Energetische Haussanierung: kein Tummelfeld für Amateure

Kommt mit seiner Thermografie-Kamera Energieschlupflöchern auf die Spur: Dr. Ing. Jörg Albert (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg/EN-Kreis. (zico) Wärmedämmung und energetische Gebäudesanierung ist ein Arbeitsfeld, das sich nicht für Heimwerker oder Feld-, Wald- und Wiesenhandwerker eignet. Auf diesen gemeinsamen Nenner kamen immer wieder die Experten, die am Dienstag am Aktionstelefon von AVU und wochenkurier alle Fragen rund um das Thema Thermografie, Dämmung und Energieeffizienz beantworteten. Denn mit unprofessionell ausgeführten Arbeiten verfehlt man nicht nur den gewünschten Nutzen, sondern richtet unter Umständen erheblichen Schaden an!

Hintergrund für die Aktion in bitterkalter Jahreszeit ist das aktuelle, besonders kostengünstige AVU-Angebot an Hauseigentümer, mit einem Wärmebild die Energieschlupflöcher des Gebäudes ausfindig zu machen. Auf Grundlage dieses Thermografiebildes können dann geeignete Maßnahmen ergriffen werden, mit denen sich die Energiekosten dauerhaft senken lassen.

Am Aktionstelefon eingefunden hatten sich mit dem Thermografie-Experten Dr. Jörg Albert, AVU-Energieberater Lutz Algermissen, dem Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Dirk Ständeke sowie dem Obermeister der Bau-Innung Udo Vaupel die denkbar qualifiziertesten Fachleute, die alle Fragen zum Thema energieeffiziente Gebäudesanierung nach den neuesten Erkenntnissen beantworteten. Nachfolgend haben wir die wichtigsten Diskussionsbereiche zusammen gefasst.

Wie plane ich eine energieeffiziente Sanierung?

„Grundsätzlich gilt: Gewerke übergreifend planen!“ warnt Dr. Jörg Albert vor blindem Aktionismus: „Was nützt es jemandem, wenn er zum Beispiel in eine Heizungsanlage mit hydraulischem Abgleich investiert, die jedem Heizkörper die sinnvolle Menge an Energie zuführt, wenn die Heizenergie dann gleich wieder durch schlecht isolierte Fenster entweicht.“ Am Beginn einer energieeffizienten Gebäudesanierung steht daher vernünftigerweise das Thermografiebild, das die Schwachstellen des Hauses ausfindig machen hilft. „Jedes Haus ist anders, daher ist gute Beratung sehr wichtig“, sagt der Thermografieexperte. Dabei hilft er mit der Auswertung der Thermografiebilder ebenso wie die AVU oder qualifizierte Energieberater, zum Beispiel Sachverständige, Bauingenieure und Architekten. Eine Grundregel zur sinnvollen energetischen Sanierung besagt, dass Maßnahmen zur Dämmung dem Heizungsbau voran gehen.

Hat Wärmedämmung auch Nachteile?

„Mit einer professionell ausgeführten Wärmedämmung kann ich meinem Haus nichts Schlechtes tun“, stellt Udo Vaupel klar und tritt damit entschieden Meldungen entgegen, wonach es zum Beispiel im Bereich des Brandschutzes zu Problemen kommen kann: „Es gibt ja längst Materialien zur Wärmedämmung, die absolut unbrennbar sind. Qualifizierte Handwerker wissen zudem, wann zum Beispiel eine Stockwerkabtrennung erforderlich ist, wie gearbeitet werden muss, damit kein Kondenswasser im Dämmbereich entsteht und wie andere Details im Zuge einer energieeffizienten Gebäudesanierung ausgeführt werden müssen.“

Blieben den Anrufern am Aktionstelefon von AVU und wochenkurier zum Thema Thermografie keine Antwort schuldig: (von links) Thermografie-Experte Dr. Jörg Albert, AVU-Vertriebsleiter Kai Sieverding, Bau-Innungsobermeister Udo Vaupel, Maler- und Lackierer-Innungsobermeister Dirk Ständeke und AVU-Energieberater Lutz Algermissen. (Foto: Frank Schmidt)

Wie vermeidet man Schimmel und Fäulnisbildung?

„In aller Regel gilt: Die Wärmedämmung gehört nach außen“, so Udo Vaupel, und Dr. Jörg Albert ergänzt: „Immer von der kalten Seite aus dämmen.“ So vermeidet man, dass sich im Zuge der Dampfdiffusion Kondenswasser zum Beispiel im Dachstuhl absetzt und die Balken dort von Fäulnis zerfressen werden. Auch Schimmelbildung, oft zum Beispiel bei der unprofessionellen Dämmung von Heizungsnischen im Innenbereich zwischen Dämmmaterial und Mauerwerk zu beobachten, wird so verhindert. „Schon der Gesundheitsschutz gebietet es, dass für diese Arbeit qualifizierte Meisterbetriebe tätig werden, denn Laien unterliegen einer extrem hohen Baufehlerquote. Also nicht in den Baumarkt gehen und selbst drauf los sanieren. Ohne Expertenwissen geht es nicht!

Wie schütze ich mich vor „schwarzen Schafen“?

„Vorsicht vor Billigangeboten und unbekannten Anbietern, die mitunter auch noch mit Handynummer verlockend günstig zu arbeiten versprechen“, warnt Dirk Ständeke: „Besser ist es, man greift auf ortsansässige, bekannte Handwerks-Meisterbetriebe hin.“ Der Hinweis auf den Meisterbrief bei „fahrenden Handwerkern“ hilft hingegen gar nicht, wenn sich der Meisterbrief nicht auf das auszuführende Gewerk bezieht oder der Meister selbst gar nicht auf der Baustelle erscheint. „Handwerker aus dem räumlichen Umfeld hingegen haben einen guten Ruf und damit ihre Existenzgrundlage zu verlieren“, so Fassadenbauer Ständeke, der aus leidiger Erfahrung weiß, wie schwierig und kostspielig eine neuerliche Sanierung ist, wenn erst einmal Pfusch gemacht wurde: „Wer ganz sicher gehen will, der holt Referenzen ein und fragt nach Kunden, bei denen der Handwerker bereits tätig war.“ Die Urheber von unqualifiziert ausgeführten Arbeiten sind zudem nur schwer in Regress zu nehmen, denn oft treten die Folgeschäden erst nach Jahren auf. Oftmals existieren die verantwortlichen Firmen dann gar nicht mehr, und der Grund für die Folgeschäden ist nicht selten nur schwer nachweisbar.

Im Übrigen sollte sich eine energetische Sanierung auch lohnen. „Verantwortungsvoll handelnde Betriebe empfehlen nur Maßnahmen, die sich nach spätestens zehn Jahren auch amortisiert haben und dann in die Gewinnphase eintreten“, so Udo Vaupel.

Gibt es Zuschüsse für energetische Sanierungen?

„Ja, Förderprogramme gibt es in Hülle und Fülle – allein in Deutschland rund 5.000 verschiedene“, weiß AVU-Energieberater Lutz Algermissen: „Welche im Einzelfall in Frage kommen, findet man auf der Seite www.energiewelt.de. Fördermöglichkeiten bestehen auch bei der AVU – Interessenten beraten wir in dieser Hinsicht gern.“ Und Dr. Jörg Albert verweist auf umfangreiche Förderungsmaßnahmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): „Sogar die sachkundige Begleitung durch Sachverständige, Bauingenieure und Architekten kann mit bis zu 2.000 Euro je Bauvorhaben unterstützt werden.“ Die Zeiten, als das Geld nach dem Gießkannenprinzip für energetische Sanierungen floß, sind allerdings vorbei. Heute muss man nachweisen, dass die Maßnahmen auch sinnvoll und qualifiziert ungesetzt werden.

Weitere Fragen zu Thermografie, Wärmedämmung und
energetischer Sanierung beantwortet die AVU:

Telefon 0 23 32 / 7 31 23