Geselligkeit und Sport fürs Herz

Die Herzsportgruppe Gevelsberg traf sich zur Jubiläumsfeier fast vollzählig in der Trainingshalle der Sportalm Gevelsberg. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Vor dem Essen Blutdruck messen“, scherzte einer der 42 Teilnehmer, die vor wenigen Tagen in der Sportalm Gevelsberg das 25-jährige Bestehen ihrer Herzsportgruppe feierten. Auch wenn diese Anweisung nicht ganz ernst zu nehmen ist, zeugt der Spruch doch von dem Geist, der die Aktiven beseelt, die regelmäßig am Mittwoch von 15.45 Uhr bis 18 Uhr in der großen Sporthalle trainieren. Sie tun dies nicht für Rekorde oder Medaillen, sondern um sich nach einer Herzerkrankung oder einem chirurgischen Eingriff wieder fit für den Alltag zu machen und zu halten.

„Ich bin nicht so die Organisatorin“, zeigte sich Übungsleiterin Bettina Seiler in ihrer Festansprache bescheiden: „Mir kommt es darauf an, dass die Menschen, die von Herz- und Koronarerkrankungen gezeichnet sind, im gemeinsamen Sport jeden neuen Tag wie eine kostbare Perle sehen, sozusagen ein 24 Stunden-Geschenk.“ Mit dem fehlenden Organisationstalent kokettierte die 50-Jährige allerdings ein wenig, denn immerhin hat sie am 18. Februar 1987 zusammen mit dem Kardiologen Dr. med. Dieter Rafflenbeul die Herzsportgruppe Gevelsberg aus der Taufe gehoben. Sechs Wochen später stieß der Allgemein- und Sportmediziner Dr. med. Thomas Heidenreich zur Gründerzelle. Beide Ärzte teilten sich bis 1996 die medizinische Leitung des Projekts; seither hat Dr. Thomas Heidenreich die alleinige medizinische Betreuung inne. Bei der praktischen Begleitung der Kurse geht Edeltraud Schönebeck ihrer Kollegin Bettina Seiler zur Seite.

Fachlehrerin Bettina Seiler überreichte Dieter Rahnenführer (links) und Günter Schreiber Urkunden für langjährige Teilnahme. (Foto: Stefan Scheler)

Sinn und Zweck der Einrichtung ist es, Patienten nach Herzkranzgefäß-Erkrankungen, Herzinfarkt, Bypass- und Herzklappen-Operationen sowie nach der Einsetzung eines Herzschrittmachers oder Diabetes ihre frühere körperliche Leistungsfähigkeit wieder zurückzugeben oder diese sogar zu verbessern. „Es gibt beim reinen Konditionstraining zwei Leistungsstufen“, erläuterte Bettina Seiler kurz die sportlichen Inhalte: „Von 50 bis 75 Watt oder von 75 bis 125 Watt reichen die Belastungsprofile.“ Das seien objektive Kriterien, denen die Aktiven allerdings ihre subjektiven Ziele zuordneten. „Das artet teilweise in einen überzogenen sportlichen Ehrgeiz aus“, warnt die Fachlehrerin für Rehabilitationssport: „Einen Patienten mussten wir schon einmal reanimieren.“ Das sei aber die absolute Ausnahme im Übungsbetrieb, betonte Bettina Seiler. Außerdem sei man für Notfälle jeder Art bestens gerüstet. In einer speziellen Kiste liegt unter anderem ein Defibrillator bereit, und auf Notfallkarten seien die Rufnummern und Adressen von Rettungsdienst und Ärzten, von denen auch immer einer bei den Gruppenstunden anwesend ist, jederzeit zur Hand.

Übungsleiterin Bettina Seiler zeigt den 42 Besuchern der Feierstunde ein zu Ehren des 25 Jahre-Jubiläums entworfenes Freizeithemd. (Foto: Stefan Scheler)

Das Programm selbst setzt sich aus Gymnastik, Ausdauertraining, Entspannungsübungen und Spielen, letztere oft mit Bällen, zusammen. „Da macht mancher noch mit 70 den ,Becker-Hecht'“, berichtete Übungsteilnehmer Wolf-Dieter Huth von den wöchentlichen Begegnungen: „Wenn es zu rau für den Körper wird, kontrollieren die Ärzte bei entsprechender Gesichtsfarbe des Patienten den Blutdruck und verteilen die gelbe oder rote Karte.“ Wie beim Fußball müsse man spätestens bei Rot den Platz verlassen. „Aber anders als bei den Kickern darf man nach ausreichender Erholung wieder mitmachen“, lachte der Redner. Gemeinsinn und sozialer Kontakt sind neben der rein körperlichen Betätigung ein Grundpfeiler des Herzsport-Programms, das neben der Verbesserung der Kondition und Körperwahrnehmung auch auf die positive Beeinflussung von Risikofaktoren, nicht zuletzt mit Hilfe einer deutlichen Stimmungsverbesserung, abzielt. Oder, wie es Gruppenmitglied Leo Blieske formulierte: „Jeder Tag ist ein Geschenk.“

Neben der Rückschau auf 25 erfolgreiche Jahre gab es auch Ehrungen: Günter Schreiber und Dieter Rahnenführer sind seit Beginn regelmäßig dabei, und Erna Waletzko ist mit 87 Jahren die älteste Teilnehmerin. Sie alle bekamen Urkunden als Motivation zum Weitermachen, das übrigens auch von einer Lizenzverlängerung für die Maßnahme abhängig ist. Da man lange nach einer geeigneten Räumlichkeit suchen musste, dankte Bettina Seiler dem Vorsitzenden des Skiclubs Gevelsberg, Klaus Dieter Paulus, für die seit 2005 in der Sportalm gewährte Gastfreundschaft.