Ein Lesesessel für die Gevelsberger Kinder-Bücherei

Gevelsberg. (AH) In der Kinderabteilung der städtischen Bücherei in Gevelsberg steht seit Kurzem ein Lesesessel, auf dem „Finchen“, die Schnecke aus der Sesamstraße, thront: „Der Sessel ist ein Geschenk an die Bücherei, damit die Mentoren hier ihren Sitz haben“, erklärte Klaus Wortmann, erster Vorsitzender des Mentor-Leseclubs.

Zum ersten Mal fand der Mentor-Leseclub in der Stadtbücherei statt. Der Club fördert die Lese- und Sprachkompetenz von Kindern der zweiten bis vierten Klasse. Bisher nehmen sich 61 Mentoren 67 Kindern an. Dabei bestehe ein „1:1-Prinzip“, sagte Klaus Wortmann. Das bedeutet: „Jeder Mentor lernt immer alleine mit einem Kind in dessen Schule, da sich eines bei mehreren Kindern nicht genügend beachtet fühlen könnte.“Die Mentoren erhalten zudem einen kostenlosen Leseausweis von der Bücherei, um Lesematerialien für die Schüler auszuleihen. Bis zum Ende des Jahres wünscht sich der Vorsitzende, dass die Zahl der Mentoren auf 75 steigt.

Bereits seit dem 1. Oktober 2013 besteht die Gruppe: „Ich las von einem Mentorenverein in Sprockhövel. Da mich das sehr interessiert hat, erkundigte ich mich, ob es das schon in Gevelsberg gibt“, dachte Wortmann zurück. Da dem nicht so war, gründete er selbst eine Vereinigung in Gevelsberg, die sich an alle Kinder richtet, die zu Hause keine Leselernhilfe bekommen.

Treffpunkt der sympathischen Gruppe solle einmal im Monat in der Bücherei sein. „Doch nur vier Abende gibt es im ersten Halbjahr 2015“. Dann fänden kollegiale Beratungsgespräche statt, bei denen sich die Mentoren untereinander austauschen können.

„Ich danke Frau Kron, dass sie den Mentoren so verbunden ist“, sprach Wortmann bei der Eröffnung des Mentoren-Clubs, während er ihr einen großen Blumenstrauß überreichte. Stephanie Kron ist seit dem 1. Juli 2014 neue Leiterin der städtischen Bücherei. „Ich finde die Mentoren-Idee großartig“, gab Kron zu. Sie sei begeistert davon, wie Kinder den Zugang zum Lesen bekommen. „Aber heute wird wenig zu Hause gelesen und manche Eltern kennen nicht den Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Bücherei“, gab die Bücherei-Leiterin zu bedenken. Kinder müssten da abgeholt werden, wo sie stehen. Durch „Tim und Struppi“ sei ihr Sohn zum Lesen gekommen. Nächstes Jahr mache er das Abitur und lese heute alles. Mentor Karl W. Hunsdiek berichtete von seinem Lesekind, mit dem er die „Lego-Star Wars“-Bücher las und den Film dazu sah: „Sie glauben ja gar nicht, wenn die Legofiguren mit ihren Laserschwertern rumhantieren: Das ist irre!“, strahlte er begeistert. Es gehe darum, dass das Kind Zeit für sich nutze und wisse, dass es beim Mentorenlesen im Mittelpunkt stehe.

Lesen bringt viel Ruhe

Wortmann ergänzte: „Wenn die Eltern zusammen mit ihrem Kind lesen anstatt fernzusehen, ist es eine andere Welt, eine neue Atmosphäre, das Kind kommt zur Ruhe. Und die Kinder treten selbstsicherer auf.“

Ein kostenloses „Lesestart-Set“, das von der Stiftung Lesen gesponsert wird, hält die Bücherei für Familien bereit. Es beinhaltet ein Bilderbuch in verschiedenen Sprachen wie türkisch oder polnisch, Tipps zum Vorlesen und Erzählen, verschiedene Broschüren und ein Poster.
Wer Mentor werden möchte, kann sich unter: www.mentor-gevelsberg.de informieren.