordnete Hans-Christian Schäfer, den die Versammlung einstimmig zum Vorstandsbeisitzer wählte: „Da haben wir die Nase vorn.“ Außerdem gab es eindeutige Voten ohne Gegenstimmen für alle Mitglieder des alten und neuen Vorstands. Vorsitzender bleibt Werner Tasbier, vertreten von Susanne Schumacher und Christian Kubitz. Die bisherigen Beisitzer Wulf Spriestersbach und Dietmar Grimm bleiben im Amt; ihnen zur Seite stehen ab sofort Michael Hedtkamp und Hans-Christian Schäfer. Alle Abstimmungen verliefen einstimmig. Ebenfalls ohne Gegenstimmen und Enthaltungen sprach die Mitgliederversammlung Philippe Marie und Raimund Hess als Kassenprüfern das Vertrauen aus.

Der neue Pro City-Vorstand (von links): Die Beisitzer Hans-Christian Schäfer, Michael Hedtkamp und Wulf Spriestersbach, die stellvertretenden Vorsitzenden Susanne Schumacher und Christian Kubitz sowie Vorsitzender Werner Tasbier und Beisitzer Dietmar Grimm. (Foto: Stefan Scheler)

Zur Sache gab Pro City-Manager Frank Manfrahs einen kurzen Überblick der Aktivitäten im Jahr 2011. Besonders die Stadtfeste wie Gevelsberger Frühling, Boulevard, Erlebnishandel, Martinsmarkt und Mondscheinbummel seien auch Magnete für das Umland gewesen. Trotz teilweise sehr ungünstiger Witterung seien außer den Gevelsbergern sogar aus Düsseldorf, Dortmund oder Bochum Besucher in die Engelbertstadt gekommen. Als Höhepunkt nannte Manfrahs das Extrabreit-Konzert. „Diese Erfolgsgeschichte wollen wir in 2012 fortsetzen“, leitete der Stadtmanager zu den Planungen für das laufende Jahr über: „Die großen fünf Veranstaltungen gehen nach wie vor über die drei Bühnen und die 600 Meter lange Flaniermeile Mittelstraße.“ Mit Polizei und Ordnungsamt denke man aber über ein verbessertes Sicherheitskonzept nach und mache sich auch Gedanken darüber, die Innenstadt-Ereignisse mit zusätzlichen Attraktionen wie Bands aus den Partnerstädten weiter aufzupeppen. Dafür stehe ein Etat von 170.000 Euro zur Verfügung.

Zum Abschluss der Mitgliederversammlung wurde es still, als die Teilnehmer des am 1. Mai 2011 verstorbenen ehemaligen Pro City-Vorsitzenden Jochen Isenberg gedachten. In der unter „Verschiedenes“ eingeleiteten Fragerunde musste sich Bürgermeister Claus Jacobi Kritik an der Verkehrssituation auf der Mittelstraße anhören, wo nach Meinung einiger Einzelhändler „gerast werde wie zu alten Zeiten“. Das Stadtoberhaupt zog sich den Schuh an und bedauerte, dass die Kommune keine Polizeihoheit zur Kontrolle des fließenden Verkehrs habe. „Ich werde aber mit Vertretern der Kreispolizeibehörde über die Missstände reden“, versprach Claus Jacobi den Anwesenden.