Klaus Voormann und die Beatles

Eine Auswahl der Grafiken von Klaus Voormann ist bis zum 21. Februar 2013 in der Sparkassen-Hauptstelle in Ennepetal-Milspe zu sehen. (Foto: Frank Schmidt)

Ennepetal. (zico) „Klaus Voormann ist ein Arschloch“ – einen solchen Satz schreibt man eigentlich nicht, und es ist unter normalen Umständen auch nicht fein, eine solche Aussage zu zitieren. Schon gar nicht, wenn der so Beschriebene als Ehrengast in einer Stadt weilt. Doch wenn ein Paul McCartney sich so äußert, und zwar im Vorwort zur Voormann-Autobiografie „Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John?“, dann lohnt es sich doch, näher hinzuschauen.

WDR-Musikexperte Frank Laufenberg (links) unternahm mit Klaus Voormann einen Streifzug durch 50 Jashre Rockgeschichte. (Foto: Frank Schmidt)

Klaus Voormann, dessen Wurzeln in Ennepetal liegen, steht in diesen Tagen im Fokus der Klutertstadt, wo ihm die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld einen großen Rahmen für seine Grafik-Ausstellung „Remember Revolver“ bietet. Ein Blick in die Lebensgeschichte des heute 74-Jährigen erklärt schnell, warum dem sympathischen Altrocker an der Ennepe solche Ehre widerfährt – wobei man echten Musikexperten den Grund erst gar nicht erklären muss.

Die Familie Voormann wanderte in den 30-er Jahren nach Berlin ab, wo Filius Klaus 1938 das Licht der Welt erblickte. Zunächst als Grafiker tätig, zog es ihn 1958 nach Hamburg, wo er im nahe der Reeperbahn gelegenen „Kaiserkeller“ die damals noch völlig unbekannten Beatles kennenlernte, deren enger Wegbegleiter er in den Jahren des Erfolgs und darüber hinaus werden sollte: Klaus Voormann galt wegen seiner Nähe zu den Liverpoolern bald als fünfter Beatle. So entwarf Voormann das Cover der legendären LP „Revolver“, knüpfte enge Freundschaften, insbesondere zu George Harrison, mit dem er sich eine Wohnung teilte, und zu Paul McCartney, begab sich auf gemeinsame Urlaubsreisen mit den „Fab Four“ und war bei den späteren Soloprojekten der Ex-Pilzköpfe immer wieder als Bassist zu hören. Auch in Manfred Mann’s Earth Band zupfte Voormann das viersaitige Instrument, in den großen Zeiten mit Hits wie „Mighty Quinn“, das sich nicht zuletzt wegen des von Voormann gespielten Flöten-Intros in die Köpfe aller Musikfreunde eingebrannt hat.

Dass Klaus Voormann ein enger Weggefährte der Beatles war, davon künden zahlreiche seiner grafischen Arbeiten. (Foto: Frank Schmidt)

Solche Details und Hintergründe der Rockgeschichte entlockte Frank Laufenberg, wandelndes WDR-Musiklexikon und TV-Star aus alten WWF-Club-Tagen an der Seite von Jürgen von der Lippe und Marijke Amado, dem Urgestein vor 250 Gästen zur Ausstellungseröffnung in der Schalterhalle der Sparkassen-Hauptstelle in Milspe. Und natürlich auch die Sache mit dem Arschloch. Als McCartney nicht so recht wusste, was er als Vorwort für das Buch zu Papier bringen sollte, schlug Klaus Voormann vor: „Schreib doch einfach: Klaus Voormann ist ein Arschloch.“ Der wohl bekannteste noch lebende Rockmusiker hat es dann doch etwas ausgeschmückt: „Er ist ein wunderbarer Mensch, ein verrückter Hund, ein leidenschaftlicher Kunst- und Musikliebhaber, ein prächtiger Vater und Ehemann, ein enger Freund und ein totales Arschloch.“ So steht es da nun geschrieben…

Und jener Klaus Voormann ist in der Tat ein wunderbarer Mensch. Einer, dem die Warmherzigkeit aus den Augen strahlt. Dessen Werke nicht nur von grenzenloser Kreativität, sondern eben und vor allem auch von der Liebe zum Menschen und zum Leben künden. Und einer, der nicht gern „auf dicke Hose macht“.

Neben zwei Grammys hat Klaus Voormann jetzt auch einen Ennepetaler Kulturfuchs: Oliver Teske überreichte das sagenhafte Tier. (Frank Schmidt)

„Ich wollte nicht da vorne rumhampeln“, antwortete Klaus Voormann auf Frank Laufenbergs Frage, warum der hoch Talentierte nicht mehr aus seinen Möglichkeiten gemacht habe. Er genügte sich in der Rolle des „Sideman“, des Begleiters, und arbeitete so mit den ganz Großen der Branche zusammen. Neben den Beatles waren das unter anderem die Bee Gees, B.B. King, Lou Reed und Nilsson. Der Plastic Ono Band gehörte er als Gründungsmitglied an. Und als Grafiker gestaltete er mehr als 100 Plattencover. 1979 nach Lebensabschnitten in London und Los Angeles nach Deutschland zurück gekehrt, beförderte er die Karrieren von Stars wie Marius Müller-Westernhagen und Trio („Dadada“). Zwei Grammys stehen in seinem Haus am Starnberger See, das er heute mit seiner Frau Christina, seinem Sohn und seiner Tochter bewohnt, für einen dritten war er wegen seines Soloprojektes „A Sideman’s Journey“ nominiert. Klaus Voormann ist eine lebende Legende.

Präsentieren die Ausstellung „Remember Revolver 2013“ in der Sparkasse Ennepetal: (von links) Sparkassen-Vorstand Oliver Teske, WDR-Moderator Frank Laufenberg, Klaus Voormann, Ennepetals Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen und Sparkassen-Vorstand Bodo Bongen. (Foto: Frank Schmidt)

Kein Wunder also, dass sich Ennepetal vor diesem Künstler verneigte – allen voran Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen und Sparkassen-Chef Oliver Teske. Klaus Voormann aber, den es in jungen Jahren noch manches Mal zur Verwandtschaft in die Klutertstadt gezogen hatte, dürften die Begegnungen mit den Brüdern Max und Michael sowie deren Familien, mit Kusine Renate Leithold, aber auch mit den Stätten früherer gemeinsamer Erlebnisse, bei seiner Rückkehr noch weit mehr zu Herzen gegangen sein.

Einen Einblick in sein grafisches Schaffen und damit auch in eine unver´gängliche Epoche der Musikgeschichte gewährt Klaus Voormann dem Publikum in Ennepetal noch bis zum 21. Februar in der Sparkassen-Hauptstelle, wo „Remember Revolver 2013“ während der Öffnungszeiten zu sehen ist. Und wer genau hinschaut, der entdeckt Klaus Voormann selbst auf jenem legendären Plattencover, auf das er sich mit ein paar Federstrichen selbst hineingemogelt hat. Die Beatles ließen es ihrem Sideman gerne durchgehen. Weil er schon damals eben alles andere als ein Arschloch war – und noch heute ist.