Energie-Werkstatt bei der AVU

Rund 50 Gäste aus den Betrieben des Ennepe-Ruhr-Kreises nahmen an der „3. Energie-Werkstatt Produktionswirtschaft“ vor wenigen Tagen bei der AVU in Gevelsberg teil. (Foto: Frank Schmidt)

EN-Kreis. (zico) „Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose“ – noch vor einigen Jahren ging man vor allem in Privathaushalten, aber auch in Betrieben, eher sorglos mit dem Thema Energie um. Eine Einstellung, die sich gründlich gewandelt hat, wie Thorsten Coß und die Experten vom Versorgungsdienstleister AVU festgestellt haben. Der effiziente Einsatz von Energie bringt Unternehmen nicht nur eine spürbare Senkung der Betriebskosten, sondern auch Image-Gewinn in der Öffentlichkeit und rechtliche sicherheit im Zuge immer strenger werdender Umweltbestimmungen.

Dr. Dirk Drenk von der EN-Agentur und Max Heumann von den Deutschen Edelstahlwerken Witten verdeutlichten, welche Einsparpotentiale im Rahmen des Energieeinsatzes eines Unternehmens ausgeschöpft werden können. (Foto: Frank Schmidt)

Rund 50 Gäste aus den Betrieben des Ennepe-Ruhr-Kreises waren deshalb der Einladung zur „3. Energie-Werkstatt Produktionswirtschaft“ vor wenigen Tagen bei der AVU in Gevelsberg gefolgt. Für die Energiewende in der Region spielen die Betriebe eine wichtige Rolle. Schließlich verbrauchen sie erhebliche Mengen Strom, Erdgas und Wasser. In der „Werkstatt“ erfahren die Unternehmen regelmäßig, welche Einsparpotenziale es gibt, und vor allem: Sie können sich untereinander austauschen. Denn oft entstehen gerade in Gesprächen gute Ideen für neue Projekte.

Nach dem Startschuss im Mai 2011 hat sich das heimische Pionier-Projekt „Energie-Effizienz Region EN“ (EER) zügig weiterentwickelt. So war es bereits das dritte Treffen von Unternehmen aus dem Kreisgebiet, in dessen Rahmen über Effizienzgewinne bei Energie, Wasser und Rohstoffen gesprochen wurde. An zahlreichen Beispielen wurde deutlich: Die Betriebe können eine Menge sparen, und sie bekommen dafür kompetente Unterstützung – konkret von der AVU, den Stadtwerken Witten und der EN-Agentur – jenen Partnern also, die die „EER“ ins Leben gerufen haben.

Drei sehr verschiedene Berichte über erfolgreiche Effizienzsteigerungen machten den Zuhörern deutlich, dass es sehr viele Ansatzpunkte zur Optimierung gibt, und diese lassen sich auch in kleineren Unternehmen finden. Außerdem ist nicht immer eine umfangreiche Investition zur Umsetzung von Einsparpotentialen nötig. Manchmal genügt schon eine einfache Verhaltensänderung der Mitarbeiter, um effizientere Arbeitsprozesse auf den Weg zu bringen.

„Wenn die Beschäftigten informiert sind und auf dem Weg zu besserer Energieeffizienz mitgenommen werden, lassen sich die Dinge viel leichter umsetzen“, sagte Max Heumann von den Deutschen Edelstahlwerken Witten. So habe man in Vorträgen, auf Belegschaftsversammlungen und in der Mitarbeiterzeitung umfangreich über die „Initiative Energieffizienz“ des Stahlbetriebs informiert. Es wurden sogar Strommessgeräte ausgegeben, um die 4.000 Mitarbeiter auch in ihrem privaten Umfeld für das Thema Energiesparen zu sensibilisieren. Mit der „Initiative“ verbessern die Werke seit 2007 ihren Energiebedarf, der bei der Herstellung von Edelstahl-Langprodukten recht hoch ist. Im Rahmen von rund 50 Projekten wurde innerhalb von drei Jahren der Gesamtenergieverbrauch um zwei Prozent gesenkt – das sind bei den Deutschen Edelstahlwerken stolze 45.000 Megawattstunden pro Jahr.

Zuvor hatte Ralf Waltmann von der VPF-Veredelungsgesellschaft in Sprockhövel referiert. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Beschichtungstechnik, mit der vor allem Klebe-Etiketten hergestellt werden. Dabei geht es ganz besonders um den richtigen Rohstoffeinsatz. „Ein Prozent weniger Ausschuss bedeuten bei uns 100.000 Euro Einsparung. Zusammen mit der Effizienz-Agentur NRW und Dr. Dirk Drenk von der EN-Agentur haben wir ein entsprechendes Projekt aufgesetzt“, berichtete Waltmann und betonte: „Als kleiner Mittelständler haben wir nicht die Management-Kapazität, solche Projekte allein zu stemmen. Da ist es sinnvoll, kluge Köpfe von außen zu holen.“

Kompetenter externer Beratung bediente sich auch die Lackiererei Frischkorn aus Ennepetal. Bereits 2005 nahm das Unternehmen an dem vom Land NRW geförderten Projekt „Ökoprofit“ teil. Daraus erwuchsen in den folgenden Jahren weitere Einsparmaßnahmen, unter anderem eine Regenwasser-Nutzungsanlage, modernisierte Lackierkabinen und in diesem Jahr ein Blockheizkraftwerk für die Energie-Eigenerzeugung.

Solche Effekte von „Ökoprofit“ wünschen sich die Verantwortlichen der EER um Dr. Dirk Drenk von der EN-Agentur, Philipp Mihaijlovic von der Unternehmensberatungs-Gesellschaft Baum Consult und AVU-Energieexperte Thorsten Coß auch für die Teilnehmer des für das nächste Jahr erneut aufgelegte Kooperationsprojekt, das übrigens von der AVU und den Stadtwerken Witten auch finanziell unterstützt wird.