Jusos in Ennepetal kämpfen gegen Politikverdrossenheit

Ennepetal. (Sche) Die rote Fahne der deutschen Sozialdemokratie prangt stolz an der Wand eines von der SPD genutzten Raums am Breslauer Platz in Ennepetal. „Traditionspflege ist als Jugendorganisation nicht unser erstes Anliegen“, erklärt Kathrin Sicks, als Beisitzerin für Ennepetal im Juso-Unterbezirksvorstand für die Arbeit der Jungsozialisten in der Klutertstadt verantwortlich: „Trotzdem sind wir stolz auf die Geschichte der Arbeiterbewegung, auch wenn wir nach unseren Treffen nicht die Internationale singen“.

Mit roten Schals und frischen Ideen wollen die neu gegründeten Jusos Ennepetal die Zukunft gestalten. Unterstützung erhalten sie dabei vom SPD-Vorsitzenden Christian Zink und von Bürgermeister-Stellvertreterin Anita Schöneberg. (Foto: Jusos)

Das bringt die 28-Jährige auch schnell auf das Thema Sozialismus zu sprechen. „Zur Linkspartei hat es mich nicht gezogen“, zeigt sie Flagge: „In Teilbereichen sind die Ansichten dort nicht verfassungskonform.“ Ähnliche Abgrenzungen nimmt auch ihr Parteifreund Fabian Jakobs im Hinblick auf andere Parteien vor. „Die Grünen zum Beispiel haben sich zu einseitig auf das Thema Umweltschutz festgelegt, und die Piratenpartei macht sich nur für die Internetz-Nutzer stark“, begründet der 16-Jährige seine politische Ausrichtung: „An der SPD gefällt mir, dass sie sowohl Ökonomie als auch Ökologie im Auge hat und pragmatisch für die Belange der Arbeiter und sozial Schwächeren eintritt.“

Gegen Ende des vergangenen Jahres fasste der SPD-Ortsverein Ennepetal den Beschluss, eine eigene Juso-Gruppe in Leben zu rufen. Am Samstag, 11. Februar 2012, fand dann im Restaurant „Manus“ der Gründungsakt mit Verabschiedung der Satzung und Wahl des Vorstands mit dem Vorsitzenden Fabian Jakobs und seiner Stellvertreterin Kathrin Sicks im Beisein von Anita Schöneberg statt, der stellvertretenden SPD-Ortsvereins-Vorsitzenden und Vize-Bürgermeisterin sowie Initiatorin der Neugründung. Anwesend waren auch Christian Zink als Ortsvereins-Vorsitzender, Oliver Gockel als Ortsvereins-Geschäftsführer und Stadtrats-Mitglied Ann-Kathrin Grün, deren Tochter Shirin sich bereits sehr eifrig an den Juso-Vorhaben beteiligt.

Entgegen dem allgemeinen Trend, besonders bei jungen Leuten, sich gegenüber der Politik eher uninteressiert zu zeigen oder gar abzukapseln, was sich besonders deutlich an sinkenden Wahlbeteiligungen zeigt, steuern Kathrin Sicks, Fabian Jakobs und deren 20 Mitstreiter mit Parteibuch einen völlig anderen Kurs. Sie wollen in Ennepetal ganz konkret etwas auf lokaler Ebene erreichen. „Eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs ist nötig“, gibt Kathrin Sicks einige Beispiele: „Oder die Erhöhung der Lebensqualität von Jugendlichen in Ennepetal sowie der Kampf gegen Rechts und Drogen.“ „Das Kinder- und Jugendparlament in Ennepetal ist ein guter Ansatzpunkt“, überlegt Fabian Jakobs laut: „Aus diesem Grundstock lassen sich bestimmt engagierte Jugendliche für konstruktive Arbeit vor Ort gewinnen.“ Der Reichenbach-Gymnasiast strebt für sich persönlich zurzeit keine lokalpolitischen Ämter an, könnte sich aber vorstellen, wenn er nach dem Abitur ein duales Studium der Betriebswirtschaft mit Banklehre absolviert hat, sich in der Landes- oder Bundespolitik zu engagieren. Kathrin Sicks, die gerade an einer Doktorarbeit im Bereich Ingenieurwissenschaft und Raumplanung arbeitet, möchte ihre Fachkenntnisse in die Politik einbringen, aber nicht Berufspolitikerin werden. Dabei hat sie schon ein gerüttelt Maß an Erfahrung in gewählten Gremien. „Ich saß schon früh als stellvertretende Sachkundige Bürgerin und SPD-Mitglied im Stadtentwicklungs-Ausschuss“, berichtet sie von ihrer bisherigen Politik-Erfahrung: „2009 hat man mich in den Kreistag gewählt und seit 2010 bin ich Vorsitzende der Jusos im EN-Kreis.“ Die um sich greifende Politikverdrossenheit führt sie auf die frustrierende Erfahrung zurück, „dass sich scheinbar doch nichts ändert“. „Damit aber sinkt die Bürgerbeteiligung“, fürchtet sie: „Was dann wiederum bewirkt, dass die Menschen sich noch weniger beachtet fühlen.“ Diesem Teufelskreis wollen die Ennepetaler Jusos mit konstruktiver Arbeit für alle entgegenwirken.

„Am Dienstag, 6. März 2012, findet ab 18 Uhr die nächste öffentliche Sitzung unserer Juso-AG im Mehrgenerationenhaus statt“, lädt Fabian Jakobs alle Interessierten ein: „Übrigens, Juso kann man noch bis zum Alter von 35 Jahren werden.“