Die Paddyhats erobern Wacken: Festival-Tagebuch, Teil 1

Gevelsberg/Wacken. (je) In der Region sind „The O’Reillys & The Paddyhats“ schon lange keine Unbekannten – alleine schon durch ihr jährlich im Herbst in Gevelsberg veranstaltetes eigenes Festival. Und auch bundesweit sind die „Paddyhats“ in der Irish-Folk-Szene ein immer häufiger genannter Name. So kam es dann auch, dass kürzlich ein Musikverlag auf die siebenköpfige Band aufmerksam wurde und sie unter Vertrag nahm. Eine lohnende Verbindung, denn so wurde es möglich, vor zwei Wochen irischen Folk aus Gevelsberg auf die Bühne eines der weltgrößten Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken zu bringen.

Wie es den zwischen rund 70.000 Metal-Fans und bei direkt drei Konzerten auf der „Biergarten-Bühne“ ergangen ist, erzählt Sänger und Gitarrist Franz „Sean O’Reilly“ Wüstenberg ab heute im Wochenkurier in einer Mini-Serie. Heute berichtet er von den Vorbereitungen und der Anreise.

Hallo, ich bin Sean O’Reilly von der Irish-Folk Punk Band ‚The O’Reillys and the Paddyhats‘ und wir hatten die große Ehre, eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt in Wacken zu bespielen. Wie sich
das so anfühlt, will ich euch gerne erzählen …

Dienstag, 2. August
13 Uhr, Schwelm

Nachdem wir am Sonntagabend unseren bandeigenen Hänger mit 30 Packungen Toastbrot, 30 Sixpacks Wasser und Softdrinks, 30 Paletten Bier und Radler sowie allerlei weiteren in Unmengen gekauften und möglichst ungesunden Leckereien beladen hatten, standen wir endlich kurz vor der Abfahrt. Connor, unser E-Gitarrist, kam gerade aus Dortmund mit einigen Kilo Trockeneis wieder, mit welchen wir unser Grillfleisch möglichst ein paar Tage kühlen wollten. Auch einen riesigen Doppelpavillon hatte uns im Großmarkt besorgt. Im Grunde war es eine organisatorische Meisterleistung von Connor, der sich um alles rund um das fünftägige Campleben von 13 Leuten – 7 Musiker, 1 Stepptänzer, 2 Roadies und 2 Techniker sowie 1 Campkoch – gekümmert hatte.

Leider hatten der Campkoch sich jedoch kurzfristig eine Mandelentzündung und ein Roadie einen neuen Job zugelegt. Daher mussten wir leider ungeplant um zwei tatkräftige Personen erleichtert mit einem alten VW-Bus und einem Passat in Richtung hoher Norden aufbrechen. Der Anhänger sollte dann noch nachts mit Tevin und Dobby, unseren Technikern, folgen. Der zweite O’Reilly-“Bruder“ Dwight wartete sowieso schon seit drei Wochen in Wacken auf uns, wo er als Funkgerätespezialist tätig war. Und unser Schlagzeuger Dr. Bones wollte aus Norwegen anreisen, wo er gerade seinen wohlverdienten Sommerurlaub verbrachte. Im Grunde war es also für Paddyhats-Verhältnisse eine entspannte Fahrt in kleiner Gruppe, die auch – mit Ausnahme einer kurzen Zollkontrolle – ereignislos verlief. Als wir dann aber schließlich irgendwann das Ortseingangsschild von Wacken an uns vorbeirauschen sahen, stieg die Aufregung.

Über einen unscheinbaren Waldweg  rumpelten wir schließlich zum Künstlereingang, an dem wir sehr freundlich empfangen wurden. Mit sympathisch-nordischem Akzent erklärte uns Empfangschef Reiner, was wir nun alles zu erwarten hätten. Die heißbegehrten Künstlerausweise, Infobroschüren, Wegkarten, VIP-Aufkleber für die Autos und Essensmarken über­gab er uns mit ein paar flotten Sprüchen auf den Lippen. Unerwartet erhielten wir außerdem auch Essensmarken für Frühstück – weshalb uns die 30 mitgebrachten Packungen Toastbrot plötzlich leicht überdimensioniert erschienen.

Als wir dann gegen 19 Uhr endlich auf dem VIP-Camping platz ankamen, fanden wir die rund zehn Fußballfelder große Wiese noch fast leer vor. Die Aufbauarbeiten gingen bei der wohlig warmen Abendsonne leicht von der Hand. Es stellte sich schnell ein Gefühl ein, als wären wir auf Kalssenfahrt. Nur glücklicherweise ohne Lehrer. So hatten wir unseren Spaß, während wir Pavillon,  Zelte, Bierzeltgarnituren und ein riesiges Sonnensegel zusammensetzten. Gegen 20 Uhr schließlich meldete sich auch mein Magen. Erst da fiel mir auf, dass wir vor lauter Aufregung und Trubel kaum gegessen hatten. Also wurde endlich auch der Grill angeschmissen, als uns plötzlich eine entscheidende  Kleinigkeit einfiel: Sämtliches Essen hatten wir in unseren Hänger verladen, dessen Eintreffen erst gegen Mitternacht geplant war. Zum Glück zauberte uns Dana, Ians Freundin, eine vegetarische Nudelpfanne. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut die in der Situation schmeckt.

Wie die Paddyhats die erste Nacht auf dem Campingplatz überstanden haben und was sie bei Ihrem Auftritt am nächsten Tag erwartet hat, lesen Sie nächste Woche.