Lutz Klingelberg geht in die Vollen

Gevelsberg. (zico) Das Talent wurde im praktisch in die wiege gelegt, doch die Begeisterung hat er sich selbst bis ins sportliche Seniorenalter erhalten: Lutz Klingelberg hat sich am vergangenen Wochenende in Bielefeld zum zehnten Mal für die Deutsche Meisterschaft der Kegler in der Altersklasse Senioren B qualifiziert und greift Ende Mai in Wolfburg erneut nach dem nationalen Titel.

Vater Heinz war Deutscher Meister

Bei den bisherigen neun Anläufen hat es für den 62-jährigen Hauptschullehrer immerhin zur Vizemeisterschaft 2002 und zu Platz drei 2008 gereicht. Welche Chancen er diesmal hat? „Das ist schwer einzuschätzen, aber ich gebe mein Bestes“, sagt Klingelberg, der von Kindesbeinen an auf der Kegelbahn zu Hause ist. Kein Wunder, denn Vater Heinz war in den 50-er und 60-er Jahren Vorsitzender der Gevelsberger Keglergemeinschaft, hatte es vor dem 2. Weltkrieg sogar zu Deutschen Meisterehren gebracht und organisierte zu Lutz’ Knabenzeit unter anderem die Gevelsberger Stadtmeisterschaften in der Gaststätte Keglerheim. Weil es noch keine elektronischen Anlagen gab, durfte der kleine Lutz seinerzeit die Kegelpinne aufstellen, ab und zu aber auch selbst einen Wurf riskieren. „Schon mit 14 nahm ich dann selbst an den Meisterschaften teil, obwohl man dafür eigentlich 18 sein musste“, erinnert sich Klingelberg junior. Mit 20 stand er dann in der Gevelsberger Stadtmannschaft, schloss sich dem VSK Gevelsberg an und wechselte Ende der 90-er Jahre zum ESV Hagen.

Vielseitigkeit ist gefragt

Nun möchte er seine Keglerlaufbahn krönen und muss dafür vor allem seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen. „Ich trete im Drei-Bahnen-Kegeln an – neben der bei uns bekannten Scherenbahn gibt es dabei auch die Asphaltbahn und die Bohlenbahn. Auf jeder Bahn werden 40 Wurf in die Vollen absolviert“, erklärt der sportliche Pauker. Die Asphaltbahn ist vor allem in Süddeutschland populär und ähnelt einer Bowlingbahn. Hier muss man vor allem gerade kegeln, denn die Bahn ist völlig eben. Die Bohlenbahn hingegen ist über die komplette Länge so schmal wie die Scherenbahn – und noch fünf Meter länger als diese. Hier gilt es, recht langsam zu kegeln, wenn man erfolgreich sein möchte.

Lutz Klingelberg hatte beim Qualifikationsturnier in Bielefeld gleich mit zwei Handicaps zu kämpfen. Zum einen plagte ihn eine schmerzhafte Achillessehnenreizung, zum anderen hat er im heimischen Raum praktisch keine Trainingsmöglichkeit mehr auf Bowlen- und Asphaltbahn. „Beides gab es bis vor einiger Zeit im Hagener Kegelzentrum, doch mittlerweile wurden diese Bahnen überbaut und haben Bowlingbahnen Platz gemacht“, bedauert Klingelberg. Dennoch schaffte er die Qualifikation als Vierter so gerade noch und hofft nun, bei der Endrunde in Wolfsburg verletzungsfrei antreten zu können.

Auch mit Team qualifiziert

Die Fitness wird er brauchen, denn erstmals hat er sich auch mit der Mannschaft des ESV für die Endrunde qualifiziert. „Mal schauen, wie wir uns da gegen die Spezialisten schlagen“, freut sich Lutz Klingelberg, der auch des öfteren Gevelsberger Stadtmeister war, auf die Titelkämpfe. Wer den drahtigen 62-Jährigen in Aktion sieht, ahnt schon heute, dass die zehnte Deutsche Meisterschaft noch lange nicht seine letzte sein wird.