Gevelsberger Skatverein steigt in Oberliga auf

Der Präsident des Skat-Verbandsgerichts, Ulrich Zimmermann (links), überreichte dem Vorsitzenden der Gevelsberger Skatsportgemeinschaft Gerhard Bülau die Ehrenurkunde des Deutschen Skatverbandes. (Foto: Privat)

Gevelsberg. (zico) „Spielen Sie Skat?“ – „Im Moment nicht!“ Die wohl berühmteste Skatszene des deutschen Fernsehens, in der die von Loriot inspirierten Herren Striebel, Vogel und Mosbach eine etwas ungewöhnliche Runde bilden, hätte sich wohl kaum bei der Skatsportgemeinschaft Gevelsberg abspielen können. Denn anders als der dem Regelwerk völlig fremd gegenüber stehende Herr Mosbach sind die 14 Mitglieder des erst 2008 gegründeten Vereins echte Profis. Beweis: Dem Team um Vereinsgründer Gerhard Bülau gelang vor wenigen Wochen der Aufstieg von der Landesliga in die Oberliga, und auch dort möchten die Engelbertstädter im nächsten Jahr so manchen Stich machen.

Erst am letzten Spieltag schafften Bülau und seine Mitstreiter Robert Giesemann (54 Jahre), Karl Klempnow (60), Walter Abt (72) und Walter Nippel (91!) den Sprung in die höhere Spielklasse, sicherten sich hinter dem Meister aus Radevormwald Platz zwei vor den Solinger Mauerjungs. Allerdings wird die Mannschaft nun umgebaut, denn Oldtimer Walter Nippel, den Gerhard Bülau noch aus seiner Zeit in Remscheid kannte, möchte seinem Hobby künftig nur noch in seiner Heimatstadt nachgehen. Und weil sich auch Walter Abt aus der Wettkampfmannschaft zurück zieht, ist Platz für zwei neue Akteure, die mit ihrem jeweils 25 Jahren den Altersdurchschnitt deutlich senken: Marc Benfeld und Dominik Mayer werden künftig in den Reihen der Gevelsberger um Oberligapunkte reizen.

Vereinschef Bülau hofft nun, dass der sportliche Erfolg dem Verein neue Mitspieler beschert: „Es dürfte gerade für jüngere Skatfreunde interessant sein, in der höheren Klasse mitzumischen. Für uns kann es in der Oberliga zunächst erst einmal nur darum gehen, nicht gleich wieder abzusteigen.“ In dieser Hinsicht ist der 56-Jährige zuversichtlich, „denn wir haben uns im Verlauf der Aufstiegssaison deutlich verbessert“. Gleichwohl hofft Bülau auf starke Zuwächse, auch wenn es bei den heimischen Skatbrüdern außer Stiche und Punkte nichts zu ernten gibt: „Richtige Einkäufe gibt es im Skatsport allenfalls in der Bundesliga.“

Die Gevelsberger Skatsportler beim Trainingsabend: (hinten, von links) Ulrich Zimmermann (Skatverband), Dominik Mayer, Gerhard Bülau; (vorn, von links) Gerd De Fontaine, Marc Benfeld, Sabine Lamprecht (Skatverband), Karl Klempnow. (Foto: Privat)

Was nicht heißen soll, dass es nicht auch bei den Skatabenden, die an jedem Freitag ab 19.30 Uhr in den Räumen des Poolbillardclubs Victorians Gevelsberg an der Wittener Straße stattfinden, ernsthaft zur Sache geht. „Klar wird auch mal ein Bier getrunken, aber das ist eher die Ausnahme. Und geraucht wird bei uns gar nicht“, gibt Gerhard Bülau dem Image des Skat als Kneipenzeitvertreib gehörig Kontra. Und auch der mitunter verbreiteten Meinung, wonach Skat ein relativ leichtes Spiel sei, tritt der seit elf Jahren wettkampfmäßig Aktive entschieden entgegen: „Skat ist varientenreicher als Schach, es gibt allein 664 verschiedene Spielmöglichkeiten. Es sind auch schon Spiele ,ohne Elf’ gespielt und sogar gewonnen worden.“

Gerhard Bülau durfte vor wenigen Tagen noch einen ganz persönlichen Erfolg verbuchen, denn für seine vielfältigen Aufgaben im Skatverband des Bergischen Landes, dem er sich als Pressereferent, Schiedsrichterobmann, Internetbeauftragter und Mitglied des Landesverbandsgerichts zur Verfügung stellt, erhielt er die Ehrenurkunde des Deutschen Skatverbandes. Der Präsident des Verbandsgerichts, Ulrich Zimmermann, überreichte ihm die Auszeichnung am Trainingsabend in Gevelsberg.

Bis zum Beginn der Oberligasaison haben die Gevelsberger nhoch hinreichend Zeit, denn erst im April des kommenden Jahres geht es hier wieder um Punkte. Damit das Ziel Klassenerhalt gelingt, wurde sogar die 2. Mannschaft abgemeldet – so kann man etwaige personelle Ausfälle problemlos kompensieren. Den Winter über treten die Skatspieler zu den Einzelmeisterschaften an, können sich über Verbands- und Landesebene bis hin zur Bundesebene qualifizieren. Vom Titel träumt Bülau zwar nicht, wohl aber davon, einmal den Sprung bis auf die Bundesebene zu schaffen – zu den Besten des Landes hat es der Skatfuchs immerhin schon geschafft. Dicke Wälzer über Tricks und Kniffe des Kartenspiels wälzt er deshalb aber nicht. „Es gibt zwar jede Menge Fachliteratur, doch die Praxis ist durch nichts zu ersetzen“, winkt Bülau ab.

Neue Interessenten sind der Skatsportgemeinschaft Gevelsberg ebenso willkommen wie alte Skat-Hasen. Nähere Informationen gibt Gerhard Bülau unter Ruf (02332) 62399.