Historischer „Chevrolet“ er-fährt ein neues Leben

Gevelsberg. (Sche) Im Kofferraum eines echten Oldtimer findet sich neben Ersatzrad und Verbandskasten oft auch so manche Anekdote. „Mit dem Auto habe ich einmal einen richtigen Technikfan getroffen“, erinnert sich Michel Tripp, Besitzer eines Chevrolet von 1930, an eine Begebenheit mit dem altehrwürdigen Fahrzeug: „Das passierte, als ich den Wagen für einen Hochzeitskorso zur Verfügung gestellt hatte.“

Beim Boulevard Gevelsberg präsentierte Michael Tripp seinen historischen Chevrolet auf der Mittelstraße und zog damit viele Blicke auf sich. (Foto: Stefan Scheler)

Der Gevelsberger Tüftler, der seinem automobilen Schatz vom unansehnlichen Wrack zu neuem Glanz verhalf, erledigte während der Trauung vor der Ausfahrt vorsorglich noch einige kleinere Wartungsarbeiten an dem guten Stück. Dabei löste sich eine für die motorisierte Fortbewegung äußerst wichtige Schraube vom Vergaser und fiel in den Abwasserschacht der Straße. Verzweifelt fischte der bei ABC in Ennepetal beschäftigte Fahrzeugbastler nach dem mangels Reserveteil unersetzlichem Stück Metall, allerdings vergeblich. Da erschien der Bräutigam in vollem Ornat, hob den Gullydeckel aus und tastete ungeachtet des feinen Zwirns in der trüben Brühe nach dem Ausreißer. Er war erfolgreich, aber nun auch ziemlich dreckig, was die Freude der frisch Angetrauten über die wiedergefundene Schraube in sehr engen Grenzen hielt.

„Aber so sind wir Autofans eben“, schmunzelt Michael Tripp, dessen Ehefrau Marita mit seinem Hobby keinerlei Probleme hat: „Bei Spritztouren oder Rallyes sitzt sie stolz neben mir und genießt das gemächliche Tempo.“ Das betagte Automobil mit dem amerikanischen Markennamen, welches jedoch im Werk Berlin-Borsigwalde sein erstes Motorgeräusch von sich gab, schafft mit seinen 46 Pferdestärken gerade mal 100 Stundenkilometer – theoretisch, denn so wild wollen seine neuen Besitzer nicht „heizen“, der Lebensdauer der „alten Lady“ zuliebe. „Bei guter Pflege ist der Wagen eigentlich ganz zuverlässig“, lobt Michael Tripp sein Gefährt: „Nur einmal, bei einer Fahrt nach Brilon, sind wir auf der Autobahn mit einem Motorschaden liegen geblieben.“ Da war die Schmierung unterbrochen, weil ein Teil des Schaufelrads der Ölpumpe gebrochen war. Der ADAC half schnell und freundlich, nicht ohne Bewunderung für den seltenen Kunden.

Die Fahrsaison ist jetzt zu Ende, und einige Arbeiten zur technischen Erhaltung des Schmuckstücks sind zu erledigen. „Das ist aber gar nicht so schlimm, wie man es bei dem Baujahr vermutet“, versichert der Autofreund vom Ochsenkamp: „Ich bocke das Fahrzeug auf, lasse das alte Öl ab und überprüfe die Achsen sowie das Getriebe. Teile, die aufgrund von Verschleiß zu wechseln sind, ersetzte ich.“ Da freut es den Gevelsberger, dass man damals noch weniger auf Elektronik denn auf handfeste Mechanik setzte. „Da kann man noch viel selbst machen“, freut sich Michael Tripp: „Die Bremse zum Beispiel funktioniert nicht hydraulisch, sondern per Gestänge.“ Genauso ist das Getriebe nicht synchronisiert und für mit moderner Schaltung Vertraute gewöhnungsbedürftig. Die drei Vorwärtsgänge und die Rückfahr-Übersetzung sind mit viel Gefühl einzulegen, damit die Dreiliter-Sechszylindermaschine kein hässliches Ratschen erzeugt. 1978 hatte Michael Tripp den original mit 4.450 Reichsmark in der Liste stehenden Chevrolet für 5.500 D-Mark als Schrott erstanden. Jetzt, nach zehn Jahren unermüdlicher Arbeit, strahlt die ehemalige Rostlaube in neuem Glanz und zieht – wie vor Kurzem bei einem Treffen historischer Fahrzeuge in Ennepetal-Milspe – die bewundernden Blicke der „Generation Golf“ auf sich.

Weitere „Schätzchen“ will sich der stolze Eigentümer allerdings nicht anschaffen; darunter leide die Konzentration auf die Arbeiten am 1930-er Chevrolet. Im Modell geht Michael Tripp dagegen schon „fremd“. Zu seiner Sammlung kleiner Autos gehört zum Beispiel ein Alfa Romeo aus dem Jahr 1932.