EN-Kreis verlegt Aufnahme

Gevelsberg. (Red./je) Rund sechs Wochen war die zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete im Ennepe-Ruhr-Kreis in einem Gebäude des DRK in Sprockhövel untergebracht. Nun wurde sie in ein ehemaliges Autohaus in Gevelsberg verlegt, in dem die Stadt bereits seit kurzem ein „kommunales Drehkreuz“ sowie bald eine Notunterkunft betreibt.

„Aus einer von Anfang an als Übergang gedachten Lösung wird damit nun bis auf weiteres eine Dauereinrichtung. Ab sofort durchlaufen alle Flüchtlinge, die in die Notunterkünfte in Ennepetal und Sprockhövel einziehen, die vorab notwendigen Schritte und Formalitäten hier“, berichtete Landrat Olaf Schade bei seinem ersten Ortstermin in der Einrichtung. Sollte der Kreis von der Bezirksregierung aufgefordert werden, in Zusammenarbeit mit den Städten weitere Plätze in Notunterkünften zur Verfügung zu stellen, wäre – so der Plan – die Anlaufstelle am Sinnerhoop auch für diese zuständig.

Der Kreis setzt beim Betrieb der Einrichtung auf das in den letzten Wochen bewährte Konzept. „Nach einer telefonischen Information durch die Bezirksregierung, die uns das Eintreffen neuer Flüchtlinge ankündigt, alarmiert der Krisenstab das notwendige Personal. Parallel erhalten die Städte eine Nachricht und können an den Notunterkünften Vorbereitungen treffen“, skizziert Michael Schäfer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung.

Aufnahmebereit

Wie bereits in Sprockhövel wurde dem Hattinger Unternehmen „MedCare Professional“ auch für Gevelsberg die Einsatzleitung übertragen. Im Falle des Falles unterliegt es Marc Friedrich, die Arbeit von rund 25 Personen, darunter Ärzte des Fachbereiches Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung, Ärzte aus Krankenhäusern und Praxen, Verwaltungsmitarbeiter, Ehrenamtliche und Dolmetscher zu koordinieren. „Die Abläufe sind klar strukturiert und haben sich inzwischen bestens eingespielt. Für einen Bus mit 50 Flüchtlingen benötigen wir gut 90 Minuten“, berichtete Friedrich. Allerdings müssen die Mitarbeiter hin und wieder auch mit Situationen umgehen, in denen plötzlich und unangemeldet Busse voller Menschen in der Einrichtung eintreffen.

Entwarnung geben die Mitarbeiter, was den Gesundheitszustand der allermeisten Flüchtlinge angeht. Sorgen der Bevölkerung seien in dieser Hinsicht unbegründet. „Von den bisher untersuchten gut 430 Menschen war nur eine sehr kleine Anzahl schwerer erkrankt. Krankheiten, die der einheimischen Bevölkerung gefährlich werden könnten, hatte niemand“, beruhigt Friedrich. Die Erkrankungen seien stets Folgen oft unter schwierigsten Bedingungen zurückgelegten Flucht nach Deutschland.

Zusammenarbeit

Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi lobte die effektive Zusammenarbeit zwischen dem Kreis und den Städten sowie hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften. Alle stellten sich gemeinsam und sehr pragmatisch der Herausforderung, den Flüchtlingen in ihren ersten Tagen in Deutschland ein Dach über dem Kopf zu bieten. „Für die gelungene Kooperation ist diese Immobilie der beste Beweis. Wir als Stadt haben sie gemietet, nutzen Flächen für die Flüchtlingsaufgaben, die uns gestellt werden. Einen Teil haben wir an den Kreis weitervermietet, der dort nun die zentrale Anlaufstelle eingerichtet.“

Für Schade muss sich die Zusammenarbeit aber über das Unterbringen der Flüchtlinge hinaus in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren fortsetzen. „Es gilt, sich sehr zeitnah Gedanken darüber zu machen, wie es uns gemeinsam gelingen kann, die Flüchtlinge zu integrieren, ihnen Perspektiven zu geben und sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Auch hier muss Hand in Hand gearbeitet werden. Wir als Kreis wollen dazu unseren Beitrag leisten.“

Notunterkünfte

Aktuell gibt es im Ennepe-Ruhr-Kreis vier Notunterkünfte. Sie befinden sich in Sporthallen in Ennepetal (150 Plätze) und Sprockhövel (150 Plätze) sowie Hattingen (200 Plätze) und Witten (200 Plätze). Eingerichtet wurden sie nach entsprechenden Aufforderungen der Bezirksregierung Arnsberg an die Städte Hattingen und Witten sowie den Ennepe-Ruhr-Kreis. Hintergrund sind die nach wie vor hohen Flüchtlingszahlen und fehlende Plätze in Landeseinrichtungen. Die Notunterkünfte gelten als Einrichtungen des Landes, die Kommunen bekommen die entstehemden Ausgaben in voller Höhe erstattet.

Für die Flüchtlinge ist der Aufenthalt in den Notunterkünften die erste Station in Deutschland. Sie bleiben dort in der Regel für wenige Wochen und werden nach Anlaufen ihres Asylverfahrens in andere Einrichtungen verteilt.