Ennepetaler lässt die „Titanic“ erneut untergehen

Der Untergang der Titanic, der sich am kommenden Samstag zum 100. Mal jährt, bildet den Rahmen für Michael Binioks Roman „Die Haut der Anderen“. (Bildquelle: Robert Legato/Digital Domain)

Ennepetal. (zico) Zum 100. Mal jährt sich am kommenden Samstag das berühmteste Schiffsunglück in der Geschichte der Seefahrt: In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 sank die RMS Titanic, das seinerzeit größte Schiff der Welt, auf ihrer Jungfernfahrt nach einer Kollision mit einem Eisberg etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland im Nordatlantik. Obwohl für die Evakuierung mehr als zwei Stunden Zeit zur Verfügung standen, starben zwischen 1490 und 1517 der über 2200 an Bord befindlichen Personen wegen der zu geringen Zahl an Rettungsbooten. Die Katastrophe war seither Inspirationsquelle für zahlreiche Autoren und Filmemacher – so auch für den seit 2006 in Ennepetal lebenden Michael Lange, gebürtig Michael Biniok.

Der heute 43-Jährige hat sein Werk „Die Haut der Anderen“ bereits 1998 verfasst und 2002 im Verlag „Books on Demand“ veröffentlicht. Der Roman vereint reale und erfundene Passagiere des Schiffs – einen Journalisten, der zu einer Friedenskonferenz nach New York reist; einen alkoholkranken Jesuiten, der immer wieder neu zu Gott findet und Gott zu ihm; einen französischen Weinhändler, der gegen jede Vernunft der Liebe seines Lebens nachreist; einen jungen Ingenieur, der gegen eine für ihn unmögliche Liebe ankämpft. Sie alle stehen in enger Verbindung zu der jungen Anglo-Deutschen Freya, die von einem düsteren Geheimnis gequält wird. Sie alle sind Reisende auf dem Luxusliner Titanic, der seinem Untergang entgegen steuert.

„Die Geschichte der Titanic hat mich schon als Kind fasziniert und bewegt mich bis heute. Ich habe schon als Junge mit meinem Vater Filme über die Titanic gesehen, und es ist kein Zufall, dass ich den Roman im Jahr seines Todes geschrieben habe“, so Autor Michael Lange, dessen Autorenname Biniok sein Geburtsname ist. Lange hat bei seiner Heirat den Namen seiner Frau angenommen.

Michael Lange (geb. Biniok) hat den spannenden Roman „Die Haut der Anderen“ verfasst, der auf dem Schauplatz der Titanic existenzielle Fragen des Lebens berührt und meisterhaft geschrieben ist. (Foto: Frank Schmidt)

In die Romanhandlung eingebettet ist die Behandlung wichtiger philosophischer Fragen, die an den Leser heran getragen werden. So zum Beispiel die Überheblichkeit und Vermessenheit des Kapitäns, der allen Ernstes behauptet hat, nicht einmal Gott könne dieses Schiff versenken. „Diese Vermessenheit spielt auch heute eine wichtige Rolle, denn die Menschen spielen nach wie vor mit Gewalten, die sie nicht beherrschen können – man denke nur an die Nuklearkatastrophe von Fukushima“, so Lange, der heute als Englisch- und Religionslehrer am Berufskolleg Lüdenscheid arbeitet, zuvor auch als Pfarrer tätig war und vor seinem Theologiestudium Geschichte, englische und amerikanische Literatur studierte.

Neben der Aufarbeitung der menschlichen Hybris (Überheblichkeit) geht es um weitere Facetten des menschlichen Daseins, die durchaus auch in religiöse Fragen hinein spielen. „Das Beispiel der Titanic zeigt uns, dass man seine Zeit sinnvoll nutzen sollte, denn man hat eine Verantwortung für das geschenkte Leben“, sagt Michael Lange, der seine Charaktere sehr vielschichtig gezeichnet und – naheliegenderweise – auf ein Happy end verzichtet hat. Eine große Affinität hat der Autor auch zum Film, denn nicht nur sein Vater war ein großer Filmenthusiast. Auch der gebürtige Duisburger selbst ist vom Kino begeistert, war während seiner Studienzeit Mitglied im Studienkreis Film, betätigte sich dabei auch als Filmvorführer und schrieb für die Zeitschrift „Der Schnitt“. Und immer wieder taucht bei seinen Erinnerungen die Titanic auf.

„Das Thema hat mich gewählt“, sagt der Vater einer gerade ein halbes Jahr alten Tochter namens Carla Helene denn auch, und man merkt jeder Zeile an, mit welcher Sorgfalt und Leidenschaft sich Michael Lange seinem Roman gewidmet hat. Dennoch ist er nicht überfrachtet, sondern flüssig und spannend geschrieben ist und den Leser immer wieder mit der Frage konfrontiert, was er mit seinem Leben anfangen möchte. „’Kein Mensch ist so reich, dass er seine verlorene Zeit zurückkaufen könnte’, so lautet ein Zitat von Oscar Wilde, mit dessen Botschaft sich die Leser dieses Romans auseinander setzen sollen; daneben geht es um die großen Themen Liebe und Tod“, beschreibt Michael Lange den Rahmen für die Handlung des 191 Seiten starken Buches.

Themen, die die Zeiten überdauern und auch in vielen weiteren 100 Jahren noch Theologen und Philosophen beschäftigen werden. Michael Lange hat sie in „Die Haut der Anderen“ überdies zu tragenden Säulen eines mitreißenden Buches gemacht.