Landtagsabgeordnete werben für EN-Verbraucherzentrale

Der EN-Kreis braucht eine Verbraucherzentrale, meinen (von links) die SPD-Landtagsabgeordneten Inge Blask, Professor Rainer Bovermann und Hubertus Kramer. Besondere Schwerpunktthemen von Verbraucherschützern sind derzeit Internet-Abzocke, Versicherungs- und Handyverträge. (Foto: Frank Schmidt)
Der EN-Kreis braucht eine Verbraucherzentrale, meinen (von links) die SPD-Landtagsabgeordneten Inge Blask, Professor Rainer Bovermann und Hubertus Kramer. Besondere Schwerpunktthemen von Verbraucherschützern sind derzeit Internet-Abzocke, Versicherungs- und Handyverträge. (Foto: Frank Schmidt)

EN-Kreis. (zico) „So mancher Jugendliche hat bereits zwei, drei verschiedene Handyverträge am Bein – und damit auch die erste Verschuldung“, berichtet Inge Blask aus der Praxis. Die SPD-Landtagsabgeordnete aus Hemer (Märkischer Kreis) ist seit 2012 Sprecherin ihrer Partei in Verbraucherschutzfragen und war zuvor bei der Verbraucherzentrale NRW tätig – zunächst bis 1984 als Beratungskraft, von 1984 bis 1990 als Leiterin der Beratungsstelle Iserlohn und von 1990 bis 2012 als Regionalleiterin. Die 53-Jährige kann die vor wenigen Tagen vom Kreistag getroffene Entscheidung, eine Verbraucherzentrale im Ennepe-Ruhr-Kreis einzurichten, nur begrüßen: „Damit wird einer der letzten weißen Flecken in Sachen Verbraucherschutz in NRW geschlossen.“

Was Verbraucherzentralen alles leisten, weiß wohl kaum jemand so gut wie Inge Blask: „Es gibt sie in unserem Land seit mehr als 50 Jahren, und ihre Arbeit folgt dem gesellschaftlichen Wandel.“ War es in den 50-er und 60-er Jahren vor allem die Ausstattung der Haushalte mit Elektrogeräten, die viel Beratungsbedarf mit sich brachte, wurden in den 70-ern und 80-ern Verbraucherschutzrechte entwickelt, die entsprechenden Rechtsberatungsbedarf mit sich brachten – zu Themen wie Gewährleistung und Reklamationen bespielsweise. In den 90-ern dominierten Fragen zum nötigen Versicherungsschutz; aber auch die Fälle von Verschuldung stiegen stark an. Und in den vergangenen zehn Jahren kamen die großen Themen Telekommunikation und Internet-Abzocke hinzu, wie auch ein Blick in die Statistiken belegt. In den stark ausgelasteten Zentralen in Wuppertal, Bochum und Hagen liegen die Bereiche „Telefon/Internet“ und „Finanzen“ jeweils weit vorn. Für andere starke Themen wie „Mietrecht“ oder „Energieberatung“ ziehen die Verbraucherzentralen externe Experten hinzu.

Die Fallzahlen in den Zentralen sprechen für sich. In Hagen sind es jährlich 10.000, in den größeren Zentralen in Bochum (18.000) und Wuppertal (22.000) noch deutlich mehr.Die Aussage, die Menschen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis sollten doch in die benachbarten Beratungsstellen ausweichen, lässt Inge Blask deshalb nicht gelten: Erstens seien diese ohnehin ausgelastet und zweitens hätte etwa eine Kunden-Umfrage in Wuppertal ergeben, dass in der dortigen Beratungsstelle die Klienten fast zu hundert Prozent aus Wuppertal kommen.

„Meist sind es sozial schwächere Menschen, Leute, die sich sonst nicht zu wehren wissen, welche die Verbraucherzentralen aufsuchen“, hat Inge Blask festgestellt. In den Zentralen wird ihnen geholfen, denn deren Wort gilt bei vielen Unternehmen, die keinen Ärger mit der Verbraucherzentrale haben möchten. „Bei den Telekommunikationsunternehmen haben sie feste Ansprechpartner und Durchwahlen, während Otto Normalverbraucher nicht selten in einer Endlos-Warteschleife landet“, so die Abgeordnete.

Höchste Zeit also, dass auch der EN-Kreis eine Verbraucherzentrale bekommt, meinten die heimischen SPD-Abgeordneten Hubertus Kramer, Professor Rainer Bovermann und Thomas Stotko, die auf dem SPD-Unterbezirksparteitag im vergangenen Jahr erfolgreich für das Projekt warben: Einstimmig wurde beschlossen, eine Verbraucherzentrale im EN-Kreis einführen zu wollen. Auch die Grünen schrieben sich diese Forderung auf die Fahnen, bevor in der vergangenen Woche der Kreistag den entsprechenden Beschluss fasste.

Die jährlichen Kosten für eine Verbraucherberatungsstelle belaufen sich auf 250.000 Euro, von denen das Land NRW 50 Prozent trägt. Die andere Hälfte muss vom Kreis aufgebracht werden. Für die Erst-Einrichtung der Verbraucherzentrale kämen zwischen 60.000 und 85.000 Euro hinzu. „Dafür bleibt aber auch Geld in den Taschen der Verbraucher, das zu einem Gutteil in den örtlichen Handel fließt, anstatt bei Mobilfunkanbietern, im Internet operierenden Konzernen oder Shopping-Sendern zu verschwinden. Selbst für die Landtags-CDU, die besonders auf Haushaltseinsparungen drängt, sind die Verbraucherzentralen tabu“, so Inge Blask.

„Für mich versehen die Verbraucherzentralen auch einen pädagogischen Auftrag“, meint Bildungspolitiker Rainer Bovermann: „Sie vermitteln Kompetenzen in ökonomischen Fragen, klären zum Beispiel auch in Schulen auf.“ Hubertus Kramer ergänzt: „Die umliegenden Beratungsstellen haben keine freien Kapazitäten mehr und können auch nicht auf regionale Besonderheiten im EN-Kreis eingehen. Verbraucherzentralen sind eine wichtige Interessenvertretung für die sogenannten ,kleinen Leute‘.“

Auch Thomas Stotko, seines Zeichens Rechtsanwalt, sieht die Verbraucherzentralen als Partner jener Bürger, die sich nicht problemlos einen Anwalt leisten können: „Es gibt sehr viele Menschen, die mit der Modernität und der Geschwindigkeit in dieser Gesellschaft nicht zurecht kommen. Verbraucherberatungen können auch Verhaltensänderungen herbei führen und erklären, wie man zum Beispiel mit Themen wie ,Homeshopping‘ umgeht.“

Einhellige Meinung: Es ist höchste Zeit für eine Verbraucherzentrale im EN-Kreis, auch wenn die Standorte für einen geplanten Hauptsitz sowie einen Nebensitz der Beratungsstelle noch offen sind. Die Kreisverwaltung hat nun den Auftrag, mit interessierten kreisangehörigen Städten Verhandlungen über die Einrichtung zu führen. Der Einzugsbereich der Städte Witten, Wetter und Herdecke mit 150.000 Bürgern steht dem der Städte Schwelm, Ennepetal und Gevelsberg mit 100.000 Einwohnern gegenüber. Ein Bereich soll die dauerhaft besetzte Hauptstelle, der andere die an zwei Tagen in der Woche geöffnete Nebenstelle erhalten.