Euro im Weltwirtschafts-Kontext

Gevelsberg. (Sche) „Die Euro-Einführung vor zehn Jahren litt unter einem zentralen Konstruktionsfehler“, provozierte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank: „Die Vorgaben der Politik gingen vor wirtschaftlichem Sachverstand.“ Er bezog sich in seinem Vortrag mit dem Titel „Die spinnen, die Europäer – Scheitert Europa am Euro?“, gehalten vor wenigen Tagen im Ennepe Finanz Center der Sparkasse Gevelsberg, damit auf das Geschenk niedriger Zinsen an die finanziell schwachen Länder im Euroraum, die mit dem Geldsegen ihren Konsum ankurbelten statt in ihre wertschaffenden Industrien zu investieren.

Finanzforscher Dr. Ulrich Kater, unter anderem auch Sachverständiger der „fünf Weisen“, referierte vor großem Publikum über den Euro und die Weltwirtschaft. (Foto: Sparkasse Gevelsberg)

„Das kann auf die Dauer nicht gut gehen“, referierte der Experte: „Wenn die Blase platzt, haben wir das jetzt am Beispiel Griechenlands besonders deutliche Problem.“ Der Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema Geldpolitik zog besonders drastisch den Vergleich zur gigantischen Geldentwertung, die in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts viele Deutsche in die Armut getrieben und so ideologisch den Boden für die Braune Diktatur mitbereitet hatte.

„Wenn man Verschuldung mit Geld drucken beheben will, erreicht man damit nur sehr kurzfristige Erfolge“, so die Expertise des Dozenten an den Universitäten Witten-Herdecke und Friedrichshafen: „Dann bleibt einem nur übrig, die Währung morgens schnell auszugeben, weil man abends dafür schon nichts mehr bekommt.“

Dieses Schicksal möchte der Finanzforscher, der auch schon im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, kurz die „fünf Weisen“ genannt, mitarbeitete, den Euro-Anlegern ersparen. Dabei warnte er in seinen von rund 185 Gästen mit Spannung verfolgten Ausführungen vor einer Verschuldensquote der Euro-Staaten von mehr als 80 Prozent. „Ab da werden die Finanzmärke misstrauisch“, zieht der Wissenschaftler die Rote Linie: „Volkswirtschaften wie die USA können sich sogar eine Verschuldensquote von 130 bis 140 Prozent erlauben; wir haben es hier aber mit dem US-Dollar als Weltleitwährung zu tun.“ Die angelsächsischen Staaten hatten genau aus diesen Gründen sehr misstrauisch und auch ein wenig neidisch auf die Anfangserfolge des Euro kurz nach seiner Einführung geschaut, als gerade der US-Dollar gegenüber der neuen europäischen Gemeinschaftswährung stark an Boden und Wert verlor.

Danach traten die Defizite der Staaten in Südeuropa und Irlands immer deutlicher hervor und erschwerten ein effizientes Wirtschaften im Gesamteuroraum, denn die reichen Nordstaaten mussten dem Süden immer mehr Geld zuschießen. „So ein Finanzausgleich ist eigentlich nichts Besonderes“, beruhigte Dr. Ulrich Kater: „So etwas gibt es zwischen den Bundesstaaten der USA genauso wie zwischen den deutschen Bundesländern.“ Schwierig werde die Lage nach Einschätzung des Volkswirts dann, wenn kein Rückfluss in Form von industrieller Wertschöpfung oder vermehrtem Konsum in den Empfängerländern erfolge. Dann gebe es das berühmte „Fass ohne Boden“, das zum Beispiel in Griechenland zum Staatsbankrott geführt habe. Zur Frage, ob man solche Länder aus der Euro-Zone entlassen solle, meinte der Fachmann, dass eine Rückkehr zu den ehemaligen Währungen der EU-Mitglieder so sei, als wolle man aus einem gebackenen Kuchen das Mehl und die Eier zurückgewinnen. „Auf die Dauer geht es nur gemeinsam“, so Dr. Ulrich Katers Einschätzung: „Irgendwann brauchen wir aber einmal das Europäische Finanzministerium.“

Auf eine Frage aus dem Publikum gab der Ökonom zu, dass die in der Rettungsstrategie der EU beabsichtigte interne Sanierung der von der Krise betroffenen Staatshaushalte am Widerstand der dortigen Bevölkerung scheitern könnte. „Und auch hier entscheiden Sie die Zukunft des Euro und damit Europas an der Wahlurne“, gab der Gastredner dem zum Schluss des Vortrags begeistert applaudierendem Publikum mit auf den Heimweg.