Experten zum Thema COPD

EN-Kreis. (Red.) Bei einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung – kurz COPD – ist die Lunge so stark geschädigt, dass sie nicht wieder regeneriert. Deshalb verfolgt die Therapie der COPD vor allem zwei Ziele: das weitere Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und akute Verschlechterungen, zum Beispiel durch eine Infektion, möglichst zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielen dabei Medikamente zum Inhalieren. Doch mit deren Anwendung haben viele Patienten Schwierigkeiten. Mehrere internationale Studien zeigen, dass zwischen 50 und 80 Prozent der Patienten Fehler bei der Anwendung von Inhalatoren machen. Welche Fehler typisch sind, wie man sie vermeidet und wie eine COPD noch behandelt wird, dazu informierten Lungenfachärzte am Wochenkurier-Lesertelefon:

Die richtige Inhalation ist das A und O für eine wirksame COPD-Behandlung. Dazu hatten die Wochenkurier-Leser viele Fragen. Die Experten am Telefon erklärten, wie’s geht und was sonst noch zu beachten ist. (Foto: psdesign1 / Fotolia.com, Quelle: pr.nrw)
Die richtige Inhalation ist das A und O für eine wirksame COPD-Behandlung. Dazu hatten die Wochenkurier-Leser viele Fragen. Die Experten am Telefon erklärten, wie’s geht und was sonst noch zu beachten ist. (Foto: psdesign1 / Fotolia.com, Quelle: pr.nrw)

Worin besteht der Unterschied zwischen den verschiedenen Inhalationsgeräten?

Dr. med. Hans-Christian Blum: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen atemzuggesteuerten und nicht-atemzuggesteuerten Inhalationsgeräten. Pulverinhalatoren sind immer atemzuggesteuert – das Medikament wird durch die Einatmung freigegeben. Die meisten Dosieraerosole sind nicht durch den Atemzug gesteuert und erfordern die Koordination von Sprühstoß und Einatmung. Bei Pulverinhalatoren erfolgt die Einatmung eher langsam und tief, bei Aerosolen eher schnell.

Eignet sich jeder Gerätetyp für jeden Patienten gleichermaßen?

Dr. med. Hans F.E. Klose: Dosieraerosole stellen gewisse Anforderungen an die Koordination und Motorik, denn Sprühstoß und Atmung müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Pulverinhalatoren setzen eine gewisse Atemzugstärke voraus, damit der Wirkstoff tief in die Lunge eingeatmet werden kann. Der Inhalator muss zum Patienten passen – nicht umgekehrt. Das individuell am besten geeignete Inhalationsgerät können Sie im direkten Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt auswählen.

Muss ich mit der Einatmung schon beginnen, bevor ich den Sprühstoß auslöse?

Dr. med. Christine Trainer: Die korrekte Reihenfolge lautet „Erst drücken – dann sofort einatmen“. Wenn Sie schon vorher mit dem Einatmen beginnen, schaffen Sie es nicht, genug Wirkstoff tief in die Lunge zu transportieren.

Wie lange soll ich die Luft anhalten, wenn ich das Medikament eingeatmet habe?

Dr. med. Juliane Kronsbein: Damit sie helfen, müssen die Medikamente ihre Wirkung in den Bronchien und kleinen Atembläschen bestmöglich entfalten können. Dazu müssen Sie nach dem tiefen Einatmen die Luft kurz anhalten. Fünf Sekunden sind das Minimum, besser sind zehn Sekunden – wenn Sie es schaffen.

Und worauf muss ich beim Ausatmen achten?

Dr. Kronsbein: Vor allem darauf, dass Sie nicht zu schnell und stoßartig ausatmen. Das können Sie verhindern, indem Sie durch die zusammengepressten Lippen ausatmen – die so genannte Lippenbremse.

Hilft ein so genannter Spacer, besser zu inhalieren?

Dr. Klose: Das tut er, denn er erfordert weniger Koordination und lässt mehr Zeit, das Medikament tief zu inhalieren. Der Nachteil ist die Größe des Spacers: Das Inhalationsgerät wird dadurch weniger handlich.

Muss ich den Inhalator schütteln, bevor ich ihn benutze?

Priv.-Doz. Dr. med. Karsten Schulze: Wenn Sie ein Dosieraerosol verwenden, schütteln Sie es kräftig, bevor Sie es anwenden. Pulverinhalatoren müssen nicht geschüttelt werden.

Soll ich den Inhalator im Stehen benutzen?

Dr. Trainer: Der Oberkörper soll aufrecht sein, damit das Zwerchfell die tiefe Einatmung unterstützen kann. Sie können also auch aufrecht sitzend inhalieren, aber nicht liegend.

Wie oft muss ich das Mundstück des Inhalators reinigen?

Dr. Trainer: Bei einem Dosieraerosol können Sie den Wirkstoffbehälter herausziehen und das Mundstück unter fließendem Wasser reinigen. Bei Pulverinhalatoren sollten Sie das auf keinen Fall tun! Diese Geräte sollten sie nur mit einem leicht feuchten Tuch außen abwischen.

Kann ich mir aussuchen, ob ich mein Medikament als Dosieraerosol oder als Pulverinhalator bekomme?

Dr. Schulze: Es kommt auf das Medikament an. In einigen Fällen ist es möglich, das gleiche Medikament in beiden Formen zu bekommen. In den meisten übrigen Fällen ist zumindest ein Medikament der gleichen Wirkstoffklasse in beiden Formen verfügbar.

Wer erklärt mir die richtige Inhalationstechnik ausführlich?

Dr. Klose: In den meisten Facharztpraxen erklären speziell ausgebildete Mitarbeiter die Handhabung der Geräte in einer Patientenschulung. Alternativ erklärt die Website der Atemwegsliga unter www.atemwegsliga.de, wie die heute erhältlichen Geräte korrekt angewendet werden.

Meine Lungenfunktion ist stark eingeschränkt. Kommt ein Pulverinhalator für mich da überhaupt infrage?

Dr. Blum: Nur bei einem sehr kleinen Teil der Patienten mit sehr stark eingeschränkter Lungenfunktion reicht der Atemzug nicht aus, um das Medikament in die Lunge zu bringen. Ob ein Pulverinhalator für Sie infrage kommt, stellt Ihr Arzt durch eine Untersuchung fest.

Ich merke bei meinem Pulverinhalator gar nicht, ob ich das Medikament tatsächlich eingeatmet habe

Dr. Blum: Fast alle Pulverinhalatoren setzen mittlerweile Laktose als Trägersubstanz ein. Dadurch schmeckt man, wenn man inhaliert hat. In wenigen Fällen wird die Laktose als reizend empfunden.

Woran merke ich, ob noch ausreichend Wirkstoff im Inhalator vorhanden ist?

Dr. Trainer: Die meisten Inhalatoren – auch einige Dosieraerosole – haben heute ein Zählwerk, das Ihnen anzeigt, wie viele Anwendungen noch möglich sind. Ist kein Zählwerk vorhanden, gibt Ihnen nur das Gewicht des Inhalators einen ungefähren Hinweis auf den Füllstand.

Was kann bei einer COPD eine akute Verschlechterung auslösen?

Dr. Kronsbein: Bei einer COPD ist das Bronchialsystem ohnehin vorgeschädigt. So arbeitet die Selbstreinigung der Lunge beispielsweise nur eingeschränkt, weil die feinen Flimmerhärchen ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Ein zusätzlicher Infekt der Atemwege, zum Beispiel durch eine Erkältung oder Grippe, kann dann zu einer gravierenden weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion führen. Eine solche so genannte Exazerbation kann eine Intensivierung der Therapie erfordern, beispielsweise durch die Gabe von Cortison oder Antibiotika. Wenn sich Ihr Zustand verschlechtert, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Lungenfacharzt aufsuchen, der feststellt, ob eine Exazerbation vorliegt und die Therapie anzupassen ist.

Soll ich mich als COPD-Patient gegen Grippe impfen lassen?

Dr. Blum: Unbedingt! Gerade COPD-Patienten sollten sich gegen Grippe impfen lassen. Zusätzlich empfehlen wir die Impfung gegen Pneumokokken. Die Grippeimpfung muss jedes Jahr erneuert werden, die Pneumokokken-Impfung ist dank eines neuen Impfstoffs eine Einmal-Impfung. Keine andere Maßnahme hat einen so großen Nutzen im Vergleich zu den Risiken wie die Impfung.

Schadet mir die kalte Luft im Winter?

Dr. Kronsbein: Grundsätzlich sind frische Luft und Bewegung draußen gut und wichtig. Bei sehr kalter Witterung können die Atemwege jedoch zusätzlich gereizt werden und die Beschwerden zunehmen. Ein Tipp: Atmen Sie besser durch die Nase ein und nicht durch den Mund. Und nutzen Sie einen Schal vor Mund und Nase, um die Atemluft vorzuwärmen.

Welche Therapieangebote kann ich bei einer COPD noch nutzen?

Dr. Klose: Wichtiges Therapieziel ist die Vermeidung von Schadstoffen – also ein sofortiger Rauchstopp und die Meidung von Stäuben. Außerdem profitieren Patienten von einer speziellen Atemphysiotherapie und von Maßnahmen, die ihre körperliche Belastungsfähigkeit verbessern. In besonders schweren Fällen und bei nachgewiesenem Sauerstoffmangel kann eine Langzeit-Sauerstofftherapie erforderlich werden. Bei einer Erschöpfung der Atemmuskulatur kann eine Beatmungstherapie helfen, die Sie zu Hause durchführen. Bei einer Überblähung der Lunge kann zudem eine Verkleinerung des Lungenvolumens durch einen kleinen operativen Eingriff erwogen werden – zum Beispiel durch Einbringen von Coils oder Ventilen.

Welche Art von Bewegung und Sport eignet sich für COPD-Patienten?

Dr. Schulze: Grundsätzlich jede Art von Sport, die Sie nicht aus der Puste bringt, sie erschöpft oder quält. Geeignet sind vor allem Spazieren oder Nordic Walking, weil sie wenig Vorbereitung erfordern. Ein auf die Bedürfnisse des COPD-Patienten abgestimmtes Bewegungsangebot finden Sie in speziellen Lungensportgruppen. Eine Adresse in Ihrer Nähe sollten Sie bei Ihrem behandelnden Art erhalten.

Kann eine Reha den Krankheitsverlauf bremsen?

Dr. Schulze: Ja, denn die Reha zielt zum einen auf die Stärkung der Atemmuskulatur ab. Obwohl die Krankheit fortschreitet, wird so das Empfinden der Luftnot vermindert und die Krankheit besser toleriert. Zum anderen stärkt die Reha das Immunsystem und behandelt Begleiterkrankungen und Risikofaktoren mit, die den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Es macht also auf jeden Fall Sinn, wenn Sie sich bei Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse nach der Möglichkeit einer ambulanten oder stationären Reha erkundigen.

COPD – Informationen im Netz

Lungeninformationsdienst

Mit ihrem Lungeninformationsdienst richten sich das Helmholtz Zentrum München und das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) an Patienten, Angehörige und die interessierte Öffentlichkeit. Das breite Angebot umfasst aktuelle, wissenschaftlich geprüfte Information aus allen Bereichen der Lungenforschung und Medizin in verständlich aufbereiteter Form – auch zum Schwerpunkt COPD. Die Website listet zudem wichtige Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen zu allen Lungenerkrankungen auf (www.lungeninformationsdienst.de).

Deutsche Atemwegsliga

Die Deutsche Atemwegsliga in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie wendet sich mit ihrem Internetangebot an Patienten, die mehr über ihre Atemwegserkrankung erfahren möchten. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Thema „Richtig inhalieren“.  Praktische Hilfe bieten Videos zur korrekten Anwendung aller gängigen Inhalationssysteme (www.atemwegsliga.de).

Mission Atemwege

Das Ziel, den Umgang mit einer chronischen Lungenerkrankung zu verbessern – und damit die Lebensqualität der Betroffenen – setzt sich auch das Informationsportal des Pharmaunternehmens TEVA. Unter dem Stichwort COPD findet sich unter anderem auch ein Link zur aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinie. Ein eigenes Kapitel ist dem Thema „Richtig inhalieren“ gewidmet (www.mission-atemwege.de)

Die  Experten am Lesertelefon waren:

– Dr. med. Juliane Kronsbein; Fachärztin für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie, Oberärztin der Medizinische Klinik III, Abteilung für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und    Beatmungsmedizin, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum

– Dr. med. Hans-Christian Blum; Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, Umweltmedizin und Schlafmedizin, MECS Dortmund

– Dr. med. Christine Trainer; Fachärztin für Lungen- und Bronchialheilkunde und Allergologie, Praxisgemeinschaft Ärzte am Neckar, Mannheim

– Dr. med. Hans F.E. Klose; Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie, Leiter der Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Pneumologischer Medical Advisor des Clinical Trial Centers Hamburg

– Priv.-Doz. Dr. med. Karsten Schulze; Facharzt für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Pulmologie, Chefarzt der Abteilung Pneumologie/Infektiologie an der Karl-Hansen-Klinik, Bad Lippspringe