Lärm, Müll und Notdurft im Breddepark

Gevelsberg. (zico) „Die kommen aus weitem Umkreis hierher, drehen die Musik in den Autos auf und stellen die Boxen in den geöffneten Kofferraum. Es wird getrunken, alles verdreckt, und die Notdurft wird frank und frei am Gebüsch verrichtet“, ärgern sich Carmen Baselt und viele ihrer Nachbarn über unhaltsame Zustände am und im Breddepark. Die Grünanlage, eigentlich für die Anwohner in diesem vogelsanger Bereich gedacht, ist seit einiger Zeit ein Treffpunkt für junge Leute geworden, die zum Teil sogar vom Niederrhein bis nach Gevelsberg kommen. „Manchmal sind es über dreihundert“, hat Carmen Baselt, die seit 37 Jahren in Vogelsang wohnt, gezählt: „Bei schönem Wetter ist hier seit einiger Zeit immer Remmidemmi.“

Gefühl der Unsicherheit

Zustände, die so nicht sein sollen – das meinen auch Bürgermeister Claus Jacobi und Ordnungsamtsleiter Arnim Schäfer. Der Verwaltungschef und sein Fachbereichsleiter trafen sich in dieser Woche auf Vermittlung des wochenkuriers vor Ort mit den Anwohnern, um das Problem zu besprechen und das Areal in Augenschein zu nehmen. „Dass hier gegrillt wird, ist ja durchaus so gewollt“, meint Jacobi mit Blick auf den eigens errichteten Grillplatz, „Ruhestörungen, öffentliche Verrichtung der Notdurft und Vermüllung der Anlage können aber nicht geduldet werden.“

Für Zündstoff und Diskussionen sorgen die Parties mit teilweise über 300 Menschen, die am Wochenende zum Breddepark kommen, bei den Anwohnern. (Foto: Frank Schmidt)
Für Zündstoff und Diskussionen sorgen die Parties mit teilweise über 300 Menschen, die am Wochenende zum Breddepark kommen, bei den Anwohnern. (Foto: Frank Schmidt)

Hinzu kommt ein Gefühl der Unsicherheit, wie es zum Beispiel Hannelore Briel beschreibt. „Die Leute schellen hier ja sogar, verlangen nach Wasser oder wollen meine Toilette benutzen. Ich weiß ja gar nicht, was das für Leute sind und bin dann lieber vorsichtig“, so die 88-Jährige, die seit 57 Jahren Vogelsangerin ist. Auch Daniela Rumpf, Joachim Baselt, Nicola Kaulfers sowie Karin und Manfred Enter, alles langjährige Vogelsanger, stoßen ins gleiche Horn: „Was sollen denn die Kinder denken, wenn sich hier so benommen wird und zum Beispiel junge Leute mit heruntergelassenen Hosen am Gebüsch stehen.“

„Unangemeldete Versammlungen“

„Wir haben das Thema heute im Verwaltungsvorstand angesprochen und teilen ihre Analyse“, will Claus Jacobi die Sache nicht schön reden. Und Arnim Schäfer ergänzt: „Uns ist das Problem schon im vergangenen Jahr zu Ohren gekommen.“ Seine gute Nachricht: „Bei solch großen Gruppen, die sich hier verabreden, handelt es sich um Versammlungen, die angemeldet werden müssten. Auch müssten entsprechende Vorkehrungen bei einer angemeldeten Versammlung getroffen werden; etwa das Aufstellen von Toiletten. So machen es ja zum Beispiel auch die Veranstalter des Vogelsanger Osterfeuers. Unangemeldete Versammlungen hingegen sind verboten.“

Daran hat die lose Gemeinschaft von Feiernden, die bei gutem Wetter im Breddepark einfliegt, sicher kein Interesse. Ihre Zusammenkünfte aber sind nicht durch das Recht auf Nutzung öffentlicher Sachen im Gemeingebrauch gedeckt, sondern unterliegen den Vorschriften des Versammlungsrechts. So ist die Stadt zum Beispiel auch nicht verpflichtet, an dem städtischen Grillplatz öffentliche Toiletten vorzuhalten. „Das ist ja kein Platz für private Parties“, stellt Claus Jacobi klar. Und doch finden sie statt – „und die Technischen Betriebe räumen montags immer alles schön auf und nehmen den Müll mit, so dass bis zur nächsten Fete wieder alles hübsch ordentlich ist“, so die Anwohner. Dass der Dreck liegen bleibt, möchten sie natürlich auch nicht: „Die Verursacher sollten das weg machen, nicht die Mitarbeiter der Stadt, die wir mit unseren Steuern bezahlen.“

Problem wird angepackt

„Wir packen das Problem jetzt gemeinsam an“, fasst Claus Jacobi zusammen: „Der Bereitschaftsdienst des Ordnungsamtes wird im Zusammenspiel mit der Polizei hier künftig verstärkt kontrollieren und die Personalien aufnehmen, wenn es erneut derartige Feiern und nicht tolerablen Umständen gibt. Die Anwohner sind ihrerseits aufgerufen, sich im Falle solcher Störungen bei der Stadt zu melden, am Wochenende auch bei der Polizei. Und das, so kündigen sie an, werden sie auch tun. Ein dickes Lob haben übrigens beide Seiten – sowohl der Bürgermeister als auch die Anwohner – für den wochenkurier parat: „Schön, dass der wochenkurier gleich eingestielt hat, dass man zu einer gemeinsamen Lösung findet und sich nicht darauf beschränkt, Missstände zu beklagen. Das liegt schließlich im Interesse aller Beteiligten!“