Der „Einstein von Silschede“

Peter Dahms und die Schüler beobachten an einem Oszillographen, wie der bewegte Magnet Elektrizität erzeugt. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) Paul Ole bewegt den ausgedienten Kassettenrekorder-Magneten an einem Metallstreifen vorbei. Auf dem Bildschirm des Oszillographen, einem Gerät zur Strommessung, zeigen sich gezackte Linien wie bei einem medizinischen EKG. „Da fließt jetzt elektrische Energie“, klärte Peter Dahms den Achtjährigen auf, der zum ersten Mal entdeckt hat, dass die Spannung nicht so einfach aus der Steckdose kommt.

In fünfter Auflage ist der ehemalige Diplom-Ingenieur in der Grundschule Silschede erschienen, um den Erst- und Zweitklässlern den oft recht trockenen Physikunterricht, der in dieser Altersstufe noch Sachkundeunterricht, Fachbereich Technik, heißt, mit anschaulichen Experimenten schmackhaft zu machen. Dabei lässt er die Dötze an Kabeln, Steckern und Versuchsgegenständen kräftig selbst werkeln und verlässt sich nicht auf den üblichen Frontalunterricht. „Herr Dahms stellt seine freie Zeit ehrenamtlich für uns zur Verfügung“, ist Schulleiterin Sabine Stahl des Lobes voll: „Dieses Unterrichtskonzept wäre mit dem normalen Budget nicht zu verwirklichen.“

Die Idee zu der unkonventionellen Zusammenarbeit kam bei der Miniphänomenta 2009 auf, einer Ausstellung an der Schule, wo man diesen Ansatz des neuen Lernens zum ersten Mal testete. „Da kristallisierte sich das Interesse und der Bedarf heraus, das Projekt fortzusetzen“, erzählt die Schulleiterin: „Für die etatmäßigen Lehrkräfte ist im üblichen Stundenplan ja gar nicht so viel Zeit vorhanden. Die Schüler nehmen an dieser Veranstaltung übrigens alle freiwillig teil.“

Schulleiterin Sabine Stahl und der achtjährige Paul Ole freuen sich über die Besuche des „Einstein von Silschede“, der Pep in die Physik bringt. (Foto: Stefan Scheler)

Umso mehr Spaß macht es dann auch der achtjährigen Carlotta, Metallspäne in einer durchsichtigen Plastikdose über einem Magnetfeld wie die Igelborsten in die Höhe stehen zu lassen. Oder sie setzt eine Pyramide aus Holzstäben mit Eisenkern zusammen, welche magnetisierte Kugeln an den Eckpunkten zusammenhalten. Die Jungen schalten unterdessen munter und wie routinierte Profis an den Oszillographen herum. „Geht jetzt bitte von Wechselspannung auf Gleichstrom“, gibt der Dozent den kleinen Helfern durchaus anspruchsvolle Aufgaben: „Aber passt auf, dass ihr nichts kaputt macht.“

Immerhin hat der ehemalige Prokurist im Service viele eigene Geräte mitgebracht, die nicht nur technisch empfindlich, sondern auch nicht ganz billig sind. Dafür ist der Lerneffekt umso größer. Was die Kinder sonst nur als Anwender kennen – Apparate des täglichen Bedarfs und ihre Funktion – erfahren sie jetzt auch in den Grundlagen. „Warum löscht der Tonkopf des Rekorders die Kassette?“ will Peter Dahms wissen: „Probiert es hier mal aus!“ Dann reicht er den Schülern einen der alten bespielten Tonträger, die er mitgebracht hat. Flinke Hände fahren mit dem Magneten an dem Musikband entlang. Der Oszillograph schlägt aus, und aus dem angeschlossenen Lautsprecher kommt außer einem leisen Brummen nichts mehr.

Dann macht man Strom. Ein Stabmagnet gleitet senkrecht durch einen Metallring mit Anschlussdrähten. Das Kontrollgerät zeigt, das Elektrizität fließt. „Weil ihr den Magneten auf und nieder bewegt, müsst ihr auf Wechselstrom schalten“, erklärt der „Einstein von Silschede“: „Die Bewegungsrichtung der Spannung ändert sich nämlich ständig.“ Dass auch rotierende Magneten eine Lampe zum Leuchten bringen können, erfahren die jungen Kursteilnehmer am für sie alltäglichen Beispiel des Fahrrad-Dynamos.

Nicht nur bewegte Magnetfelder erzeugen Strom, wie Peter Dahms für die nächste Stunde ankündigt. „Dann erfahrt ihr, wie eine Batterie funktioniert“, macht der 64-Jährige die Kinder auf neue Entdeckungen neugierig.