Gevelsberger Rathausfoyer in Schwarz-Gelb

wochenkurier-Redakteur Frank Schmidt (rechts) mit dem Prinzenpaar und dem KG Hippendorf-Präsidenten Paul-Werner Herguth. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Wenn ich schon in diesen Farben auflaufen muss“, flachste Günter Dabruck von den Drevermannspatzen angesichts des gemäß einer Prinzenthese angesagten BVB-Schwarz-Gelbs beim Sturm aufs Rathaus am Rosenmontag, 20. April 2012: „dann im Gewand des Dortmunder Vereinsvorstands.“ Damit spielte der Ur-Gevelsberger auf die von ihm getragene Sträflingskleidung an, die auch Bürgermeister Claus Jacobi angelegt hatte.

Rund 100 närrische Engelbertstädter verfolgten in einer rund eine Stunde langen Karnevalsfeier mit viel ortsbezogenem Humor, wie Hausherr Jacobi zunächst nach kurzem, aber heftigem Ringen Prinz Marc I. den Schlüssel zur Macht im Rathaus überlassen musste. Anschließend besänftigte Jacobi, nach eigenem Bekunden „Fußball-Laie“, die wegen der schwarz-gelben Pracht pikierten Schalke-Anhänger, unter ihnen Hausmeister Michael Külpmann. „Das ist ja Konterrevolution“, rief Claus Jacobi entsetzt aus, als ein königsblau-weißes Banner plötzlich von der Balustrade baumelte.

Prinz Marc I. und Bürgermeister Claus Jacobi rangen kurz und heftig um den Schlüssel zum Gevelsberger Rathaus. (Foto: Stefan Scheler)

Begonnen hatte das jecke Treiben bei der Gevelsberger Feuerwehr, wo sich die Aktiven der Ka. Ge. Grün-Weiß Gevelsberg und der KG Hippendorf regelmäßig ihre Wegzehrung vor dem Marsch durch die Mittelstraße abholen. Dann ging es stracks zur wochenkurier-Geschäftsstelle, wo Redaktionsleiter Frank Schmidt die Tollitäten nebst Anhang im Namen „der einzigen Gevelsberger Zeitung“ begrüßte, was insoweit stimmt, als nur noch der wochenkurier mit Redaktion und Anzeigenbüro in der Engelbertstadt ansässig ist. Deshalb begann auch hier die Verteilung der Orden, die sich dann bei Mode Tasbier ein paar Häuser weiter fortsetzte, wo es auch noch eine flüssige und „geistreiche“ Stärkung gab. Danach führte der Narrenzug durch Fußgängerzone, Roten Platz und Rathauspark zum Sitz der Stadtverwaltung. „Haut ab“, begrüßte der Bürgermeister die von der Spielleute-Vereinigung Gevelsberg mit klingendem Spiel angeführte bunte Schar: „Es gibt nichts; die Stadt hat kein Geld.“ Nachdem er aber den Schlüssel ohnehin hatte abgeben müssen, lud er die Karnevalisten schließlich doch mit den Worten ein: „Na, dann kommt rein, für ein paar Biere und Mettbrötchen reicht es noch.“

Im Velo-Taxi chauffierte Bürgermeister Claus Jacobi das Prinzenpaar geschickt durch die Eingangstür von Werner Tasbiers Geschäft. (Foto: Stefan Scheler)

Im Vorraum des Ratssaals spielten dann die Drevermannspatzen auf und intonierten zum Motto des Tages passend das BVB-Vereinslied, dem zwischen den Programmpunkten noch einige Karnevalslieder zum Mitschunkeln folgten. Orden gab es reichlich, für das Prinzenpaar, die Präsidenten der Ka. Ge. Grün-Weiß, Friedhelm Hellwig, und KG Hippendorf, Paul-Werner Herguth, sowie für die unermüdlichen Helferinnen im Rathaus Petra Akin, Christine Richert, Ulla Grimm sowie Bürgermeistersgattin Desirée Jacobi. Nachdem die beiden Funkenmariechen, die elfjährige Eva Reinicke und die 15-jährige Jennifer Wenzel, das Publikum mit artistischen Tanzeinlagen erfreut hatten, gab es auch für sie und ihre Trainerin Petra Wenzel blitzenden Karnevals-Schmuck um den Hals. Dann lauschte man einer Büttenrede, in der Hans-Walter Lingemann neue Moden aufs Korn nahm. „Meine Frau geht jetzt immer zu Pilates“, frotzelte er: „Das find‘ ich nicht gut, weil der Typ ja Jesus verurteilt hat.“

Nach einer kurzen Phase der Ruhe mit den versprochenen Mettbrötchen und erfrischendem Gerstensaft wartete auf den Bürgermeister noch eine schweißtreibende Aufgabe: Er musste das Prinzenpaar mit dem Velo-Taxi per Muskelkraft zum Geschäft von Werner Tasbier fahren und die Fahrrad-Rikscha, statt vor dem Laden anzuhalten, ohne auszusteigen durch die für das Gefährt doch recht schmale Eingangstür bugsieren.