Drückjagd gegen Schwarzkittel

Diese Wildsauen können jetzt keinen Garten mehr verwüsten: 44 Wildschweine wurden bei der Drückjagd vor wenigen Tagen in den heimischen Wäldern zur Strecke gebracht. (Foto: Stefan Scheler)

EN-Kreis. (Sche) „Der Landwirt bekommt eine Entschädigung, wenn Wildschweine seinen Acker zerwühlen, der Privatmann für seinen zerstörten Garten aber nicht“, erklärte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft EN, Karl-Heinz Reinke, vor wenigen Tagen den Zweck einer so genannten Drückjagd auf dem Gebiet der Städte Gevelsberg, Ennepetal, Schwelm und Breckerfeld, bei der man Schalenwild, wie zum Beispiel Wildschweinen, Mufflons und Rehen, nachstellte: „Mit dem Abschuss vor allem des Schwarzwild-Nachwuchses, also der jungen Wildsauen, halten wir den Schaden in Grenzen.“

Besonders den Kindern will der Chef der heimischen Waidmänner vermitteln, dass es nicht um das Töten der „armen Tiere“ geht, sondern um den Schutz von Landwirtschaft und Gartenbau sowie überdies um eine Gesunderhaltung der Bestände. „Unkontrollierte Vermehrung nützt auch den Wildschweinen selbst nicht“, weiß der Hubertusjünger: „Da in heutiger Zeit Raubtiere in den Wäldern, wie Wolf und Bär, fehlen, muss der Mensch einer tierischen Übervölkerung entgegenwirken.“

Dabei sei es gar nicht einfach, den wehrhaften Schwarzkitteln, wie man die Wildschweine in Jägerkreisen auch nennt, nachzustellen. „Erstens ist für den Jäger auch eine gewisse Gefahr damit verbunden“, hat Karl-Heinz Reinke vor den gewichtigen wilden Verwandten unserer Schnitzellieferanten den gebührenden Respekt: „Zweitens sind diese Tiere nachtaktiv und nur in hellen Mondnächten oder über Schnee mit einem gezielten Schuss schonend zu erlegen.“ Nachtsichtgeräte, bei Militär und Polizei inzwischen Normalausstattung, dürfen die waffentragenden Naturschützer nur als Beobachtungsmittel nutzen, aber nicht als Zielhilfen auf die Gewehre montieren. Damit haben die borstigen Gesellen einen nicht unerheblichen Vorteil vor ihren menschlichen Verfolgern.

Trotzdem war meistens, wenn es vor Kurzem in den Wäldern des Südkreises knallte, ein Treffer zu verzeichnen. Immerhin müssen Jäger bei ihrer Prüfung auch die Schießfertigkeit nachweisen, um kein Tier mit Verwundungen zu quälen, sondern sofort möglichst schmerzlos zur Strecke zu bringen. „Strecke“ nennt der Waidmann übrigens die Bilanz am Ende eines Jagdtages, bei der man das erlegte Wild vor den angetretenen Schützen auf dem Waldboden aufreiht und ihm so bei Jagdhornsignalen die letzte Ehre erweist. Schon das zeigt, dass man es hier nicht mit schießwütigen Killern, sondern mit verantwortungsvollen Hegern der Lebensgemeinschaft Wald zu tun hat.

44 Wildschweine und zehn Mufflons erlegten die Jäger im südlichen EN-Kreis, die nun auch als schmackhafter Braten auf den heimischen Mittagstischen auftauchen dürften. Davon kamen 29 Schwein und fünf Mufflons auf Ennepetal sowie 13 Sauen und vier Wildschafe auf Breckerfeld. Je ein borstiger Geselle in Gevelsberg und Schwelm überlebte den Tag nicht. Bei der Jagd, an der aus Sicherheitsgründen keine interessierten Beobachter teilnehmen durften, gab es keine Schießunfälle, hatte man sich doch aus dem Umfeld bewohnter Gebiete bewusst herausgehalten. „Die Vorsitzende des Hegerings Ennepetal, Beate Flockenhaus, hat die Jagd hervorragend organisiert“, spricht Karl-Heinz Reinke einen Dank aus: „Die Begleitung und Betreuung der Jagdkameraden war vorbildlich.“

Nun hofft der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, dass besonders die von wühlendem Schwarzwild stark gebeutelten Grundstückseigner in Voerde-Nord in Zukunft ihre Gärten wieder ohne Furcht vor Verwüstung bestellen können. Auch neben der nun abgeschlossenen Großaktion bleibt die Einzeljagd auf die Wildschweine bis zum 31. Januar 2013 weiter erlaubt und findet auch statt, um die Grünflächen weiter zu entlasten.