„Hände weg vom Bio-Sprit E10“

Peter Kostrzewa, Inhaber der Auto Crew-Werkstatt in Gevelsberg, kontrolliert die Freigabelisten von ADAC und anderen Experten - ohne ihnen wirklich zu trauen... (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) „Hände weg von E10!“ Mit dieser Botschaft warnen Vertreter des heimischen Kfz-Handwerks Autofahrer vor dem Betanken des Kraftfahrzeugs mit dem neuen, umstrittenen Bioethanol-Kraftstoffs E10 – und zwar alle Automobilbesitzer. Kfz-Meister Carsten Dietrich vom 1a Autoservice sowie sein Kollege Peter Kostrzewa, mit seiner Werkstatt ebenso an der Hagener Straße in Gevelsberg ansässig, sehen dabei weniger ein Informationsdefizit, sondern qualitative Bedenken.

„E10 zersetzt die Gummidichtungen, die für einen zehnprozentigen Anteil von Bio-Ethanol im Treibstoff nicht ausgelegt sind“, erklärt Carsten Dietrich und nennt weitere Folgen: „Die ganze Anlage wird undicht, die Autos verbrauchen bis zu 1,5 Liter Sprit mehr, der Motor wird wärmer, denn die Verbrennungstemperaturen steigen, was den gesamten Motor mehr beansprucht. gleichzeitig ergibt sich ein Leistungsverlust.“ Daher vergibt der 1a-Autoservice auch keine „Freigaben“ für den Sprit. „Die Rohölvorkommen auf der Erde neigen sich dem Ende zu. Mit dem neuen Sprit will man die Vorräte strecken. Der Fehler ist nur: Die Motoren sind nicht für diese Art Treibstoff konzipiert“, so Carsten Dietrich, dem bekannt ist, dass in Dortmund bereits E10 getankt werden kann: „Hier bei uns gibt es das noch nicht, und hier ist auch noch normaler Superkraftstoff erhältlich.“

Carsten Dietrich und sein Team vom 1a Autoservice in Gevelsberg raten generell von E10 ab. (Foto: Frank Schmidt)

Wer dennoch E10 tanken möchte, dem rät Carsten Dietrich, sich vom Hersteller eine Freigabe ausstellen zu lassen – und zwar schriftlich. „Nur so kann man später den Hersteller in Haftung für entsprechende Schäden nehmen. Wer sich jedoch Ärger vom Hals halten möchte, sollte ganz auf E10 verzichten. Meiner Ansicht nach werden auch schriftliche Freigaben nur in der Hoffnung erteilt, das schon nichts passieren wird“, hat Carsten Dietrich eine extreme Verunsicherung in seiner Kundschaft ausgemacht: „Wir raten generell von E10 ab. Ich gehe auch davon aus, dass dieser Kraftstoff kurzfristig wieder vom Markt verschwindet. Wir verwenden ja auch gutes Motoröl und kein Salatöl.“

„Die Politiker haben sich da etwas ausgedacht, ohne sich um die mittel- und langfristigen Folgen für die Autos zu kümmern“, schüttelt auch Peter Kostrzewa in seiner Auto Crew-Werkstatt den Kopf: „Ich kann den Kunden natürlich sagen, ob für ihr Fahrzeug in den entsprechenden Listen vom ADAC oder anderen Experten eine Freigabe erteilt wird – wenn denn nicht gerade der Server wegen Überlastung abgestürzt ist. Das Interesse ist ja riesengroß. Sicherheit aber bedeuten diese Listenangaben in meinen Augen noch lange nicht. Und da beim Einsatz des billigeren E10-Kraftstoffs mit höherem Verbrauch zu rechnen ist, ergibt sich zunächst ein Nullsummenspiel – und zwar mit unabsehbaren Spätfolgen. Ich kann den stillen Boykott der Autofahrer gut nachvollziehen.“

Kostrzewa und Dietrich sind daher alles andere als überzeugt von E10. „Auch beim Bio-Diesel gaben Hersteller Freigaben, die sie später zurücknehmen mussten“, so eine weitere Erklärung für ihren Rat, den Bioethanol-Kraftstoff nicht zu verwenden: „Wer sich Probleme ersparen möchte, der verzichtet darauf. Das hat nichts mit mangelhafter Information zu tun, sondern mit sachlichen Argumenten!“