Farbenfrohe Nanas inspirieren Arbeitskreis im Bürgerhaus

Gevelsberg. (zico) 31 Frauen und zwei Männer wandeln seit dem vergangenen Wochenende im Gevelsberger Bürgerhaus „Alte Johanneskirche“ auf den Spuren von „Nana“-Schöpferin Niki de Saint Phalle, die mit ihren fülligen Frauenskulpturen seit 1964 weltweite Berühmtheit erlangte. Sie erschuf die „Nanas“, um fröhliche, „befreite“ Frauen darzustellen und ihre Zeitgenossinnen zu ermutigen, sich selbst zu verwirklichen sowie ihre eigene Körperlichkeit, die nicht gängigen Schönheitsidealen entsprechen muss, auszuleben.

Interessierte Anwohnerinnen, Studenten der Fachhochschule Dortmund um die FH-Kunstpädagogin Christine Spiegel, aber auch Mitarbeiter des Bürgerhauses um Leiterin Regina Potarczyk haben dieses Thema aufgegriffen und modellieren an zwei Wochenenden mit viel Begeisterung Gipsskulpturen, die den farbenfrohen „Nanas“ der 2002 verstorbenen französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle nachempfunden sind. Die Studenten der Fachhochschule aus dem Bereich „Angewandte Soziale Wissenschaften“ begleiten gemeinsam mit der Dozentin Christine Spiegel als „Kunstpaten“ die Arbeitskreisteilnehmer von dem Prozess der Ideenfindung über die künstlerische Gestaltung bis zur fertigen Skulptur.

„Das gemeinsame Schaffen gibt auch unserem Bürgerhaus neue Impulse. Ich bin bereits gefragt worden, wie man hier mitarbeiten kann“, freut sich Regina Potarczyk bereits am ersten Wochenende darüber, dass die Gruppe so homogen zusammenarbeitet. Und dies, obwohl die Motivationen zur Teilnahme am Arbeitskreis völlig unterschiedlicher Natur sind. Sogar ein frisch gebackener Vater ist mit von der Partie. „Nanas sind starke, sebstbewusste Figuren, und meine Frau habe ich während der Schwangerschaft als besonders stark empfunden“, sagt Dirk Sachser aus Schwerte, der seiner Nana ein kleines Kind, der Tochter Nele nachempfunden, dazu modelliert.

Und die Wittenerin Juliane Becker sieht sich seit vielen Jahren der Frauenbewegung, getragen von Vorreiterinnen wie Niki de Saint Phalle oder auch Simone de Beauvoir, nahe stehend. Sie fand über ein Konzert haitianischer Musiker ins Bürgerhaus und bildet eine brasilianische Nixe als Nana nach. „Als die Nanas entstanden, hatten Frauen sich zurück zu nehmen, sich um die Familie zu kümmern und dem Mann den Rücken frei zu halten. Die Arbeiten von Niki de Saint Phalle haben dazu beigetragen, dieses Rollenverständnis nachhaltig zu ändern“, erklärt Regina Potarczyk die Intention der Figuren, die sich an vielen exponierten Plätzen der Welt befinden – unter anderem vor dem Centre Pompidou in Paris oder in Zürich, wo eine Nana unter der Decke des Zentralbahnhofes schwebt. Aber auch in Hannover, deren Ehrenbürgerin Niki de Saint Phalle im Jahr 2000 wurde, finden sich phantasievolle Nanas.

Die Arbeitskreisteilnehmer werden ihre fertigen Nanaskulpturen im Rahmen einer Ausstellungseröffnung am Samstag, 22. Oktober 2011, um 15 Uhr im Bürgerhaus Alte Johanneskirche präsentieren, zu der alle kunstinteressierten Gevelsberger herzlich eingeladen sind. Wer am Termin der Vernissage keine Zeit hat, sich die Nanas anzuschauen, muss nicht traurig sein, denn die Skulpturen werden noch drei weitere Wochen im Bürgerhaus zu sehen sein, bevor sie dann ihren Schöpfern übergeben werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Arbeitskreis zuvor als Gast zu besuchen und sich einen Eindruck vom Prozess des skulpturellen Gestaltens zu verschaffen. „Vielleicht erhalten sie ja Ideen für eine eigene Arbeit im heimischen Hobbykeller“, so Regina Potarczyk.

Gelegenheiten hierzu bieten sich am Freitag, 21. Oktober 2011, von 16 bis 19 Uhr, sowie am Samstag, 22. Oktober 2011, von 10 bis 15 Uhr.