Kasse und Steuer als Aufreger

Rund 60 sehr interessierte Zuhörer aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung folgten den Ausführungen der kompetenten Referenten. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Die Summe des Fehlbetrags in der Stadtkasse von 18 Millionen Euro im Haushaltsjahr 2011 darf nicht größer werden“, stellte Ennepetals Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen beim von der SIHK Südwestfalen in den Räumen der Firma Dorma an der Breckerfelder Straße in Ennepetal vor wenigen Tagen ausgerichteten Örtlichen Wirtschaftsgespräch eindeutig klar: „Wir sind daher zahlreichen Sparzwängen unterworfen, für welche die Bevölkerung aber in der Mehrzahl Verständnis aufbringt.“ Immerhin schaffe es Kämmerer Dieter Kaltenbach gegenwärtig noch, etwa 9.000 Euro jährlich für soziale Projekte aufzubringen.

Die unter den etwa 60 Gästen zahlreich vertretenen Repräsentanten der Ennepetaler Wirtschaft mit SIHK-Vizepräsident Rolf Bilstein als Wortführer warnten die Stadtoberen nachdrücklich vor einer zu hohen finanziellen Belastung der Unternehmen, insbesondere einer Erhöhung des gegenwärtig als moderat und fair befundenen Gewerbesteuer-Hebesatzes von 403 Prozent. „Es steht für 2012 eine Erhöhung auf 420, für 2013 gar auf 450 Prozent im Raum“, orakelte der Unternehmer: „Das ist eine erhebliche Belastung für die Firmen, welche diese erst einmal zu erwirtschaften haben.“ „Wir müssen das machen, damit wir spätestens für 2014 in Ennepetal wieder eine ,schwarze Null‘ schreiben“, beschwichtigte der Bürgermeister: „Eigentlich wären als Hebesatz 480 Prozent angemessen; der Rat hat aber Augenmaß bewiesen und eine solche Erhöhung nicht beschlossen.“

Ennepetals Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen legte den überwiegend kritischen Wirtschaftsvertretern die finanzielle Lage der Stadt dar. (Foto: Stefan Scheler)

Eigentlich ging es bei dem Treffen im Versammlungsraum des heimischen Türschließ-Systemherstellers gar nicht vorrangig um tagespolitische Streitpunkte, sondern um die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung auf der einen sowie Industrie und Gewerbe auf der anderen Seite zum Wohle der Stadt Ennepetal und der sie umgebenden Region. Zunächst stellte Dorma-Geschäftsführer Thomas P. Wagner in seiner Begrüßung das Unternehmen kurz in Zahlen vor. Der Ennepetaler Erzeuger von Tür-, Sicherheits- und Raumtrennsystemen ist weltweit im Geschäft und fertigt unter anderem das Eingangsportal des Capitol in Washington, D.C. und Türen für das Burj al Arab-Luxushotel im Wüstenstaat Dubai. Das 1908 von Rudolf Mankel gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit 6.600 Mitarbeiter, von denen 2.600 in Deutschland tätig sind. 100 Millionen Türschlösser verließen seit den ersten Tagen der Firma die Werksgelände; in 50 Ländern rund um den Globus setzt der heimische Produzent seine Erzeugnisse ab und hat in sieben Staaten Vertriebsrepräsentanten. „Nur ein Viertel unseres Umsatzes erwirtschaften wir im Inland“, referierte Thomas P. Wagner: „Alles andere kommt von jenseits der deutschen Grenzen herein.“ Für das kommende Jahrzehnt ist ein Mitarbeiterstab von 10.000 Beschäftigten und ein Umsatz von zwei Milliarden Euro angepeilt.

Damit diese ehrgeizigen Ziele erreicht werden können, tut es nach Ansicht des SIHK-Stabsstellenleiters Karl-Josef Reuther dringend Not, die Verbindungen zwischen Schule und Wirtschaft zu verbessern. Dazu gebe es bereits zahlreiche Kooperationen mit lokalen Betrieben, in welche zum Beispiel fünf Gymnasien mit 740 Schülern der Klassen elf und zwölf sowie sieben sonstige Schulen aus dem EN-Kreis mit 60 Teilnehmern pro Schuljahr eingebunden seien. „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen Betriebe nicht als furchteinflößende Angsträume erleben“, wünscht sich der Referent: „Insbesondere der technische Bereich braucht dringend qualifizierten Nachwuchs, den nur eine mehr naturwissenschaftlich und wirtschaftlich ausgerichtete Schulbildung schaffen kann.“ Der Fachmann für die Kopplung von Lernen und Praxis empfiehlt dringend allen Schülern, Eltern, Lehrern und Ausbildern in den Betrieben, die Chance, welche zum Beispiel Werkstattphasen und Projekte an 14 Ferientagen bieten, nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.