Der letzte Weg führt manchmal auch in den Wald oder auf See

Der Wunsch nach der klassischen Erdbestattung im Sarg ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. „Mittlerweile sind 75 Prozent der Beisetzungen auf dem Friedhof Berge Urnenbestattungen“, weiß Bestatterin Mareike Götte. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) „Mittlerweile sind 75 Prozent der Beisetzungen auf dem Friedhof Berge Urnenbestattungen“, bestätigt Mareike Götte, Inhaberin des bekannten Gevelsberger Beerdigungsinstitutes einen Trend, der in den vergangenen 15 bis 20 Jahren bundesweit zu beobachten ist: Die klassische Beerdigung des Leichnahms mit Sarg im Reihen- oder Wahlgrab ist auf dem Rückzug; stattdessen werden häufiger Einäscherungen gewünscht, bei denen anschließend die Urne ihren Platz in der Erde, in einer Steele oder in einem Kolumbarium findet.

Mareike Götte, hier vor ihrem Beerdigungsinstitut an der Gevelsberger Mittelstraße, steht den Hinterbliebenen mit Rat und tat zur Seite. (Foto: Frank Schmidt)

Woran das liegt? „Hauptgrund ist Wohl, dass viele Hinterbliebene sich nicht mehr zutrauen, über 30 Jahre lang ein Grab zu pflegen“, so Mareike Götte, die ihren Beruf vom Vater übernommen hat und sich seit zwölf Jahren vor Ort als einfühlsame Begleiterin für den letzten Weg eines Menschen einen guten Namen gemacht hat: „Früher begleitete man Eltern oder Großeltern noch auf den Friedhof, lernte dabei, wie man die Gräber seiner Vorfahren bepflanzt und von Unkraut befreit. Heute fehlt es dafür oft schon an der Zeit.“ Und Gärtnereien mit dieser Aufgabe zu betrauen, ist nicht zuletzt auch ein Kostenfaktor.

Ein Kostenfaktor ist auch die Beerdigung – eine schlichte Beerdigung, bei der der Sarg in die Erde eingelassen wird, kostet inklusive Gebühren, Ausheben der Grabstelle und Trauerhallennutzung mindestens an die 4.000 Euro – und das ist, wie gesagt, eine eher günstige Variante mit recht schlichtem Sarg. „Kosten für Zeitungsannonce, Bewirtung der Trauergäste, Blumenschmuck und Kränze können die Kosten deutlich höher werden lassen“, rechnet Mareike Götte vor.

Bei anderen Bestattungsformen lässt sich je nach Ausführung deutlich sparen – und zwar im vierstelligen Bereich. Auch einer der Gründe, warum viele Hinterbliebene von der „klassischen Beerdigungsform“ absehen. Ein anderer ist der Wandel des Zeitgeistes. „Ich habe auch Kunden, die die Bestattung in einem Friedwald beziehungsweise Ruheforst wünschen. Dabei wird die Urne unter einem Baum bestattet. Vor allem naturverbundene Menschen äußern diesen letzten Willen“, so Marieke Götte. Allerdings ist diese Bestattungsform in Gevelsberg noch nicht möglich – in Hagen dagegen gibt es bereits einen Ruheforst. Eine ähnliche Form, nämlich die sogenannte „Baumbestattung, ist für den Friedhof Berge allerdings im Gespräch.

Eher selten in unseren Breiten nachgefragt ist hingegen die Seebestattung. „Diese Bestattung wird naheliegenderweise für Personen gewünscht, deren Leben etwas mit der Seefahrt zu tun hatte“, weiß Mareike Götte aus ihrer langjährigen Erfahrung: „Im hatte im vergangenen Jahr nur zwei solcher Bestattungen, bei denen der letzte Weg auf die Nord- oder Ostsee führte.“

Welche Bestattungsform die Hinterbliebenen auch immer wünschen – bei verantwortungsvollen Instituten wie dem von Mareike Götte, Mittelstraße 99, dürfen sie sich einer intensiven, einfühlsamen Begleitung sicher sein. Welche Aufgaben dies mit sich bringt, was alles zu tun ist, wird vielen Bürgern erst klar, wenn der traurige Ernstfall eintritt. „Ich kümmere mich um alle Formalitäten und die Organisation, bestelle Pastor, Träger und Organisten, Blumenschmuck und Karten, spreche die Termine ab und erledige die notwendigen Angelegenheiten bei der Stadtverwaltung. Auf wünsch regele ich auch Angelegenheiten mit Versicherungen und Krankenkassen sowie Formalitäten in Zusammenhang mit der Rente“, erklärt Mareike Götte: „Und manchmal ist es auch wichtig, einfach nur zuzuhören oder gar Tränen zu trocknen. Ich weiß, was in den Menschen vorgeht, wenn ein lieber Verwandter gegangen ist.“