Die Paddyhats erobern Wacken: Festival-Tagebuch, Teil 2

Gevelsberg/Wacken. Bei der Gevelsberger Band „The O’Reillys & The Paddyhats“ ist im Moment schwer was los. Gerade erst ist ihr Wacken-Abenteuer vorbei, schon ist auch endlich das Album „Seven Hearts One Soul“ erschienen. Seit vergangenem Freitag, 26. August 2016, ist es europaweit im Handel.

Letzte Woche berichtete uns Sänger und Gitarrist Franz „Sean O’Reilly“ Wüstenberg bereits von den Vorbereitungen und der Anreise zum „Wacken Open Air“. Heute setzen wir unsere Serie mit einem Bericht vom ersten Konzerttag fort.

Mittwoch, 3. August
8 Uhr, Wacken

Irgendwann in der vergangenen Nacht war nicht nur der Hänger angekommen, sondern auch unser Schlagzeuger Dr. Bones aus seinem Norwegenurlaub eingetroffen. Auch hatte uns Dwight besucht, der auf dem Festivalgelände arbeitete. Damit waren wir endlich vollzählig – hatten allerdings auch erst um 3 Uhr Schlaf gefunden. Bzw. wollten wir diesen finden, denn zur selben Zeit drehten unsere Nachbarn plötzlich laut Musik auf. Entsprechend waren wir, als uns die Sonne um 8 Uhr weckte, reichlich gerädert.

Leider spielte das Wetter an diesem Morgen gar nicht mit. Aber zum Glück hatten die meisten von uns vorsorglich Gummistiefel dabei, denn es regnete immer wieder und die Wege wurden matschig. Doch verstecken war keine Alternative, denn schließlich stand um Punkt 17 Uhr unser erster Auftritt auf der „Beergarden Stage“ an.

Zunächst suchten wir das „Artist Production“-Büro auf. Die hilfsbereiten Damen dort gaben uns Tipps, wie wir unsere Instrumente und Technik über das große Gelände zur Bühne schaffen konnten. Dazu bekamen wir ein Personenshuttle und ein Zugfahrzeug für unseren Hänger gestellt.

Als es mit diesen schließlich zwei Stunden vor Auftritt zur Bühne ging, war uns klar: unausgeschlafen, größtenteils

ungeduscht und mit nur ein paar Bier und Steaks im Magen würde es schwer werden, bei drei Auftritten unser gewohntes Energielevel zu halten. Aber da wir dachten, dass uns ja eh niemand kennt und wir auf einer der kleinsten Bühnen auf dem Gelände spielen, rechnet wir sowieso mit kaum Publikum.

An der imposanten, 30 Meter hohen Hauptbühne vorbei kamen wir einige Schlaglöcher später zum Biergarten. Eine wenige Quadratmeter große Pagode stand zum Umziehen bereit, ein einziges Dixiklo lud zum Verweilen ein. Gerade ertönten auf der Bühne die Heimorgelklänge des aus Hagen stammenden Mambo Kurt. Nach einer kurzen Orientierung stellten wir fest: sämtliche Bedingungen sind ähnlich wie beim Boulevard Gevelsberg. Allerdings standen fünfmal mehr Menschen vor der Bühne, was den Puls wieder anschnellen lies.

Doch zum Glück kann bei mir die Aufregung noch so groß sein, sobald die gewohnten Handgriffe getan werden müssen, bin ich wieder entspannt. Beim Entladen des Hängers stellten wir fest, dass wir die Snare Drum unseres Schlagzeugers vergessen haben. Glücklicherweise herrscht in Wacken aber kein Mangel an Musikinstrumenten, sodass schnell Ersatz beschafft war.

Schließlich war alles vorbereitet, wir waren umgezogen und Mambo Kurt kam mit einer ziemlich einheizenden Show auch zum Ende, sodass es für uns ernst wurde. 30 Minuten hatten wir jetzt für Soundcheck und Umbau der Bühne. Dank unser tollen Crew, die wirklich

professionell arbeitet, lief aber alles problemlos. Nur das Wetter wollte jetzt gar nicht mehr mitspielen: Während des Soundchecks schauerte es so heftig, dass plötzlich kaum noch jemand vor der Bühne stand. Ob die wohl wiederkommen würden?

Um Punkt 17 Uhr erklang dann unser Intro ‚The Blood of Chuchulainn‘. Und als hätte die Kantinenglocke in einer Fabrik geläutet, strömten plötzlich die Menschen in Scharen vor die Bühne. Damit fing für uns der echte Spaß an. Schon beim Refrain der ersten Songs begannen das Publikum zu klatschen und tanzen und plötzlich: Zisch! Aus! Alles still. Stromausfall. Und vor uns 2.500 verwirrte Menschen, die sich fragten, warum es vorbei ist, bevor es richtig anfängt.

Irgendwas mussten wir machen. Also gingen unser neuer Bassist Fitz, Dwight und ich nach vorne an den Bühnenrand und stimmten A cappella den bekannten Rockhit ‚7 Nation Army‘ an. Keine zwei Sekunden später gröhlten tausende Kehlen mit uns. So feierten wir zusammen ungefähr eine Minute, bis das erlösende Zeichen kam: Der Strom ist wieder da!

Von da an hatten wir das Publikum auf unserer Seite und spielten 55 Minuten eine Show, wie wir sie so noch nie erlebt haben. Wacken hat definitiv das lauteste, best gelaunteste und feierwütigste Publikum aller Zeiten.

Als der letzte Akkord verklang, ging es glücklich und erschöpft in Richtung Abendessen. Doch noch auf dem Weg klingelte das Handy: Unser Doppel-Pavillon hat sich verselbstständigt und ist über den kompletten Campingplatz und so einige Autos geflogen.

Ob die Paddyhats trotz fliegendem Pavillon noch zu ihrem verdienten Feierabendbier gekommen sind und was sie an den weiteren Tagen in Wacken erlebt haben, lesen Sie nächste Woche im Wochenkurier.