Eine Frau für alle Fälle

Gevelsberg. (je) Peggy Gergely sagt von sich selbst, dass sie Praktikerin ist. Eine Frau, die lieber die Dinge anpackt und handelt, anstatt sich in der Bürokratie zu verstecken. Und das ist vermutlich die wichtigste Eigenschaft, die sie für ihren neuen Job mitbringen muss. Denn in der Flüchtlingsberatung der Awo Ennepe-Ruhr ist sie sozusagen das menschliche Multifunktionswerkzeug für alle Angelegenheiten und alle Ansprechpartner.

Zuständig ist Gergely für den gesamten Süd-Kreis, also die Städte Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel. Hier dient sie sowohl Flüchtlingen direkt als Ansprechpartnerin, aber beispielsweise auch den städtischen Sozialarbeitern oder ehrenamtlich Helfenden. Sie übernimmt Aufgaben, die ihnen oft zu zeitintensiv sind. So hilft sie etwa bei der Anmietung von Wohnungen, der Anerkennung von Zeugnissen – oder gar Familienzusammenführungen. Und das ohne dabei an Stadtgrenzen oder Zuständigkeitsbereiche gebunden zu sein. Seit ihrem Tätigkeitsbeginn im August konnte die Diplom-Sozialarbeiterin bereits in etwa 30 Fällen hilfreich tätig sein. Und das, obwohl sie nur mit einer halben Stelle angestellt ist.

Finanzierung

Finanziert wird die Stelle derzeit mit 21.000 Euro vom Land NRW, die restlichen Kosten bringen die beteiligten Städte auf. Doch auch nach Auslaufen der Landesförderung soll die Stelle weiter bestehen. „Die Situation, in der wir uns befinden, erfordert Verlässlichkeit“, betont René Röspel, Vorsitzender des Awo-Unterbezirks Ennepe-Ruhr und heimischer SPD-Bundestagsabgeordneter. Awo-Geschäftsführer Jochen Winter pflichtet ihm bei: „Zum Glück kommen wir als gemeinnütziger Verein oft an Fördertöpfe, die für die Städte nicht erreichbar sind.“

Peggy Gergely versucht nun, sich auch direkt bei den Geflüchteten bekannt zu machen. „Es ist toll, dass es bei uns viele Anlaufpunkte gibt. Ich habe mich bereits in einigen Willkommenscafés vorgestellt, nun läuft es an. Die Menschen sind untereinander gut vernetzt.“ Sprachbarrieren sind dabei ein geringeres Problem, als man meinen sollte. Viele der Geflüchteten besuchen Deutschkurse, darüber hinaus sprechen einige auch Englisch – oder bringen Freunde mit zur Beratung, die eine der beiden Sprachen beherrschen.

In Arbeit bringen

Eines der Hauptanliegen von Gergerly ist es momentan, die Menschen in Arbeit zu bringen. Lobenswerterweise zeigen sich die Arbeitsagenturen im Kreis dabei sehr kooperativ. Was auch Jochen Winter erfreut: „Die beste Integration ist es, die Sprache zu lernen und Arbeit zu finden. Die Geflüchteten müssen in sinnvolle Beschäftigung gebracht werden, denn viele sind sehr gut ausgebildet. Sie wollen keine Bittsteller sein.“

Und die nächste schwierige Herausforderung steht auch schon bevor: Ab November werden sogenannte „unbegleitete Minderjährige“, also Kinder und Jugendliche, die ohne Familie in das fremde Deutschland geflohen sind, den einzelnen Kommunen zugewiesen und der Verantwortung der dortigen Jugendämter überstellt. Gut, dass Gergely zuvor bereits seit 2004 unter anderem in der Jugendarbeit tätig war.