Gevelsberg im Wandel der Zeit

Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Ulrike Brux und Landrat Dr. Arnim Brux, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie Bürgermeister Claus Jacobi mit Gattin Desirée (von links) genossen den Abend. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Für mich ist das Tollste an Gevelsberg die Kirmes“, war die Videobotschaft des Schülers Lutz Kornowski an die 480 geladenen Gäste der Gala zum 125-jährigen Stadtjubiläum Gevelsbergs in der Aula des Schulzentrums West vor wenigen Tagen. Das wundert nicht, ist der junge Mann doch Mitglied der Kirmesgruppe Aechter de Biecke und damit als Nachwuchs für das alte Brauchtum hochwillkommen.

Auch die aus Düsseldorf angereiste Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte von dem sommerlichen Treiben in der Engelbertstadt schon gehört. „Ich weiß ein gelungenes Volksfest sehr zu schätzen“, führte die Landesmutter in ihrer Grußansprache aus: „Auch wenn ich inzwischen von den wilden Fahrgeschäften häufiger zu den Bratapfelständen wechsle.“

„Hannelore Kraft hat 40 bis 50 Terminangebote pro Abend“, betonte WDR-Moderator Gregor Schnittger, der den Abend unterhaltsam, aber doch dezent begleitete: „Dass sie sich heute für die 32.000 Einwohner-Gemeinde Gevelsberg entschieden hat, zeigt ihre hohe Wertschätzung für 125 Jahre Geschichte einer Stadt in einem Landkreis, der gleichsam mit den Füßen im Sauerland und mit dem Kopf im Ruhrgebiet liegt.“

Claus Jacobi überreichte der Ministerpräsidentin in Anspielung auf ihren Namen die Broschüre „Kraftzentrale“. (Foto: Stefan Scheler)

Als Oberhaupt des besagten Kreises war Landrat Dr. Arnim Brux mit Gattin Ulrike nach Gevelsberg gekommen, um neben Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann und den Bürgermeistern der Nachbarstädte Ennepetal und Schwelm, Wilhelm Wiggenhagen und Jochen Stobbe, an dem rund dreistündigen Festakt teilzunehmen. Zur Einführung drückte Bürgermeister Claus Jacobi seinen Stolz auf die Stadt und ihre Bürger aus. „Man beneidet uns woanders oft um unser menschliches Klima und den gelebten Bürgersinn“, hob das Stadtoberhaupt hervor: „Auch die hier in vielen Bereichen gepflegte Kultur und die Integrationsbereitschaft gegenüber Zuwanderern sucht mancherorts ihresgleichen.“ Nicht zuletzt sei die Kirmes als verbindende Klammer aller sozialen Schichten ein wesentliches Element der Lebensqualität in der Engelbertstadt. Dieser Meinung ist auch Michael „Willi“ Sichelschmidt, Vorsitzender des Kirmesvereins und ehemaliger Hammerschmied. „Da ist richtig was los“, antwortete er auf eine Frage des Moderators, der ihn im Publikum entdeckt hatte: „Nicht nur zur Kirmes ist in Gevelsberg das Leben zuhause.“

Davon hatte sich auch die Ministerpräsidentin im Vorfeld ihres Besuchs überzeugt. „Ihre Stadt ist mit 125 Jahren den Kinderschuhen entwachsen“, führte Hannelore Kraft aus: „Beim Eintreffen hier habe ich Ihr Markenzeichen, die Stadtharfe, bewundert, deren Geschichte viel über die Offenheit der Bürger gegenüber geistigen und kulturellen Strömungen aussagt. Ich habe einiges über das ehrenamtliche Engagement in dieser Stadt erfahren, besonders im sozialen und sportlichen Bereich. Bildung für die Jugend und Investitionen in zukunftsfähige Arbeitsplätze prägen das Gesicht Gevelsbergs.“ Dass die Stadt an der Ennepe schon immer innovationsfreudig gewesen sei, belege das bereits 1890 gebaute Elektrizitätswerk.

Einen Bildband über diese Einrichtung mit dem Titel „Kraftzentrale“ überreichte Claus Jacobi der Ministerpräsidentin unter Anspielung auf deren Namen.

Im Anschluss erlebte der hohe Gast eine bunte Revue, gleichsam eine Zeitreise vom Engelbertmord am 7. November 1225 bis zur Wirtschaftswunderzeit der Nachkriegsjahre, erzählt vom Hagener Sänger und Schauspieler Werner Hahn.

Die Wiener Sängerin Kathi Kallauch, deren Großeltern Anne und Rolf in Gevelsberg leben, gab unter anderem „Happy Birthday“ im Marilyn Monroe-Stil zum Besten, und die Gevelsberger Künstlerin Sophie Beckel rundete mit Vorträgen wie dem Weltkriegsschlager „Lili Marlen“ den geschichtlichen Vortrag ab.

Den kulinarischen Teil des Abends unterstützte die Feuerwehr Gevelsberg schmackhaft mit ihrer „Gulaschkanone“.