Filmriss-„Sommernachtstraum“

Das Ensemble mit (vorn, von links) Sozialpädagogin Simone Haeusler, Regisseurin Antje Dircks und Projektleiterin Judith Freise-de Matteis. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Eigentlich hatte ich mit Theater nie viel am Hut“, gab Fabijan Cupi vor einer Probenaufführung des Schauspiels „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare (1564 – 1616) im Filmriss-Theater vor wenigen Tagen zu: „Aber nachdem ich schon im Kurs zuvor in Goethes Faust, Teil eins und zwei, mitgespielt hatte, habe ich Blut geleckt.“ Der 22-Jährige, dem wie 15 anderen Teilnehmern auch die Maßnahme, getragen vom Jobcenter EN, der Projektfabrik, der VHS EN-Süd und dem Filmriss-Kino, eine neue Perspektive für Ausbildung und Beruf vermittelt, kann sich mittlerweile sogar vorstellen, einmal selbst als Theaterpädagoge zu arbeiten.

Fabijan Cupi hat das Projekt „Job Act“ als Bühnen-Skeptiker begonnen, träumt aber jetzt sogar von einer Karriere als Theaterpädagoge. (Foto: Stefan Scheler)

Zurzeit übernimmt Antje Dircks diese Aufgabe und bereitet mit viel Elan ihre 14 Schützlinge auf die Premiere des Paradestücks des großen Engländers am Dienstag, 16. April 2013, um 19.30 Uhr, vor, die auf der Bühne des Filmriss-Kinos stattfindet. Von den ursprünglich 16 Jungschauspielern sind zwei mittlerweile in eine Ausbildung beziehungsweise Anstellung gewechselt.

Dies ist nämlich der eigentliche Sinn der Maßnahme. Hier wollen die Beteiligten nicht die Kunst als Selbstzweck ausüben, so schön das auch wäre. Vielmehr geht es darum, Jugendlichen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht sofort auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten, mittels des Projekts „Job Act“ Kernkompetenzen wie Selbstbewusstsein und Teamkompetenz zu vermitteln. „Hinzu kommt noch die sprachliche Vervollkommnung, die sich beim Lernen der anspruchsvollen Texte Shakespeares ergibt“, fasste Projektleiterin Judith Freise-de Matteis von der Projektfabrik das pädagogische Konzept zusammen: „Hinzu kommt, dass die jungen Menschen mit dem schauspielerischen Einsatz auch lernen, sich in Bewerbungssituationen besser darzustellen.“

Bei den Proben zeigte sich, dass die Eleven diese Vorgaben schon weitgehend umgesetzt haben. Die Texte sitzen besser als bei mancher Laienspielgruppe, und die jungen Akteure leiern diese nicht etwa herunter wie beim Lesen mit verteilten Rollen früher in der Schule, sondern interpretieren die Gedanken des Dichters mit eindrucksvoller Gestik und Mimik. Dass dies so gut gelingt, daran haben die energischen und fachlich fundierten Anleitungen von Regisseurin Antje Dircks maßgeblichen Anteil. „Mehr Temperament in die Stimme legen“, fordert diese zum Beispiel auf und legt nach: „In der nächsten Szene mehr Aktion zeigen.“

Willig, mit Fantasie und ohne großes Nörgeln kommen die Jugendlichen allen Anweisungen nach und leben sich richtig in die verkörperten Figuren hinein. Die Charaktere des „Sommernachtstraums“, zum Beispiel Oberon, Titania Ariel, Miranda oder Umbriel sind den Astronomen übrigens wohlbekannt, denn nach ihnen sind die Monde des der Sonne zweitfernsten Planeten Uranus benannt. Das gibt dem ganzen klassisch-mystischen Spiel quasi eine kosmische Note.

„Ich war erst skeptisch, weil das für mich eine völlig neue Welt war“, berichtete eine Mitwirkende: „Dann habe ich mich näher mit der Geschichte befasst, die wir zeitgemäß leicht verändert haben, ohne die ursprünglichen Gedanken des Dichters zu verfälschen.“ „Das Lernen der Verse fiel den Vertretern der Facebook-Generation überraschend leicht“, war auch Simone Haeusler überrascht, die in der Projektfabrik für die sozialpädagogische Begleitung und das Bewerbungsmanagement zuständig ist: „Entweder haben die Teilnehmer zu Hause für sich gebüffelt, oder sich gegenseitig vor Ort die Texte abgefragt.“ Was wiederum den sozialen Zusammenhalt und das Teamverhalten immens gestärkt hat.

Wer nun auf den „Sommernachtstraum“ und seine Darstellung von jungen Talenten, die sich selbst eine echte Perspektive erarbeitet haben, gespannt ist, dem seien folgende Termine ans Herz gelegt: Neben der Premiere am Dienstag, 16. April 2013, geht Shakespeares Klassiker noch am Mittwoch, 17. April, ebenfalls um 19.30 Uhr über die Bühne. Einlass ins Filmriss-Kino an der Rosendahler Straße 18, in Gevelsberg, ist an beiden Tagen bereits um 19 Uhr.