Hilfe für Wohnungslose in Schwelm

Schwelm. (saz) Was sich Anfang der 90er Jahre noch vorwiegend durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumsprach, ist in Schwelm und dem restlichen EN-Südkreis mittlerweile zu einer etablierten Einrichtung geworden: Ein Ort, an dem wohnungslosen und vom Wohnungsverlust bedrohten Menschen geholfen wird. Die am 6. März 1991 eröffnete und von Diakonie, Landschaftsverband und Kreis finanzierte Beratungsstelle für Wohnungslose feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum.

Kneipengespräch

Der heute 48-jährige Karsten ist Klient der ersten Stunde. Im September 1991 kam er erstmals in die Beratungsstelle, damals noch in der Moltkestraße. Er hatte sowohl seine Arbeit als auch seine Wohnung verloren, hatte Alkohol- und Drogenprobleme und wusste nicht, wohin mit sich. Von der Beratungsstelle hörte er in einem „Kneipengespräch“, wie er es nennt: „Einer erzählte, da habe etwas aufgemacht und ich solle da mal nachfragen“, erinnert er sich.

Für ihn gehört die Beratungsstelle auch heute noch zum Alltag. Zwar fühlt er sich soweit gefestigt, dass er auch ohne die Stelle zurecht käme – seit mehr als zehn Jahren ist er nun nicht mehr ohne Wohnung – doch ein- bis zweimal die Woche kommt er noch immer vorbei: „Ab und zu suche ich das Gespräch. Die Kontakte sind mir wichtig, man kennt sich schließlich schon lange.“

Bei der Beratungsstelle können Ratsuchende einen heißen Kaffee trinken, warm duschen und ihre Wäsche waschen. Und natürlich Gespräche mit anderen Betroffenen führen und sich beraten lassen. So ist auch die Sedanstraße 12, in der die  Wohnungslosenhilfe seit 2008 zu finden ist, ein Ort der Begegnung.

Hilfestellung

„Eine Wohnung ist nicht alles, aber ohne Wohnung ist alles nichts“, erklärt Einrichtungsleiterin Heike Orth, die der Wohnungslosenhilfe in Schwelm schon seit 1992 die Treue hält und ergänzt: „Wir wollen Sprachrohr für unsere Klienten sein und ihnen bei der Wegbereitung in ein neues Leben helfen.“ Dazu gehört neben der Hilfestellung bei Behördengängen auch die Möglichkeit einer Postanschrift. Diese ist für die Wohnungslosen häufig sehr wichtig, wie sowohl Heike Orth als auch Karsten betonen, da so die Erreichbarkeit durch Ämter gewährleistet ist.

Wichtig ist auch die persönliche und individuelle Beratung der Hilfesuchenden. „In Erstgesprächen finden wir zunächst heraus, wo die Probleme liegen“, erklärt die Einrichtungsleiterin. „Oft kommen sowohl äußere Lebensumstände wie die Wohnungslosigkeit mit persönlichen Schwierigkeiten wie Abhängigkeiten zusammen.“ Die Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr will daher auch Unterstützung bei einem positiven Lebenswandel bieten.

2015 wurden suchten insgesamt 305 Personen Hilfe. Das Klientel der Beratungsstelle hat sich in den vergangenen 25 Jahren aber stark verändert, wie Orth festgestellt: „Waren es früher vor allem eher die Durchreisenden, kommen jetzt öfter Ortsansässige aus dem Südkreis zu uns, die gerne in der Gegend verankert bleiben möchten.“

Kontakt

Montags bis freitags sind die Türen der Sedanstraße 12 in Schwelm jeweils von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Bei Bedarf können aber natürlich auch individuelle Termine vereinbart werden. Weitere Infos gibt es unter Tel. 02336/6001 oder per E-Mail an wohnungslosenhilfe-schwelm@diakonie-mark-ruhr.de.